Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1881)
- Date
- 1881-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'SU 1 g ein e t n e Leitung des Iudenthums. Ein nn-artciischcs Organ für allr? jüdische Interesse. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Birrrel jährig 3 Mart. Abonne > ment in Deutschland (Post^ciNln-iSliste Nr. «2s und Oesterreich bei allen Post j iimtem, außerdem durch den Buch Handel. Herausgegeben von Rabbiner br. Ludwig Philippson in Benin. Expeditia» und Verlag: BaunrHärtner's Buchhandlung in Leipzig. ,z» redaetiuiiellei: Angelegeiitieiie» tuende man sich au I>r.2.Plnuppiu» ui Bonn direet. in allen übrigen au dle Perlagvliandlu-.g. Beilagen . »''»i'L'üln' sind cheichsau-rau lenieie e.» »sende». 4!>. Jahrgang. Leipzig, den 3. Mai 1661. JV<\. IS. Inhalt. Leitende Artikel: Die bevorstehenden Wahlen in Deutschland. — vr. Ignaz Znranda. - Literarischer Wochenbericht. - Zeituugsnachrichteu: Deutschland: Berlin, Mannheim. Breslau, Jstarl-örut}C, Neuwied, Aus Pomniern, Argenau, 3ecjnt. - O est er reich- Ungarn: Wien, Pest. — Großbr itannien: London. - Bonn: Notizen. — Feuilleton: 0r. Moses Bester. t l'c i li?**: Bonn, 27. April. Die bevorstehenden Wahlen in Deutschland. Im nächsten Herbste steheil die Wahlen zum Reichslagej und zum preußischen Abgeordnetenhause bevor. Tie Verhältnisse liegen gegenwärtig der Art. daß diese Wahlen von der höchsten Bedeutung sind, entscheidend ans lange hin für die Entwickelung in Staat und Gesellschaft. Es sind so große Fragen vor das Forum der Gesetzgebung gebracht lind noch größere in Aussicht gestellt: die Gegensätze sind so schroff aufgetreten, die Tendenzen widersprechen denl bisheri gen Gange so sehr, daß voraussichtlich ein heftiger Wahlkampf vor sick, gehen wird. Das Volk wird berufen sein, sich über den Weg zu entscheiden, welcher eingeschlagen werden soll, um aus den vorhandenen Wirrsalen herauszugelangen und den wahren Bedürfnissen des Staates zu genügen. Um so mehr wird jeder Bürger verpflichtet sein, seine Stimme nach seiner innersten Ueberzeugung abzugeben, sich von persönlicher Gunst oder Ungunst nicht bestimmen, von irgend welcher Befürchtung nicht zurückhalten zu lassen. Gleichgültigkeit oder ängstliches Zurückweichen wird hierbei eine Unterlassungssünde sein, die einer thatsächlichen Verletzung seiner Pflicht gleichkäme. Dazu gehört aber, daß sich ein Jeder über die wahre Sachlage und über die Momente, um die es sich handelt, volle Klarheit und Einsicht verschaffe. Hierzu mit)'; Jeder beitragen, der die Fähigkeit und die Kraft dazu be sitzt. Wie unsere Leser wissen, treiben wir in diesem Blatte keine Parteipolitik. Tie Religion ist über alle politischen Parteien erhaben, und nicht wir wollen uns zu denen gesellen, welche sie zu denselben herabziehen und im Parteigetriebe mißbrauchen. Aber ans einem stehen wir lest, auf dem schwer errungenen Boden der Gleichberechtigung. Tie Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen ist die wahre Re ligion des Staates. Fast ein Jahrhundert währte der Kampf, um sie in die gesetzliche Verfassung des preußischen Staates, dann des norddeutschen Bundes und hieraus des deutschen Reiches ausgenommen zu sehen, und langsam reiste die Tnrchsührung dieses geheiligten Grundsatzes. Aber jüngst begannen die Versuche, dieses Axiom wieder anzuzweifeln und aus dem Staatsleben zu beseitigein Wir müssen jetzt mit allen frästen vertbeidigeu, lvas mir den größten Anstrengungen erweichen worden. Schon hier ans geht hervor, daß wir Inden als solche bei den bevorßebenden Wahlen allerdings einen beslimmten Gesichtspunkt pahen und dabei: müssen, aus welchem heraus wir unter Votum abznmessen haben. Es ist dies kein Sonderiuteresse. Wir streben nach keinem Vorrecht, nach keiner Ausnahme, svudern berechtigte Glieder der Gesammtheit zu bleiben. Tarnin ist dieses Interesse ein entschiedenes Interesse auch der Gestimmt heit. Jedes Vorrecht und jede Ansschlst-ßung ist zugleich eine Benachtheilignng und Schädigung der Gesammtheit. Wie in d.r Natur, so im Leben der Staaten und Volker 18