Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1881)
- Date
- 1881-05-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Judenthums. Em impartciischcs Organ für alles Wische Jnlcrcssc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Brerteljährig S Mar!. Abonne-! ment in Deutschland (Postzeitungsliste | Pr. »S) und Oesterreich bei ollen Postämtern, außerdem durch den Puchi Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumsarlner's Buchhandlung in Leipzig.! In redactionellen Angelegendeiten! wende man sich an vr. L. Philippson in < I Bonn direct, in allen übrigen an die! Berlagshandlung. Beilagen ^Gedüdr > lL M.) sind gleichsalls an letztere ein zusenden. 45. Jahrgang. Leipzig, den 31. Mai 1831 Xo. 22. lobalt. Leitende Artikel: Das Uobrew Union College in Cincinnati. — Tie Verfolgung Der Juden in Südrußland. Hl. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Aus dem Reichslande, Brandenburg a. d. H., Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Bon der Donau, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: lieber die Höhe der mosaischen Gesetzgebung. — Vermischtes. £eiteti?c €Lzti£eC. Bonn, 24. Mai. Das Hebrew Union College m Cincinnati. Bekannt ist es, daß, während die Römer die Mauern Jerusalems umlagerten und den Verständigen der Sieg der Legionen und der Untergang der Stadt nicht mehr zweifelhaft sein konnten, dafür gesorgt ward, daß das Lehrhaus aus der der Zertrümmerung geweihten Stadt nach einem mv deren Orte, nach Jabne (Jamnia) verpflanzt wurde. Es glang, und damit war die wesentlichste Rettung des Judenthums vollbracht. Es ist eine höchst interessante Geschichte die Wanderung des Sanhedrins nach TiberiaS, Sephoris u. s. w., die Verpflanzung der jüdischen Wissenschaft von Palästina nach Babylonien, von da nach Aegypten, der Berbern und Spanien, von da nach Süd- und Nordfrankreich, Deutschland, Polen. Es geschah zumeist aus. man kann sagen, providentiellem Wege, oft in sehr dramatischer Weise, im Zusammenhänge mit den tragischen Geschicken der Nation, und diese wieder mit den großen Weltereignissen. Jndeß darf hierbei nicht blos das Verdienst der Gelehrten, sondern ganz besonders muß auch das Verdienst der ganzen Masse 1) Bergt, unsere Rede zur Einweihung der Hochschule sür die Wisseuschast des Judenthums zu Berlin (Louis Gerschel). hervorgehoben werden, welche in treuester Anhänglichkeit, sobald sie an irgend einem Orte eine Gemeinde gründete, auch sür eine Lehrschule der Jugend sorgte und Opfer brachte. Es war dann immer ein Beweis, daß das Judenthum in einer Landschaft sich gestärkt fühlte und zu einem frischeren Leben erwacht war, wenn sich in derselben auch Lehrstätten der jüdischen Wissenschaft durch bedeutende Gelehrte und die Mittel, die man ihnen bot, eröffnet wurden. lind wahrlich, wir können es auch als eine Erstarkung des Judenthums in den Vereinigten Staaten betrachten, wenn daselbst vor ungefähr zwei Jahren eine Rabbiner-Bildungsanstalt, also zugleich eine Pflanzstätte des wissenschaftlichen Judenthums eröffnet, und sür diese am 24. April ein neu eingerichtetes stattliches Gebäude eiugcweiht wurde. Eine solche Anstalt, die nur durch den angestrengtesten Eifer für die Sache begeisterter Persönlichkeiten und durch die freiwilligen Opfer Vieler zu Stande gebracht werden kann, mußte in Amerika eine längere Vorgeschichte haben. Tenn hier ist alles neu; es giebt keine alten Institute, an die man sich anlehnen oder die man umgestalten könnte. Ein Jahrhundert lang mußte erst die Einwanderung immer mehr wachsen; sehr zahlreiche Gemeinden mußten erstehen: das Bedürfniß nach Rabbinen, Predigern und Religionslehrern wurde immer größer, und, ein wesentliches Moment, die Religion, das Judenthum mußte im Bewußtsein der Masse in seiner Würdigung und Anerkennung wieder steigen. Es versteht sich wie von selbst, daß der Gedanke, eine solche höhere Lehranstalt zu gründen, oft ausgesprochen, ihn zu verwirklichen mancher-