Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1881)
- Date
- 1881-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
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schienen, und als der Gesetzgeber vom König und den Großen des Reiches besucht wurde, sahen sie ihn von einem Lichtscheine umflossen/ — Kann mir einer der geneigten Leser eine so „wissenschaftliche" Bearbeitung des neuen Testamentes nennen, in welcher der Stifter der christlichen Religion die hohe Ehre genießt, mit persischen Philosophen auf gleiche Stufe gestellt zu werden, um nur ja die einfache und reine, die ewige Gotteswahrheit den Kindern durch wisienschaftliche Zusätze genießbar zu machen? Das sind die Blößen unseres Lagers, von denen oben die Rede war. Unsere Bibel soll und darf kein wissenschaftliches Lehrbuch sein, unsere Jugend ist kein Versuchsfeld für „wissenschaftliche" Platituden, die einem Auszuge aus einem Conversationslexicon so ähnlich, wie möglich, sehen. Wir protestiren auf das Entschiedenste und Nachdrücklichste gegen eine solche „neue" Behandlung unseres Buches der Bücher! — Wenn wir selbst unsere Religion nicht höher schätzen, als der Herausgeber dieses Buches, wenn wir unsere Jugend nach der Weise des Herausgebers in den religiösen und sittlichen Wahrheiten unseres Glaubens unterwiesen, dann fteilich haben unsere Gegner leichte Mühe; mit solchen Waffen werden wir niemals den Sieg gewinnen! Aber zur vollständigen Charakteristik der „wissenschaftlichen Bearbeitung und Vermehrung" des vorliegenden Buches gehören noch zwei Auszüge aus des Herausgebers eigenstem ein Familienbuch werden möge. Also künftighin werden unsere Familienväter, welche ihre jüdische Geschichte nach des Herausgebers Anhänge gelernt haben, bei der Neuwahl eines Rabbiners die Candidaten vorsorglich ftagen: „Sind Sie aus der Breslauer Schule, dann wählen wir Sie, denn dann können Sie ja nach unserem Wunsche in diesem Jahre orthodox und im nächsten Jahre zur Abwechselung freisinnig sein, wenn aber nicht, dann müssen wir zu unserem Bedauern verzichten." Freilich so bescheiden, wie der Herr Herausgeber, dürfen die Herren Rabbiner nicht sein, der auf S. 224, wie folgt, über seine eigenen Bestrebungen urtheilt: „Seit einigen Jahren erschienen eine Unmasse judenfeindlicher Schriften. Doch finden diese sowohl von jüdischer, als christlicher Seite die gebührende Zurückweisung. Wir machen namentlich auf zwei diesbezügliche Schriften aufmerksam: „Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung der Wissenschaften im Mittelalter von Professor M. I. Schleiden" und „Die Prinzipien des Judenthums" vom Herausgeber dieser Schrift. Das find also die hervorragendsten Schriften! Von jüdischer Seite ist also nach des Herrn Verfassers eigener Meinung nur eine Schrift namentlich der Aufmerksamkeit würdig und das ist-seine eigene! Wem fällt bei diesem Muster von Bescheidenheit nicht ein bekannter Goethe'scher Spruch ein? Was also Männer, wie der geehrte Redacteur dieser Blätter seit Jahren für das Judenthum und gegen seine Feinde ge- Werke, dem „kurzgefaßten Anhänge zur Geschichte des Juden-; schrieben, das ist nicht der Aufmerksamkeit werth! Des Rethums". Der Verfasser sagt auf S. 223: „An dieser Anj dacteurs Zeitschrift „Zeitung des Judenthums" genießt mit stalt (dem Breslauer Rabbiner-Seminar) wirkten Frankel so-! folgenden Worten die Ehre seiner Anerkennung: „Der reforwohl, wie der bereits genannte Professor Grätz als Lehrer matorischen Richtung dient diese Zeitung in gewisser Be- und scheinen es für nützlich zu halten, die Welt über reli-1 ziehung!" — Wörtlich bis auf den gesperrten Druck, giöse Richtung und Prinzip der Schule im Unklaren zu lassen. Fassen wir nun das Ergebniß unserer Besprechung zu- Thatsache ist, daß Zöglinge derselben in den orthodoxesten sammen, so ergiebt sich Folgendes: und reformirtesten Gemeinden wirken, ohne mit ihren! 1. Die vierte Auflage der „Erzählungen der heiligen „Grundsätzen" — wir citiren genau bis auf die An-! Schrift für Israeliten von Cohn u. Dinkelspiel, bearbeitet führungsstriche — in Collision zu kommen, ein Zwitterwesen,! von Rabbiner Dr. Schreiber in Bonn", widerspricht den einwelches dem Judenthum schadet. Ob die Schule für Frankel fachsten pädagogischen Grundsätzen. — Die Beurtheilung und Lazarus je würdigen Ersatz finden wird, ist sehr fraglich." ^des religiösen und wissenschaftlichen Werthes überlassen wir Also der Herausgeber muthet uns Lehrern zu, daß wir selbst! Berufeneren! die wissenschaftlichen Differenzen ihrer Seelsorger unseren! 2. Sie ist als Schulbuch absolut unverwendbar Kindern vortragen sollen. Er verlangt von unseren Kindern l gemacht durch des Herausgebers „wissenschaftliche Bearschon, daß sie ein wissenschaftliches Urtheil über die Bebeitung '. fähigung und Begabung unserer tüchtigsten Kanzelredner haben! 3. Sie muß schleunigst aus den Schulen entfernt sollen, von denen sie glauben müssen, daß sie nicht zur Lei^ werden, wenn sie nicht für unsere Religion und für unsere tung des Rabbiner-Seminars in Breslau geeignet erscheinen! Glaubensgenossenschast von unberechenbarem Schaden sein soll. Das nennt man Geschichte der Juden! Wer von den ge- 4. Sie ist auch nicht als Familienbuch zu verneigten Lesern hat in einer Geschichte der Griechen für werthen, wie es der Herr Herausgeber wünscht, weil durch den Schulgebrauch schon Auseinandersetzungen über die den „Anhang zur Geschichte der Juden" der wissenschaftliche Pythagoräer, die Peripatetiker und andere Schulen gefunden? Aber der Herr Verfasser wünscht auch, daß vorliegendes Buch Gelehrtenstreit tragen wird. in die Familien und die Gemeinden ge- Becker-Tirschtiegel.