Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1881)
- Date
- 1881-06-14
- Page
- Seite 394 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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394 Auf Seite 2 bemerken wir zwei Druckfehler, zuerst Zeile 15 Todte Meer selbst nur 394 Meter unter dem Meere liegt, v. o. die Zahl 807 Meter, die eine Depression unter den Ferner Zeile 18 v. o.. wo es es statt 2414 Kilometer ebenso Meeresspiegel von 602 Metern ergeben würden, während das viele Meter heißen muß. Jeui Salomon Jacob Laiilla in Stuttgart. Necrolog. Stuttgart, 2. Juni. Vergangene Woche ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der einen ehrenvollen Nachruf in Ihrem weitverbreiteten Blatte verdient. Der Königl. Hofagent Salomon Jacob Kaulla, langjähriges aktives Mitglied und dann Ehrenmitglied der Kgl. israelitischen Württein. Oberkirchenbehördc, Ritter 1. Classe des Kgl. württem. Friedrichsordens, ist in dem selten erreichten hohen Alter von 90 Jahren zu seinen Vätern eingegangen. Sein Vater, aus Hechingen stammend, war der wohlbekannte Kaiser!. Kgl. Rath Jacob Kaulla, der einst für die Prager Gemeinde vom Kaiser Franz Privij legiert erwirkte. Dafür beehrte ihn das dankbare "i m der Prager Gemeinde mit dem Morenutitel. — Er ließ seinem Sohne Salomon Jacob in Stuttgart, dem nachherigen Aufenthaltsorte der Familie, eine ausgezeichnete Erziehung angedeihen. Salman Hena, ein Schüler des berühmten Eibeschütz, unterrichtete Salomon Jacob in den hebräischen und talmudischen Fächern. Später erhielt er einen Lehrer aus der Mendelssohn'schen Schule, der zugleich ein Schüler Ben-Seew's war. In Stuttgart besucht er das kgl. Gymnasium als einer der ersten Israeliten. Nachdem er dann zur Erweiterung seiner Kenntnisse Reisen nach Frankreich. Italien und anderen Ländern unternommen hatte, ließ er sich häuslich in Stuttgart nieder, wo er, als Theilhaber der kgl. Hofbank, bis zu seinem Ende ein glückliches Familienleben führte. Sein Haus war berühmt wegen seiner Gastfreundschaftlichkeit, die der Verstorbene in schönster Weise ausübte. Männer, wie Berthold Auerbach, der Ritter und Regierungsrath von Weil und viele andere wissen vom Käulla'schen Hause in der Neckarstraße manches Gute zu er zählen. Der Schreiber dieser Zeilen hatte selbst das Glück,! während einer Anzahl von Jahren, mit dem edlen Manne unter denselben Dache wohnend, täglich mit ihm den freundj schaftlichsten Verkehr zu pflegen, und seit seinem Aufenthalte j im Auslande regte ihn ein ununterbrochener Briefwechsel! mit dem Verewigten äußerst wohlthucnd an. Selbst noch! wenige Tage vor seinem Tode schrieb der Verewigte einen! seiner anregendsten Briefe, und unvergeßlich werden die prächtigen, praktischen und weisen Lebenserfahrungen bleiben. leton.! die er bei jeder Gelegenheit mittheilte. — Er war ein > Jude im besten Sinne des Wortes ~Dn und pr.~ I bescheiden, barmherzig und wohlthätig im hohen Grade. Außerdem war er ein wahrer Mäcen der Kunst und Wisten-! schaft. So sandte er aus eigenem Antriebe vor einigen! Jahren, als Dr. Berliner nach Italien reiste, um die dortigen | Bibliotheken zu studiren, durch Vermittelung der Red. d. Ztg.! dem Di-, einen substantiellen Beitrag zur Bestreitung der Reise- I kosten. Dies nur ein Beispiel seiner Privatwohlthätigkeit von! den vielen, die von ihm erwähnt werden könnten. Auch war I er der Stifter der Kaulla'schen Familienstiftung, die jährlich! an unbemittelte Studirende beträchtliche Stipendien vertheilt. ' — Das Leben Salomon Jacob Kaulla's repräsentirt ein! Stück Geschichte des Judenthums. In seiner Eigenschaft als * Mitglied der kgl. isr. württcmb. Oberkirchenbehörde, war er einer der hervorragendsten Männer, die das Judenthum in Württemberg in eine geordnete staatlich anerkannte Stellung brachten, so i daß dasselbe jetzt noch als Muster für viele andere deutsche j und außerdeutsche Länder gelten darf. Weder neu-orthodox!noch extrem-radikal in seinen religiösen Ansichten, war S.! 2. Kaulla ein Mann, der auch vom Judenthum sagte: Das! Beste sei die via inedia, die goldene Mittelstraße, durch! welche der historische Zusammenhang des modernen mit dem i alten Judenthume aufrecht erhalten werden müsse. Darum : habe auch eine Reform, die aus das unverdorbene Alterthum zurückgehe, volle Berechtigung, und so war ihm die Allgc! meine Zeitung des Judenthums noch immer der richtige Vertreter des wahren Judenthums, und er las dieselbe bis zu! seinem Ende. j Der Verewigte, den Gott mit Gesundheit und Geistesfrische bis zu seinem Ende gesegnet hatte, hinterläßt eine zahlreiche. weitverbreitete und allgemein angesehene Familie,! die nun ihren edlen Nestor verloren. Mögen alle seine Tugenden sich aus seine Nachkommen vererben. — Bemerken wollen wir noch, daß der Verewigte am kgl. Hofe hochgeachtet war. Als Beweis dafür zeichnete ihn sein König mit dem Ritterkreuze I. Elaste des Friedrichsordens aus. — Freunde und Arme haben einen Berather und Vater in dem Verewigten verloren, und alle, die ihn kannten, werden mit nns in den Ruf cinstimmen r,r*:r. Auf Wiedersehen in den Gesilden der Seligen!