Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1881)
- Date
- 1881-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Ällgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein mMtciischrs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich I | einmal in 2 bis 2*/» Bogen. Preis I : Vierteljährig 3Mark. Inserate werden > mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum berechnet. I l Alle Postämter (Postzeitungsliste > Nr. Sk») und Buchhandlungen nehmen! Bestellungen an.! Herausgegeben von Rabbiner 1)r. Ludwig Phitippson in Bonn. Verlag von Vaumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. I In redacrionellcn Angelegenheiten I i wende man sich an vr. f. pliilipplon in | i Bonn; hinsichtlich der Jmerare an R.! Moffe in Leipzig und dessen Filialen , in Berlin. Breslau :c. >! lalrrotk, welche bis Doanerrlag entgehen. > sinden in der darauffolgenden -Rümmer! > Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 45. Jahrgang. Leipzig, den 15. Februar 1881. Inhalt. Leitende Artikel: Bon unserer Jugend, ll. — Das Lessina-Denkmal in Berlin. — Die Juden in den Bereinigten Staaten. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden. Essen. Darmstadt, München, Fürth, Stuttgart, Aus Württemberg. ^Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. — Essen: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Rückkehr der Weißenburger (Ungarn) Juden 1848. — Der Kurlandische Landtag und die Juden. — Hochzeilsfeier des Barons Leopold von Rothschild. genannt hatte — und jetzt wirft man diesen Titel dem ersten nächsten Weinreisenden an den Kops. Hat sich etwa die moderne Bildung philosophisch so vertieft und zugleich verbreitert, daß ein Geschäftsmann neben seiner industriellen Thätigkeit aus Rei sen sich nebenbei den Spinozismus arteignes? Bekanntlich ist das Theorem Spinoza's dasjenige, welches, indem es zugleich von aller Mystik weit entfernt und seine Methode eine streng mathematische ist, am sorgfältigsten und angestrengtesten studirt sein will, um womöglich richtig verstanden zu werden; Bor einiger Zeit trafen wir aus eine Novelle, versaßt foenn schon die grundlegenden Ausdrucke Spinoza's müssen nach den eigenthümlichen Begriffen ersaßr werden, die der Philosoph mit ihnen verbunden haben wollte, während sie £ciic?i?c titlet. Bonn, L. Februar. Von unserer Jugend. ii. von einem wohlgesinnten, wenn auch nicht tiesdenkenden, doch ernsthaften und religiös gestimmten Manne christlichen Bekenntniffes. In dieser Novelle spielte ein jüdischer Weinrei-! hei anderen Autoren ganz Anderes bedeuten. Da gehört sender die Hauptrolle, ein sehr gebildeter und tüchtiger jun ger Mann. Derselbe wurde in eine christliche Familie eingeführt, fand dort Wohlgefallen und man wollte ihm die Tochter des Hauses nicht verweigern, wenn er zur christlichen Kirche überginge. Der Vers, meint nun, das Judenthum hätte den jungen Mann von diesem Schritte nicht zurückgehalten, da er es längst ausgegeben, wohl aber sein „Spinozismus", der ihm den Eintritt verwehrte. Einen solchen Ausspruch bei einem besonnenen, achtungswerthen Schriftsteller zu finden, frappirte uns. Welche Leichtfertigkeit, mit der Bezeichnung „Spinozismus, Spinozist" also umzuspringen.' Und diese Leichtfertigkeit machte denn auch die Frivolität erklärlich, mit welcher der Autor vom Judenthume spricht. Bor einem Jahrhundert kam die literarische Welt in hohe Aufregung, als Jakobi den verewigten Lessing einen Spinozisten denn wirklich, wie wir sagten, eine große Leichtfertigkeit dazu, das Philosophem Spinoza's einem Weinreisenden als geistiges Eigenthum zuzuschreiben. Wir wurden da recht lebhaft an den Briefwechsel Spinoza's mit Blyenbergh, einem Kaufmann in Dortrecht, erinnert, und namentlich an den Brief vom 16. Jan. 1665, wo wir uns zu der Bemerkung veranlaßt sahen^: „Spinoza hatte sich also getäuscht. Blyenbergh hatte das Schicksal, welches gewöhnlich diejenigen trifft, die nicht wissenschastlich von Jugend aus und bloß in der Wissenschaft erzogen wurden, sondern aus erweckter Neigung mitten in ihrer fremdartigen Laufbahn der Philosophie zu huldigen versuchen" 2c.. — Jndeß läßt sich von einem so ernsthaften Autor, 1) S. unser „Baruch Spinoza" Jud. B. U, S. 252. im Jahrbuch für die Gesch. d.