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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-15 · Heft 11 (15.3.1881) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 11 (15.3.1881)
Date
1881-03-15
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 zelnen Bölkerstämme feste Sitze gewonnen, schufen die be-1 einfachen socialen Principien, Lehren und Principien, die dem deutendsten in lang dauerndem Ringen selbständige Staaten,! Verstände wie dem Herzen entsprechen und auf dem Boden welche trotz unaufhörlicher Territorialkriege nicht wieder un-! der geschichtlichen Ueberlieferung eine um so größere Heber» tergingen, und an denen jeder Versuch nach einer Universal-! zeugungskraft besitzen, Lehren und Principien, welche mit Herrschaft scheiterte. Auch die Juden hatten eine wechselvolle! dem vernünftigen Denken, mit dem Recht und der Humanität Wanderung durchzumachen; auch sie ließen sich auf dem Boin Uebereinstimmung sind. Daß das Judenthum diese und den der der Civilisation gewonnenen Länder nieder; überall! nicht andere Lehren und Prinzipien enthält und sie im Geiste schlosien sie sich, wo es ihnen gestattet ward, den Völkern und! unserer Zeit von allen mittelalterlichen Schlacken gereinigt ihren staatlichen Gesellschaften willig an. Aber da sie ihre j zum Bewußtsein bringt, das ist die Ueberzeugung jedes aufreligiöse Unabhängigkeit behaupteten, trafen sie auf Feindseligkeit, die sich oft zu fanatischem Hasie steigerte. Aber sie bestanden um ihrer Religion willen alle blutigen und unblutigen Verfolgungen, alle Versuchungen und Unterdrückungen, bis aus den Feudal- und absolutistischen Staaten sich der Rechtsstaat herausgestaltete, dessen unterstes und breitestes Fundament die Gleichheit aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze und die Gewissensfteiheit sind. Da so das Recht über alle Willkür, Vorrechte und Ausschließungen gesiegt hatte, kam auch das Judenthum zu seinem Rechte der selbständigen religiösen Existenz, ohne daß seine Bekenner gesetzlichen Ausschließungen unterworfen seien. Es hatte die langen Zeiten der Gewaltthätigkeit und der Bedrückung überwunden. Worin besteht nun das Sieghafte im Judenthume, was ihm zu diesen großartigen Erfolgen verhalf? Es ist unschwer aufzufinden. Nicht in seinen äußeren Formen, in seinen Cultus- und Ceremonialgesetzen bestand es. Auch die Aegypter hatten ein vielgestaltiges und gefestigtes Formenwesen; nicht minder die Parsen; auch die griechische und römische Götterlehre hatte sich einen umfassenden und wohlgegliederten Cultus gebildet; aber, obschon alle diese große Zeiträume überdauerten, hielten sie doch nicht zusammen, als der lebendige Geist aus ihnen geschwunden war. Auch das Judenthum sah innerhalb seiner Entwickelung lang gehegte Cultussormen verschwinden, jedoch ohne daß sein Bestand dadurch gefährdet wurde. Der hochgehaltene Opfercultus ging mit der Zerstörung des Tempels zu Grunde, aber schon hatte sich an dessen Stelle der Gebetcultus zu gestalten begonnen. Der größte Theil des jüdisch-religiösen Rechtes kam mit der Zerstreuung und mit der Eingliederung in die Bölkerstaaten in Wegfall, aber das Judenthum verstand es doch auf dem Wege der traditionellen Gesetzgebung sich neue Lebensformen zu schaffen, in denen cs während der langen Periode der richtigen Juden, das haben vorurtheilslose Forscher anderer Religi onsbekenntniffe anerkannt, das beweist auch die Geschichte, wenn sie nicht aus Befangenheit und Borurtheil angeschaut wird. Diese Ueberzeugung hielt den Juden auf dem Grunde seiner Religion fest, allen anderen religiösen Erscheinungen im Alterthum, im Mittelalter und in der Neuzei tgegenüber fest; diese machte und macht es dem gewissenhaften Juden unmöglich, dieselbe zu verleugnen und eine andere zu bekennen — und dies ist es eben, was wir das Sieghafte im Judenthume nennen. Und dasselbe wiederum macht das Sieghafte in den Bekennern jenes, in den Juden selbst aus: die Ueberzeugungstreue, die Charakterstärke, mit der sie sich von ihrer Religion nicht hinweglocken und nicht abdrängen ließen. Die Geschichte giebt uns Beispiele für die entgegengesetzten Erscheinungen. Wir sehen ganze Völker ihre alte religiöse Anschauung vor dem Schwerte siegreicher Fanatiker aufgeben, und sich wie politisch so auch religiös unterwerfen, wie es z. B. in Asien nnd Afrika vor dem Islam geschehen. Wir sehen aber auch selbst kleine Völkerschaften dem grausamsten Geschicke trotzen, ohne ihrem Bekenntnisse untreu zu werden. Zu den letzteren gehören die Juden, und gerade ihre Zerstreuung in kleine Gruppen machte ihre gänzliche Vernichtung unmöglich und erleichterte ihnen den Widerstand gegen alle Gefahren und Mühsale. So besiegten sie durch ihre Festigkeit die widerwärtigsten Zeiten und traten frisch und ermuthigt in die Wendung ihres Geschickes ein. Ihr Loos selbst unter den günstigsten Umständen war stets nur ein sehr bescheidenes in der Weltgeschichte. Ein kleines ackerbauendes Volk in einem Binnenlande während des Altertums; mit dem Mittelalter gezwungen, sich umzuwandeln in ein Handeltreibendes, und später auch hierin auf den Geldhandel und den Trödel beschränkt. So lange die mittelalterlichen Ausschließung bestehen bleiben konnte. Die moderne Zeit > Völker noch in geringer Verbindung mit einander lebten, hatte seit dem Eintritt der Juden in das allgemeine Culturleben wohl ihre Rolle des internationalen Zwischenhandels einige hat an allen diesen Formen gerüttelt und sie für einen gro- Wichtigkeit; aber sobald in den herrschenden Nationen der ßen Theil der Juden beseitigt, während zu gleicher Zeit, die innere Lebenskraft sich erfrischte und zu neuer Schöpfung sich verjüngte. Die Antwort auf unsere Frage kann also nur lauten: das Sieghafte im Judenthume besteht in seiner reinen Gotteslehre, in seiner lauteren Sittenlehre, in seinen Kaufmannsstand sich entwickelte, wurden sie auch hier zurückgedrängt. Und dennoch schützte diese bescheidene Stellung sie nicht vor beständigen Angriffen. Das Geringe, was sie erwarben, sicherlich gering, da sie außerhalb ihrer Viertel von allem Grundbesitz ausgeschlossen und zum Großhandel und

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