Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1881)
- Date
- 1881-05-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227339-3227361--38968-3308240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein impartriisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. :>2) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgartners Buchhandlung in Leipzig.! In redaciionellen Angelegenheileil j wende man sich an Ilr.L. Phrlippson in I Bonn direct, in allen übrigen an die j Berlagsliandln >g. Beilagen ^liebülir > >- M.! sind gleicbsallS an lenrere ein zusenden. | 45. Jahrgang. Leipzig, den 24. Mai 1881. JVJ. 21. Inhalt. Leitende Artikel: Wofür wir Juden zu danken haben? - Die Verfolgung vcr Juden in Südrußland. II. — Hcitungs uachrichlen: Deutschland: Berlin, Leipzig, Altona, Eisenach, Neuwied, Fürth.— OesterreictiNugarn: Wien. — .Rolland: Amsierdam. — murret: Ehols. — Vlmertfa: liinctnnati. — Vonn Freimaurerische Gedächtnißrede auf Adolphe Cr^mieux. — Aoain Laite.rOa €\ziU\cC. Bonn, 17. Mai. Wofür wir Juden;u danken haben? In den judenfeindlichen Schriften und Blättern werden wir oft mit bitteren Worten der Undankbarkeit geziehen. Tie Juden sollten dankbar und deniüthig in den hintersten Winkeln des öffentlichen, geselligen und gewerblichen Lebens stehen und verharren, immer im Bewußtsein, daß sie Alles, was sie sind und haben. Anderen zu verdanken hätten. Wir müssen uns doch diese oft wiederholten Phrasen ein wenig näher ansehen, denn Undankbarkeit ist eine zu häßliche Untugend. Die größte Befriedigung, wir gestehen es, Hai uns stets die aus der Geschichte gewonnene Ueberzeugung bereitet, daß in den vierzehn Jahrhunderten der Ausschließung, des Tru ckes, der Berfolgung seit Coustantin (30 t > 33 < nach der gew. Zeitr.) kaum ein oder zwei Male die Juden eine Art von Untreue gegen ihre bisherigen Herren, so sehr sie auch von ihnen gedrängt und mißhandelt worden, geübt haben. Man kann sich denken, welche Blumenlese vom Berrath und der Tücke der Juden unsere Feinde schon längst geiamnielt hätten, wenn sie, sei es auch aus den entlegensten Winkeln der Geschichte, dergleichen hätten auffinden können. Selbst halbe Fabeln würde man nicht verschmäht haben. Aber c« : Notizen. — Feuilleton: Der Handel um den Namen. (Schluß.) — Salomon. ist absolut nichts davon aufzuspüren. Auch das kann man nicht zur Erklärung anführen, daß die Juden doch gewußt, sie würden es bei den Siegern nickt besser als bei den Be siegten haben. Tenn vor Allem wird der Mensch, der unschuldig gepeinigte, vom Durst nach Rache beseelt, und diesen hätten die Juden in reichem Maße empfinden können. Aber die Geschichte weiß viel von ihrer zähen Widerstandskraft, von ihrem geduldigen Ausharren und Ertragen, von ihrem emsigen Wiederherstellen des Zerstörten zu erzählen, aber nichts von Rache, Untreue, Berrath. Und hiermit ha den sicher die Juden schon des Tankes genug gegen diejenigen Völker abgetragen, welche sie ans der niedrigsten gesellschaftlichen Stufe festhielten und ihnen selbst den Boden, um darauß zu stehen, und die Luft, um zu athmen, nur ans Zeit und gegen schwere Bedingungen und Abgaben gervahrten! Man kann doch nicht verlangen, daß der Passant, den man gegen einen Leibzoll durch die Stadt und nur in Begleitung eines Stadtwaibels gehen läßt, für diese Erlaubnis; einen besonderen Tank empfinden solle? Tie Rechnung also zwischen den Völkern und den Inden in den gedachten vierzehn Jahr Hunderten möchte viel eher eine große Schuldsumme auf Seiten der ersteren als der letzteren prodnziren. — Run sagt man aber, die bürgerliche Gleichstellung, die Verleihung von gleichen Pflichten und gleichen Rechten habe den Juden eine Pflicht unbeschränkter Dankbarkeit auferlegt; wir wären dafür ganz besonders verpflichtet, und könnten unseren Ta: t nicht durch Thaten genug bewähren. Wir erkennen die uu bedingte Verpflichtung der Juden, ihre staatsbürgeiluh,» und -2,