Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- Seite 338 (sequence 4)
- Language
- German
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338 her in dem natürlichen Verlauf der Dinge in dieser Beziehung der Ausbeutung des gewandteren und unternehmenderen hebräischen Stammes aussetzen. Ein großer, wenn nicht der größte Theil des Gewinnes, welchen die ackerbautreibende Bevölkerung aus der Bodencultur bezieht, ist gegenwärtig in die Hände der Juden übergegangen. Der Beweglichkeit und Petersburg, 10. Mai. Der Regierungsbote meldet aus Kiew: „Am 8. Mai gegen Mittag brach hier eine Judenverfolgung aus, bei welcher mehrere Personen verwundet wurden, während eine Anzahl Buden und Läden geplündert wurden. Am folgenden Morgen war den Unordnungen mit Hülfe des Militärs Einhalt gethan, 500 Ruhestörer waren zur Hast gebracht worden. Gegen 2 Uhr nachmittags erneuer Schlauheit der Juden auf der einen, dem Mangel an Unter-! nchmungsgeist, der Rohheit und Sorglosigkeit der Russen! ten sich aber die Unruhen und mußten mit bewaffneter Macht aus der anderen Seite muß man es zuschreiben, daß die unterdrückt werden, wobei ein Frauenzimmer getödtet und einige Juden heute die Märkte beherrschen, die Preise der Producte Personen verwundet wurden." bestimmen und mit einem Worte den ganzen Handel in Süd- Petersburg, 10. Mai. Die Unruhen in Kiew schei rußland in Händen haben. Die Juden sind unermüdlich thätig, nen ernster Natur gewesen zu sein; das Militär mußte, um die russische Bevölkerung dagegen zieht cs vor, weiter zu leben, wie ihre Väter gelebt haben und unterwirft sich leidend dem Einflüsse des unternehmenden Stammes; ihre Energie offenbart sich nur hin und wieder bei Gelegenheit ganz geringfügiger Ursachen in rohen Ausbrüchen von Gewaltsamkeit, in welchen sich der Haß gegen alles ausspricht, was zur hebräischen Nationalität gehört. Die Regierung ihrerseits die Ruhestörer, die sich zur Wehr setzten, auseinander zu treiben, von der Waffe Gebrauch machen; ob gefeuert wurde, verschweigt der Regierungs-Anzeiger. Aus Privat Telcgrammen russischer Zeitungen, die hier unterdrückt worden sind, geht hervor, daß mehrere Todte und zahlreiche Verwundungen zu beklagen sind. Im ganzen Süden Rußlands war schon vor den Ostertagen das Gerücht verbreitet, es solle eine darf sich nicht damit begnügen, die Schuldigen zu strafen allgemeine Judenhetze stattfinden. Die Juden versahen sich und die Verfolgten zu schützen, —ihr ist die Ausgabe gestellt, deshalb mit Waffen; sie wandten sich auch an den Gencraldas Uebel bei der Wurzel zu fassen, d. h. durch Hebung gouverneur von Odessa um Hülfe, welcher mit beruhigenden der Landwirtbschaft, durch Gewährung materieller Vortheile Versicherungen antwortete und die Kosaken-Regimenter heran- und Unterstützung der ackerbautreibenden Claffen denselben zog. Odessa war überhaupt zu jener Zeit mit Militär gedie Möglichkeit zu geben, mit Erfolg gegen die Concurenz! füllt und das soll nach der Meinung des Berichterstatters ankämpfen zu können. Doch das ist nur die materielle Seite der deutschen Petersburger Zeitung der einzige Grund geweder Aufgabe; die Sorgfalt für allgemeine Volksbildung, Hesen sein, der den Pöbel von Odessa davon abhielt, gleichbung des geistigen und sittlichen Standpunktes der Massen! falls auf die Juden loszuschlagen. In der russischen Jusind ungleich wichtiger, wie nicht weniger religiöse Aufklärung denverfolgung liegt ein planmä ßigeS Vorgehen, die in wahrhaft christlichem Geiste. Die Ruhe in Elisabethgrad! ganze Hetze ist eine längst abgekartete Geschichte geist wieder hergestellt; die Stadt gewährt in diesem Augen-! wesen. Gegenwärtig sucht es die eigentlichen Anstifter blick ein schreckliches Bild: wie nach dem Einbruch einer > aus dem Haufen der Verhafteten heraus, es ist indessen Vandalenhorde sind Bazar und Straßen mit zertrümmerten! sehr zweifelhaft, ob man namentlich die Haupträdelsführer Möbeln, Glas- und Spiegelstücken und verschiedenem Hausj ergriffen hat. Die letzteren haben sich höchst wahrscheinlich geräth buchstäblich bedeckt. Die Russen hatten an die Fenster; aus dem Staube gemacht, sobald das Unheil im Zuge war, ihrer Häuser Heiligenbilder gestellt und die Hausthür mit; um sich ein neues Feld der Thätigkeit auszusuchen. Nur so einem Kreuz bezeichnet; die Juden versuchten dasselbe, es! läßt sich das gleichzeitige Losschlagen auf die Juden in half ihnen wenig, der trunkene Pöbel drang in die Häuser! ziemlich weit von einander abliegenden Orten erklären. — was nicht als Raub sortgeschleppt werden konnte, wurde zertrümmert. Biele Juden hatten Schutz in der Synagoge gesucht — als aber einige Schüsse aus derselben aus das Volk abgeseuert worden, kannte die Wnth des Pöbels keine Grenzen und die Synagoge wurde mit Sturm genommen „Wir haben Plewna genommen!" riefen die Arbeiter. Die Untersuchung hat begonnen und es werden natürlich viele Schuldige gesunden werden — der Funke unter der Asche wird dadurch nicht erstickt werden; die geringste Veranlassung kann ihn zur Flamme anfachen. (In dieser Auseinandersetzung ist ein sehr wichtiger Factor übergangen worden — die Brandweinpest!) Der Petersburger Zeitung schreibt man aus Golta über die letzten Ereignisse: Am 20. des Abends läuteten plötzlich die Kirchenglocken; wir stürzten aus dem Hause in der Ueberzeugung, eine Feuersbrunst zu erblicken, aber ein feiner, kalter Regen empfing uns, die Nacht war stockfinster, in der Ferne bewegten sich zahlreiche Laternen immer näher, und nun konnte das Ohr auch wildes Angst, und Wuthgeschrei. das Klirren zerbrochener Fenster und das Krachen eingeschlagener Thüren vernehmen, kurz, die Judenhetze war im vollen Gange. Eine Rotte von etwa 200 Menschen, Bauernburschen, Eisenbahnarbeitern, Kutschern und fremden hier unbekannten Leuten