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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-05 · Heft 14 (5.4.1881) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 14 (5.4.1881)
Date
1881-04-05
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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226 Bonn, 27. März. lsNotizen.) Tie französische Aeack'-mie nehmen. — Aus Berlin schreibt man: Im „Geselligen ck^lnscrssnions hat, wie wir bereüs berichteten, den Orientalisten Berein der Gesellschaft der Freunde" hielt am Montag Herr Julius Oppert zu ihrem Mitglied«: erwählt. Die hohe Aus- Carl Emil Franzos eine Borlesung, deren Gegenstand ein Zeichnung wird damit einem in Deutschland geborenen Gelehrten neues, bisher noch ungedrucktes Werk des bekannten Schristzu Theil. Oppert ist am 0. Juli 1825 in Hamburg gebo-! stellers bildete. Auch die neue Erzählung „der Pojatz" geren und Israelit, auch Mitglied des Central-Comit^'s der hört wieder ausschließlich dem jüdischen Volksleben an. Sie AN. isr. univ. Im Jahre 1848 kam er nach Frankreich, wo schildert das Wachsen und Werden eines jüdischen Knaben, er anfänglich als Professor des Deutschen an den Lycecn von der seinen Vater, einen jüdischen „Schnorrer", vor, die Laval und Reims fungirte. 1852 nahm er an der unter Mutter nach seiner Geburt verloren hat und von einem müder Leitung von Fresnel Mesopotamien erforschenden Expe leidigen jüdischen Weibe an Kindesstatt aufgezogen wird; der dition im Aufträge der französischen Regierung Theil. Als aber weder zp einem Handelsmann, noch Gelehrten, noch Resultat seiner Studien veröffentlichte er im Jahre 185-1 ein Handwerker Geschick zeigt, sondern die Prophezeiung eines grundlegendes Buch über die Entzifferung der Keilschriften j weisen Alten zur Wahrheit macht: Er ist der Sohn eines (etuckes assvriennes). Mit den Engländern Rawlinson und Schnorrers und wird selbst ein solcher werden, nämlich nichts Hicks hat er für diesen Zweig der Alterthumswissenschaft Unj anderes als ein Pojatz. Dazu berechtigt den Alten das vergängliches geleistet. Er erhielt dafür von der Akademie! merkwürdige, eminente Nachahmungstalent, welches sich bei den Prix Volney und später die Ernennung zu der Professur dem Knaben schon in frühester Jugend zeigt. Die vielen für vergleichende Sprachwisienschaft am Institut «le France, die er noch jetzt inne hat. Seine wisienschaftlichen Arbeiten sind sehr zahlreich. Einiges Wichtige hat er, wie seiner Zeit in lustigen und auch üblen Streiche, welche der Heranwachsende Junge seinen Mitmenschen mit diesem Talente spielt, hat der Verfasser oft in sehr drastischer, die Zuhörer vielfach höchdiesem Bl. besprochen worden, für die Vergleichung der Bilichst erheiternder Weise zum Mittelpunkt seiner Erzählung bel mit den Keilinschriften geleistet. Oppert ist mit einer gemacht, und die Klarheit und Diktion, sowie die ruhige Art Hamburgerin verhcirathet. Uebrigens hat es ihm viel Mühe | seines Vortrags trugen ihm den lebhaftesten Beifall ein. gekostet, den Platz in der Akademie zu erlangen, da er sich j Der Saal war von ca. 500 Personen besucht, die dem Borfür denselben 16 Male präsentirt hat, was jetoch weder leser mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgten. — Herr seinem etwaigen Mangel an Verdiensten, noch gar seinem Be- Prediger Carl Scholl in Nürnberg, Berf. der in N. 12. kenntniß zuzuschreiben ist. S. 1L0 ff. besprochenen Broschüre ersucht uns, zu bemerken, Bonn, 27 März. (Literarische Notizen.) Die daß er die Würdigung und Anerkennung des Judenthums Vorbereitungen für den Beginn der Vermessung des östlichen Palästinas find, der Times zufolge, jetzt vollendet. Das Kriegsministerium hat dem Palästina-Erforschungsverein die Dienste der Genie-Lieutenants Condor und Mantell, welch' ersterer den größten Theil der Vermessung des westlichen Palästinas ausführte, zur Verfügung gestellt. Die genannten Offiziere sind am 15. d. nach Beyrut abgereist und ihre Untergebenen werden mit den Instrumenten folgen. Das Werk wird im Norden, im Bashan-Lande, seinen Anfang durchaus nicht allein auf die Abstammung Jesu stütze, daß man vielmehr seine übrigen Schriften, besonders „das Judenthum und seine Weltmission" (1880) mit der vorliegenden in Zusammenhang bringen müsse. Herr Scholl ist hierbei in seinem vollen Rechte; wir aber konnten um so weniger unsere in Nr. 12. gemachten Bemerkungen zurückhalten, als es sich ja nicht allein um seine Schrift, sondern auch um die des Herrn Graue handelte und in diesen beiden Vorträgen derselbe Gedanke ausgesprochen war. — Kenilleton. Eine Äutisemiteuhöhle Ein Berliner Genrebild. Ort: ein Berliner Bierkeller gewöhnlicher Art. An der .Hinterseite eines langen Tisches sitzt augenblicklich der einzige Gast, ein schon etwas ältlicher Mann, anständig gekleidet, mit ergrauendem Haar, stechenden Augen, Nase und Kinn spitz. Haut pergamentgelb. Bor ihm steht ein Bierseidel, das oft geleert und immer wieder gefüllt wird. Er blickt gespannt auf den Eingang, in welchem sich auch bald ein jüngerer Mann zeigt und die Stufen herabeilt. Auch er ist anständig, beinah elegant gekleidet und als sein Signalement können ein fuchsrother Bollbart, graue Augen und verlebte Züge angegeben werden. Er tritt rasch zu dem Manne am Tische, streckt ihm die Hand entgegen, und sagt: „Hier bin ich, mit Leib und Seele!" . . . Der Angeredete berührte leise die Hand des jungen Mannes, winkte ihm, Platz zu nehmen, worauf der Wirth dem Ankömmling einen Trunk vorsetzte. „Sie wollen sich also unserer Liga anschließen.

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