Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1880)
- Date
- 1880-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ei« unparteiisches Organ für alles Wische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich j | einmal in 2 bis 2‘/» Bogen. Preis I j Vierteljährig SMart. Inserate werden mit 20 Ps. für die dreige,palrene Petit-! zeile oder deren Raum berechnet. | i Alle Postämter (Postzeitungstiste Nr. S5) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. | Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redattionellen Angelegenheiten! wende man sich an Or. i. Philippson in Bonn; hinsichtlich der Jmerate an R. I I Masse in Leipzig und deffc« Filiale» > i i» Bern». Breslau :r. l Znseraie, welche bis v onnerolog eingehen. I finden in der darauffolgenden Rümmer | Berücksichtigung. I Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. ZührgLUg. Leipzig, den 14. December 1880. JVö. 50. Inhalt. Leitende Artikel: Die Stimmen des Auslandes über die Judenverfolgung in Deutschland. — Berliner Zustände. II. — Die Verhandlungen des preußiicken Abgeordnetenhauses. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Bonn, Breslau, Königsberg, Aus Westfalen, Aus dem Großherzogihum Mecklenburg, Darmstadr, Aus Baiern, Bayreuth. Jtc i 1'caVDc Q« l'illcf. Bonn, 8. December. Die Stimmen des Auslandes über die Zndeuverfolgrmg iu Deutschland. Jedem aufrichtigen Patrioten gereicht es zum tiefsten Schmerz> die Zerfahrenheit und Zerrissenheit im deutschen Baterlande, die durch die jüngsten Agitationen gegen die Juden so ungemessen gewachsen ist, die Erniedrigung des deutschen Geistes, welche in diesen Verfolgungen sich vollzieht, zu beobachten. Dazu tritt nun das Bedauern, diese Schwächen und Schwächung der deutschen Nation vom Auslande gewahrt und verurtheilt zu sehen, wodurch das Ansehen, die Ehre und der civilisatorische Einfluß Deutschlands so sehr leiden. Aber es wäre doch thöricht, diese Urtheile des Auslandes mit Stillschweigen zu übergehen, und am wenigsten kann man dies von der Partei verlangen, welche die angegriffene und verfolgte ist. Denn im Allgemeinen, mögen selbst jene Urtheile des Auslandes nicht immer auf ganz richtiger Sachkenntnis beruhen, dennoch zeigen sie klar, worin Europa mit den gegenwärtigen Zuständen in Deutschland nicht harmonirt, worin es einen Rückschritt und eine Verrohung sieht, und uns wiederum ist es nicht zu verdenken, daß wir in diesen Stimmen Europa's ein Mittel mehr sehen, um dieser traurigen und ungerechtfertigten Bewegung ein Halt! zuzurusen. j nicht etwa den Agitatoren, wohl aber den maßgebenden Kreisen, die den Zusammenhang zwischen allen Völkern und Staaten zu begreifen im Stande sind. Und hierüber kann kein Zweifel bestehen, daß die gesammte europäische Preffe, wenn wir etwa die ultramontane und einen Theil der russischen ausnehmen, in ihren Urtheilen über die neueste Judenverfolgung in Deutschland einig ist, einig in ihrer Verwunderung, daß so etwas in Deutschland noch möglich ist, einig in der Berurtheilung der mächtigen Unterstützung, die jene in Kreisen findet, von denen es am wenigsten vermuthet werden sollte, besonders auch an Geldmitteln, einig in der Brandmarkung sowohl der Sache selbst als der zu ihrer Förderung angewandten Mittel. Wer diese Urtheile, so weit es möglich, in ihrer Gesammtheit liest, der muß sich eingestehen, daß es durchaus nicht die Feinde Deutschlands sind, die sich darüber aussprechen, sondern gerade Deutschlands befreundete Geister, daß sich durch viele derselben ein aufrichtiger Zug der Hochachtung für Deutschland, der Theilnahme für die Größe und den Glanz des neuen deutschen Reiches hindurchzicht. Wenn wir deshalb an dieser Stelle einen Blick auf das Ausland werfen, so lasten wir die französischen und italienischen Auslassungen bei Seite, weil man in Frankreich einen Gegner sehen, Italien für einen sehr zweifelhaften Freund ausgeben könnte. Das Hauptgewicht wird man auf die englischen Urtheile legen, da England nicht den entferntesten Grund hat, Deutschland zu fürchten oder zu beneiden, und in Sachen des Rechts und der Freiheit mitzusprechen, den begründetsten Anspruch hat. Hier vor Allem müssen wir