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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-14 · Heft 24 (14.6.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 24 (14.6.1881)
Date
1881-06-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ein ern e Leitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Leitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonne ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr.!»2) und Lesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baurnzärtner's Buchhandlung in Leipzig. > In redactioncllen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.Philippson in I Bonn direct, in allen übrigen an die i Verlagsbandlui'g. Beilagen (Gebühr! ILM.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 45. Jahrgang. Leipzig, den 14. Juni 1881. 24. lakstt. Leitende Artikel: Einige Streiflichter auf die großen politischen Fragen der Gegenwart. Hl. — Tie Verfolgung der Juden in Südrußland. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Breslau, Hamburg, Au» Pommern, Sruttgart. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Aus Böhmen. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Bonn: Policen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Salomon Jacob Kaulla in Stuttgart. Necrolog. — Das Jubiläum des Hofschauspiclers Sonnenlhal. — Lotterie zu Gunsten des Israelitischen Krankenhauses in Slraßburg. Bonn, 7. Juni. Einige Streiflichter auf die großen politischen Fragen der Gegenwart, m. Probleme, Streitfragen, welche die Zeit ei füllen und beherrschen, können nicht oft genug durchgefprochen werden, können nicht genug durch immer wiederholte Erwägung und parteilose Prüfung Licht erhalten. Es ist daher nur Gewissen' Hastigkeit vom Publizisten, wenn er aus denselben Gegenstand wiederholt zurückkommt. Gehen wir in die Geschichte des Menschengeschlechtes zurück, so gewahren wir, daß eine jede Station sich als ein Individuum betrachtete, das gegen alle anderen Nationen vorzugehen und ihnen so viele Bortheile abzunchnien gewillt war, als ihm seine Machtmittel ermöglichten. Bon einem Zusammenhänge der Völkerschaften miteinander, von einer Zusammengehörigkeit zu einem Ganzen, von dessallsigen Verpflichtungen und gegenseitigen Rechten war Jahrtausende hindurch kaum eine Ahnung vorhanden, und erst die neuere Zeit sah solche Begriffe entstehen und Wirksamkeit auf die realen Verhältniffe erlangen. Jede Nation war für sich, kämpfte für sich, bestritt zu ihren Gunsten alle übrigen Völker, unterwarf sie, beutete sie aus oder vernichtete sie, wie sie cs vermochte. Nicht blos die mittelasiatische Horde brach hervor, um den Westen zu unterjochen, sondern auch der Macedonier und der Römer knechteten mit ihren Waffen die Völker, und riesen ihnen zu: „Wehe den Besiegten!" Der Hellene sah alle Völker außer dem eigenen Stamm als „Barbaren" und von der Natur zu seinen Sklaven bestimmt an. Griechische Seeräuber eilten den phönizischcn Schiffern nach, eigneten sich deren Handelswege und Colonien an. Ter Aegypter verbot den Verkehr mit den Fremden und der Altinder zog dem Handel durch Zölle und Preisbestimmung unübersteigliche Schranken. An vielen Küsten erwartete den vom Meere aus den Strand Geworfenen der Tod oder doch die Sklaverei. Was wir jetzt das „Kriegsrecht" nennen, gestattete dem Sieger jede Art von Grausamkeit und machte ihm Person und Besitz des Besiegten zum Eigenthume. Wo zwischen einer Anzahl von Völkerschaften ein Verband eintrat, war cs immer nur die Herrschaft einer Nation, welche die anderen unter ihrer Zuchtruthc zusammenhielt. Bundesgenossenschaften kamen vor, reichten aber nur so lange und so weit aus, als der Bortheil ein beiderseitiger war und die Macht des einen Bundes- : genossen nicht genügte, um den anderen niedcrzuwersen. Dieser Alleinherrschaft der Nationalität schienen die beiden großen Religionen, die sich in der Beherrschung des; Abend- und das Morgenlandes tbeilten, entgegenarbeiten zu wollen. Das Christenthum und der Islam erschienen mit j dem Charakter der Universalität. Sic brachten eine religiöse Vereinigung vieler Völker zu Stande und schufen Interessen,

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