Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1881)
- Date
- 1881-06-14
- Page
- Seite 392 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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392 3totfinaitn präsidirten Versammlung. Als Vorsitzender wiwde Stuttgart, 30. Mai. OPrivatmitth.) Am 24. d. M. gewählt stud. jur Lcntze. Beigetretcn sind dem Verein 43; starb hier im 90. Lebensjahre Hofagent und israel. Ober- Commilitoneu. Wir glauben kaum fehlzugreifen, wenn wir kirchenvorsteher Salomo Jakob Kaulla und am 26. fand dem Vereine nur eine kurze Existenz prognosticircn." Auch gut. unter großer Begleitung die Bestattung desselben statt. Sr. Hamburg, 23. Mai. Die „Reform" schreibt: „Die Majestät König Karl ließ sogleich nach Empfang der Nach- Pctition gegen die Juden, welche an den Fürsten Reichsricht dieses bei Hofe angesehenen Mannes der Familie seine kanzler eingcsandt worden ist und welche die Einschränkung innigste Theilnahme kundgcben. — der politischen und bürgerlichen Rechte unserer jüdischen Mit- Bei der vorige Woche hier eröffneten „Württ.Gcwerbebürger fordert, hat ein ganz besonderes Nachspiel. Alle^ ausstellung" haben unter 1548 Ausstellern 53 Israeliten welche dem Unternehmer jener Petition, dem Dr. Bernhard Produkte ausgestellt, die, besonders was Textilindustrie anbelangt, zu den bestvertretencn gehören. Während man bloß 0,6j>0,o Israeliten in Württemberg zählt, beträgt die Zahl der jüd. Aussteller 3,5°0 der ganzen Zahl der Aussteller. In der Abtheilunz für Kunst (Skulptur) erregen 2 Arbeiten des hiesigen Bildhauers Albert Güldenstein: ein Marmorfrieß: „Gedenktafel für König Wilhelm I. von Württemberg" , und ein „betender Genius", die Bewunderung der Besucher. Tie Ausstellung zeigt, daß die württ. Israeliten schon Wesentliches für die industrielle Hebung ihres Vaterlandes geleistet nnd sich der ihnen stets bewiesenen Fürsorge unserer Landesregierung würdig gezeigt haben. Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. Juni (Privatmittheilung). Zu meinem Leid- Förster zu Charlottcnburg aus der antisemitischen Bewegung bekannt find, erhalten jetzt von dem genannten Herrn ein Eirkular, in welchem sic gebeten werden, zur Deckung der ihm entstandenen Kosten einen Beitrag übersenden zu wollen. Doktor Förster hat dem zweifelhaften Unternehmen: dreivicrtel Jahr lang seine ganze Kraft geopfert, er hat ferner zwölfhundcrt Mark Truckschuldeu gemacht, die er aus eigenen Mitteln zu tilgen völlig außer Stande ist. Ucbrigcns hat jüngst unser Mitbürger W. Marr ein ähnliches Eirkular erlassen, nur etwas praktischer, indem er den zu leistenden Beitrag für die Betreibung der Judcuhetzc gleich auf 5 Mark pr. Empfänger des Cirkulars norniirtc." Aus Pommern, Ende Mai. (Privatmitth.) Ter jüdische Religionsunterricht an den höheren Unterrichtsanstalten in Preußen, eine Errungenschaft der Falk'schcn Minister- Aera, ist eine noch zarte, junge Pflanze, die von dem rauhen! wesen muß ich heute wieder auf dem Krakauer Rabbiner Sturme des Antisemitismus am meisten bedroht erscheint. Schreiber zurückkommcn. Wie Sie wissen, wird nachdem Um so erfreulicher ist cs, die gelegentliche Aeußerung eines! § 4l der Statuten, welche genannter Herr dem Ministerium hohen Schulbcamten verzeichnen zu können, die Zcugniß da-! unterbreitet, die Gemeinde mit Haut und Haaren dem Rabbiner von ablcgt, daß trotz aller widrigen Zeitströmungen auch! ausgeliefert, in dessen Belieben cs liegen soll, die gewählten dieser Unterricht sich bereits cinznbürgcrn nnd auf dem Boden! Vorstandsmitglieder zu bestätigen. Nicht minder haarsträubend unserer höheren Schulen sich cinzuwurzelu beginnt.! ist eine andere Bestimmung. Herr Schreiber wünscht näm- Am 16. d. Bits, feierte nämlich der Geheime Regie-! lich eine Trennung und Spaltung der Gemeinden. Als Mitrungs- und Provinzial-Schulrath I)r. Wehrmann in Stettin! glicder der innerhalb der Gemeinden sich neu bildenden Gedas 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit in Pommern, mcindcn sollen jene gelten, die sich für dieselbe erklären: Zn dein zahlreichen Svationcn, die den bewährten und ge-! ferner jene, welche die Regierung derselben zuweist, feierten Schulmanne ans Schulkreisen bereitet wurden, gehörte! Tie Regierung hätte daher zu entscheiden, ob der eine oder der auch ein Glückwunsch-Telegramm, das von sämmtlichen jü-! andere Israelit auf religiösem Gebiete conservativ oder frcidischen Religionslehrcrn an den höheren Schulen in Pom-i sinnig sein soll. Man weiß wirklich nicht, ob man eine dcrmern in nircuiv erlassen wurde. In diesen Tagen erging! artige Bestimmung für Wahn — oder für Unsinn halten soll, nun ein Dankschreiben. dessen bermcrkcnswerther Schlußsatz, Jedenfalls ist dieser Modus ein Novum im Judcnthum. Der wörtlich also lautet: Vater des Herrn Schreiber, der verstorbene Rabbiner von „Ich bitte Gott, daß er mir Kraft verleihe, zum Prcßburg, Moses Sopher, dürfte sich im Grabe umdrehen, Segen der :nir anvertrautcn Schulen, ferner zu wirken wenn er von diesem Vorschläge seines Sohnes hört. Wie und auch zur Förderung des jüdischen Religionsich übrigens vernehme, ist Herr Rabbiner Schreiber nicht der Unterrichts an denselben etwas beizutragcn." Verfasser dieses Machwerks, sondern der ehemalige hochgeehrte Wer die Verhältnisse und die Persönlichkeiten unserer Herr Ignaz Deutsch, der überhaupt der spiritus rector der Provinz kennt, wird den unerfreulichen Erscheinungen der Zeit „Rechtgläubigen" war. Es ist dies derselbe Herr, welcher gegenüber diese in solchem Munde bedeutungsvollen Worte in der vor einigen Jahren erschienenen Schrift: „Jüdische sicherlich nicht unterschätzen. — Tartüfse" von Kohn nach Gebühr characterisirt wurde.