Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1881)
- Date
- 1881-01-18
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
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Handel treiben, sondern auch in der Industrie Großes leisten und daß die Einwanderung der Juden ein ganz winziger istdann könne man mit ihm gar nicht discutiren. Prediger Dr Schulze (von der freien evang. Jesus-Gemeinde): Unsere Väter hatten das Sprichwort, daß, wenn ma.i sich aus der Gasse den Rock bestecke, man ihn erst trocknen lassen müsse, ehe man ihn entfernen könne. Auch die jetzigen häßlichen Auswüchse und Excesse in der Judenfrage seien ein solcher Schmutzsteck. Er stehe nicht auf den Standpunkt Langerhans', denn es wäre um Israel schlecht bestellt, wenn es nur auf solche führe es nicht, wenn der Staat Bürger erster und zweiter Elaste erhält. (Stürmische Unterbrechungen. Der überwachende Lieutenant droht dem Borstande, die Versammlung auflösen zu müssen, wenn nicht die Ruhe bewahrt wird. (Es ist dies nämlich keine Antisemiten-Bersammlung. Zum Avis für die „Nordd. Allg. Ztg.", die „Nat.- Ztg.", die „N.- L. C." und die „L. C.". Anm. d. Red.)). Vorsitzender Dr- Stryck: M. H.! Ich habe bisher Ihre Ruhe bewundert; lassen Sie mir diese Bewunderung. (Heiterkeit) Ich bewahre doch gewiß die größte Unparteilichkeit (Bestätigung). Zeigen Vertheidigung angewiesen wäre (Beifall). Er stehe aus dem' wir doch, daß wir gebildete Leute sind, die sich Parlaments- Standpunkt des Heilandes, der gesagt habe, dies Geschlecht! tarisch bewegen können. Belohnen Sie doch unseren Muth. werde nicht untergehen'. Er kenne auch den Schwerpunkt diese Frage hier zu discutiren, durch recht große Ruhe der Judeufrage aus seiner Thätigkeit als Judenmissionar in (Allseitiger Beifall). Schulvorsteher Vogeler: Wer bei uns Deutschland, Rußland, Frankreich und England, er kenne Bürger erster und zweiter Classe will, der bringt das deutviele jüdische Männer, vor denen er den größten Respect sche Reich auf die Stufe von Rußland und Rumänien. Welhabe. Biele seiner Freunde seien Juden, ja er selber werde ches Armuthszeugniß stellen wir Germanen uns aus, wenn wegen seines schwarzen Aussehens oft für einen Juden gehal-; wir uns vor dieser Handvoll Menschen fürchten. Die ganze ten. (Heiterkeit.) Sein ehrlicher Name Schulze (Heiterkeit) Judenfrage wäre nicht so aufgebauscht worden, wenn man den widerspreche dem schon, ebenso weise sein Stammbaum keinen Kantorowicz'schen Fall ein wenig mehr ignorirt hätte. Als ich Juden auf; auch fei er nicht nach Henrici'scher Theorie auf in den Reichshallen die Rede des Dr. Henrici gehört, da unrechtmäßige Weise auf die Welt gekommen. (Große Heiterhabe ich mich zum ersten Male geschämt, ein Berliner zu sein. keit.) Nicht durch Hetzereien, sondern in evangelischer christlicher Liebe müsse die Judenfrage gelöst werden. Unser Heiland war ein Jude und Israel soll nach Gottes Rathfchluß dereinst wieder das herrschende Volk werden und nachdem es seinen König erkannt, das Evangelium predigen. Er wundere (Stürmischer Beifall und Lbo!) Jgnoriren Sie die antisemisemitische Bewegung und (zu den Juden:) vermeiden Sie möglichst Alles, was Anstoß erregt, und achten Sie namentlich in Ihrer Geschäftsthätigkeit unseren christlichen Sonntag! (Lebhafter Beifall.) Stadtv. Löwe bespricht das Bündniß sich über die Flachheiten, die Langerhans in der Kritik der! der Antisemiten mit der kirchkichen und politischen Reaktion christlichen Kirche vorgebracht. (Beifall, Unruhe. Redner; und geißelt den in der evangelischen Kirche herrschenden Zenimmt den Ausdruck „Flachheiten» zurück.) Wir müssen in uns gehen und können viel von den Juden lernen, z. B. die Bethätigung des vierten Gebotes, die Achtung vor dem grauen Haupt. (Beifall.) Er wolle nicht alle Schranken aufheben, denn wo bliebe dann unser christlicher Staat? Tann würde schließlich noch ein Jude König. Wenn man aber den Juden die ihnen von ihrem Könige verbrieften Rechte nehmen wolle, so wäre das der Anfang vom Ende. Laßt uns lotismus. Hr. Raab bietet Hrn. Stöcker 1000 Mk. Belohnung an. wenn er ihm nachweist, was die Antisemiten eigentlich wollen (Heiterkeit) und Herrn Bendler ist die ganze Gesetzgebung zu liberal. Damit ist die Tiscufsion geschlossen und die Versammlung votirt dem Dr. Langerhans ihren Dank durch Erheben vou den Sitzen. — Persönlich verwahrt sich Herr Barenthin gegen den Borwurf der Unwahrheit. Die von ihm citirte Bemerkung des Herrn Dr. Langerhans die Juden lieb haben, aber laßt uns nicht selber Juden j gegen die freie Meinungsäußerung der Antisemiten sei einer werden'. (Lebhafter Beifall.) Schulvorsteher Vogeler: Wie! Rede des Abg. Strosser in der Kammer entnommen. — Dr. s. Z. der Treubund, das Tischrücken, so sei auch die jetzige; Langerhans: Maßgebend ist für mich nur der amtliche sie- Judenhetze eine geistige Epidemie, eine Folge der allgemeinen! nographische Bericht der Stadtverordneten-Bersammlung. Herr Unzufriedenheit, zu deren Prügelknaben die Juden jetzt ge- Strosser hat schon mehr als eine Unrichtigkeit behauptet! Auch macht werden. An der Spitze der antisemitischen Bewegung j im Fragekasten wurde die Judendebatte fortgesetzt. So laustehen — mit Ausnahme von Stöcker — zumeist junge Leute, tete eine Frage: „Sollte die so sehr belobte Mäßigkeit derJudie noch geringe politische Erfahrungen hinter sich haben und den nicht auf Geiz zurückzuführen sein? Nach Erörterung anderer gänzlich unter dem Eindrücke des patriotischen Aufschwunges Fragen wird gegen 12 Uhr Nachts die Versammlung geschlos des letzten Jahrzents stehen, die an politischen Erfahrungen sen. In der Nähe des Lokals patrouillirten noch zwei reigereisteren Männer lassen sich nicht aus ihrer nüchternen Kritende Schutzleute, außerdem waren noch *—10 Schutzleute tik bringen. Wohin sollen die jetzigen Hetzereien führen? zu Fuß am Platze. (Rufe: Zum allgemeinen Wohl!) Zum allgemeinen Wohl