Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1881)
- Date
- 1881-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ernern 6 Zeitung des Iudenlhums. Ein unpartciischrs Organ für alles indische Interesse. Tirse Leitung erscheint wöchentlich. Preis Bierleljäiirig :< Mart. Abonne j ment in Deutschland (Postzeitiin-isiiste 4ir. 92> und Oesterreich bei allen Postämkern, außerdem durch den Vuch- - Handel. Hcransgegeben von r)t»ibl'incr 1>i. Ludwig Philippson in Bonn. Exvediiion und Verlag: Vaunr^ärtncr's Buchhandlung in Leipzig. In redacrioneNen -lnc;ele>,eiilieite!i! j wende man sich au I>r.L'. Philivviou in , > Bonn dirccl. in allen übrigen an die Berlag-:-bandl»i!g. Beilagen i^t'lebübr > : I- ')}i. sind gleichfalls an letztere ein l zusenden.! 4». Jahrgang. Leipzig, den 2«i. April 1881. Xd. 17. Inhalt. Leitende Artikel: Wie steht cs gegenwärtig uiu den „RiiNsemilismus?" — Religionsfreiheit und Religionsfrieden in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Cassel, Königsberg i. Pr., Posen, München. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Grostbrit'annirn: London. — Schweiz: Zürich. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. — Ein Ritt ins heilige Land. — Bermischtes. £cil'ci*t'c Cd: l'i l;cl. Bonn, 2t>. April. Wie steht es gegenwärtig um den „Äiitilemitismus"? Die sog. Antisemiten haben ihre höchste Karte ansgespielt: sie haben ihre Petition an den Reichskanzler abgesandt. Wer hat die Controle über die Unterschriften geübt? Sind unter den Namen, die da unterzeichnet sind, keine solche, deren Recht aus eine derartige Stelle zweifelhaft ist, z. B. von Kindern und unreifen Knaben? Aber sehen wir von dieser berechtigten Frage ab, so kann die Biertelmillion unterschriebener Namen nur als ein Mißerfolg, als ein glänzendes Fiasko angesehen werden. Man erwäge den ungeheuren Lärm, den diese Agitatoren gemacht haben, die Fluth von Broschüren, Flugschriften, Schmähblättern und zahllosen Zeitungen. mit der sie Deutschland überschwemmten, die Mittel, die sie anwandten, um sich der Beihülfe der Landräthe, Bürgermeister, Schulzen u. s. w. zu versichern, die Versammlungen, die sie gehalten, die Sendboten, die sie ausgeschickt — und wir werden nicht allein berechtigt sein, die 250,000 Rainen unter den 43 Millionen Deutschen als ein höchst geringes Resultat zu betrachten, sondern auch anzunehmen, daß Alle, die nicht unterschrieben, sich damit gegen die Antisemiten erklärt haben. Denn wer wirklich die üble Meinung von den Juden und ihrem Einfluß hat, wer die Beschränkung ihrer politischen und bürgerlichen Rechte wünscbt und für nützlich erachtet, wer also „antisemitisch" gesinnt ist, warum sollte der nicht seinen Namen unterzeichnen, der doch nicht einmal veröffentlicht wird, von dem nach außen gar keine Kunde dringt? Jeder daher, der nicht unterschrieben hat, ist nicht antisemitisch, ist gegen dieses ganze Treiben. Daß es in Deutschland eine Biertelmillion Menschen giebt, welche den Juden übel wollen, die auch wohl persönliche Interessen haben, die Inden im Besitz ihrer bürgerlichen Rechte zu benachtheiligen, das heraus- und ans 1 Licht zu bringen, dazu hätte es eines solchen Apparats, eines solchen Aufwandes von Tinte, Lungen und Fäusten nicht bedurft; das wußte man längst. Im Gegentheil aber, daß in Deutschland mehr als 42 Millionen solche Gesinnung nicht hegen, von solchen Umtrieben nichts wissen wollen, das ist ein Triumph für Deutschland und für die Juden; das ist ein Zeugniß, das geltend zu machen wir uns nicht entgehen lassen wollen! Was kann und soll übrigens noch diese Petition? Die Staatsregierung hat feierlich erklärt, daß sie die Gleichberechtigung nicht antasten werde; sämmtliche Parteien im Reichstage haben trotz der Schmähungen eines Bachem, Stroßcr, v. Ludwig dasselbe erklärt. Ter Reichskanzler selbst hat im Berliner Congreß Worte gesprochen, welche unvergessen bleiben. Da er, wie er in einer seiner letzten Rede sagte, „ein höflicher Mann" sei, der auf jede Zuschrift antworte, so erhalten vielleicht die Petenten eine Antwort; aber eine legislatorische Maßregel kann unmöglich 17