Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1881)
- Date
- 1881-03-29
- Page
- Seite 212 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Jeuilleion. Jüdische (Erinnerungen an Surinam*). In der Beschreibung einer Reise, die jüngst von dem Äapitain Zimmermann nach dem holländischen Guyana unternommen wurde, befinden sich folgende intereffante Berichte über die Niederlassung der Juden in Surinam. Es ist eine wahrheitsgetreue Erzählung einer Periode der Größe und des Verfalls, welche viele niederländische jüdische Familien noch nicht vergessen haben. „Wenn man den Abhang aus einem staubigen Wege hinaufsteigt, gelangt man auf eine weite Ebene, die mit Quartzsand von lebhaftem Weiß bedeckt ist und welche seit Der Wohlstand und der Fleiß dieser Einwohner wurden bald die Ursache, daß dieses Dorf zu prosperiren begann; es wurde der Vereinigungs- und Mittelpunkt der jüdisch-portugiesischen Gemeinde; diese bildete bald das Drittel der weißen Bevölkerung Surinams und 1730 besaß sie 115 Anpflanzungen. Die hier wohnenden Israeliten genossen große Vorrechte: sie hatten ihre eigene Justizverwaltung, in den Civilwie in den correktionellen Angelegenheiten. Ihr Tribunal, das in einer der Räumlichkeiten der Synagoge tagte, konnte in erster Instanz zu einer Geldstrafe bis zu 500 Florins! verurtheilen; während der hohen Festtage waren sie frei von! jeder gerichtlichen Verfolgung u. s. w. Dieser Ort, der ehe-! mals so blühend und reich war, ist, ebenso wie seine Besäst zwei Jahrhunderten den Namen Savanne der Juden, , _ t . „ . „ . _ trägt. SKngä um dieswellenförmige Ebenerheben sich -schwände»; nicht -tnm-l eme Spur der prächtige, in Surinam so üppige Bäume, die eine unendliche > 9 , u ng ge te c0* 10011 zeigen te te e an, t c* _ s. a - «... t wo ehemals Leben und Bewegung herrschten; dre Synagoge Manmgfaltrgkert rn Form und Gestalt, wie m Färbung des „ . t r . « . . . * * Laubezeige»; hier erquicken sie durch ihre Früchte, da "cJ,tn^ ba' ”"fa“ert '- «->«», mm.tt-n der liefern sie Schätze an kostbaren Säften und Gummis, Trauben i -f9 ** l^tC,, 5,uer!! und Oelen; dort geben sie ihr solides und substantielles Holz zum Bau der Wohnungen und Schiffe oder zum Brennmafeierten. Von Weitem gesehen gleicht dieses Gotteshaus einem Steinhaufen, einem großen Grabe; im Innern befindet terial für den häuslichen Gebrauch. Diese Savanne, die so 21065 trt demselben Zustande, wie zur Zeit als der zu sagen den platten Gipfel eines mächtigen Berges bildet, an dessen Fuße der Surinam fließt, liegt so hoch, daß man über den Gipfeln der Bäume ringsherum ein reizendes Panorama erblickt. Gegen Westen und Südwesten dehnt sich eine bis zum Horizonte erstrecken, wo sie sich in einen durchsichtigen Nebel auflösen. Aus dieser beweglichen Oberfläche erhebt sich hier und da ein Hügel oder ein Gipfel. Wie die Niederlande in Großrabbiner seinen letzten Segen aussprach; ein Vorhang von rothem Sammt, in Lumpen zerfallend, bedeckt die heilige Lade; antike kupferne Candelabres hängen an den wankenden Wänden; die Kammern sind verödet, sowie der ehemalige ungeheure grüne Ebene aus, deren kompakte Wellen sich ^alt, düster find die wurmstichigen Corrrdore, deren entschlafene Echos dre Schritte des Besuchers erwecken, der Anblick dieses verfallenen Heiligthums! schnürt das Herz zusammen. Neben der Synagoge befindet Europa, so wurde Surinam auf der anderen Seite des Oceans c*nc Marmor, einst die gastfreundliche Zufluchtsstätte für ein wegen seiner! tC vh s an e, a er auch zug erch von em upi5 Religion «erfolgtes Bo». Nach der Entdeckung «°n Amerika bCT.S,‘e“e‘ bet 9e6c"' wurde Brasilien bald das Afyl oder vielmehr derBerbannungs- rffgar 1 9C 9^e Don er ^aoaIme ec ort der Israeliten, welche in Spanien und Portugal so hart '5U CK nQ<^ Cn unterdrückt wurden; indessen als Brasilien unter die portugiesische Herrschaft kam, wanderten die von Neuem verfolgten Israeliten aus und gründeten ein Dorf am Ufer des Flusses, etwas höher als die Stelle, wo jetzt die Savanne der Juden liegt. Nach den Aufzeichnungen fand dies im Jahre 1614, unter dem Anführer David Nassy statt.-) Im Jahre 1865 wurde dieses Torf verlassen, und unter Samuel Nassy gründete man ein anderes, so wie eine Synagoge aus Ziegelsteinen. 1) Nach den Arch. isr. 2) Ganz richtig ist dies nicht. Es war im Jahre I6ö4, als die portugiesische Regierung Brasilien in Besitz nahm und den Juden befahl, das Land zu räumen, jedoch mit ihrem Vermögen und unter sicherem Geleite. Die Amsterdamer Israeliten kehrten sämmtlich in ihre Heimath zurück. Dagegen litt die Colonie von Cayenne unsäglich durch die Verwüstungen der Franzosen und von Vermischtes. Ein Ausspruch Renan's. Ernst Renan giebt jetzt „Erinnerungen aus seiner Jugend" in der Rsvno äss äsrrx Alonäes. In der Lieferung vom 1. November (1880) beschreibt er seine Erziehung in den Seminarien Saint-Nicola und Saint - Sulpice und den in denselben herrschenden (fteiwilligen) Gehorsam, da „man in Saint - Sulpice drei Jahre verbringen kann, ohne hier aus siedelten die Israeliten 1664 nach Surinam über, wo sie von^ den Holländern auf's Freundlichste ausgenommen wurden, und 8 Stunden von Paramaribo sich das alte Dorf anlegten, wo sie so glückliche Zeiten verlebten. Redaktion der A. Z. d. I.