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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-30 · Heft 48 (30.11.1880) · p. Seite 754

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 48 (30.11.1880)
Date
1880-11-30
Page
Seite 754 (sequence 2)
Language
German
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mit befriedigender Entschiedenheit. Sie erinnert zuerst daran, wie die Einheit des deutschen Vaterlandes nur durch „den Sieg über die Stammes- und Glaubensgegensätze, die unsere Nation wie keine andere zerklüftet hatten", errungen worden ist; wie es geradezu ein „Treubruch" ist, vorhandene Unterschiede den einzelnen Mitbürgern entgelten zu lassen, welche ehrlich und ernstlich bemüht find, in treuem Zusammengehen mit der Nation die Sonderart abzuwerfen. Die Reichsfeindlichkeit aller der antisemitischen Bestrebungen ist hiermit gekennzeichnet. Diese letzteren werden alsdann als „Racenhaß und Fanatismus des Mittelalters" gebrandmartt, und wie fie den „Vorschriften des Gesetzes und den Vorschriften der Ehre" Hohn sprechen. Ms ihre Quelle wird hierauf „der Neid und die Mißgunst" gekennzeichnet, welche die Cultur beseitigen wollen, die „die Jsolirung desjenigen Stammes überwunden hat, welcher einst der Welt die Verehrung des einigen Gottes gab". Hieran schließt sich der beredte Ausruf: „Unser Ruf geht an die Christen aller Parteien, denen die Religion die srohe Botschaft vom Frieden ist; unser Ruf ergeht an alle Deutschen, welchen das ideale Erbe ihrer großen Fürsten, Denker und Dichter am Herzen liegt. Vertheidiget in öffentlicher Erklärung und ruhiger Belehrung den Boden unseres gemeinsamen Lebens: Achtung jedes Bekenntniffes, gleiches Recht, gleiche Sonne im Wettkampf, gleiche Anerkennung tüchtigen Strebens für Christen und Juden." — Eine glänzendere Ehrenrettung können wir Juden nicht verlangen, und wenn die Namen gemustert werden, welche diese Erklärung für die Veröffentlichung unterschrieben, so muß sie heilenden Balsam in die vielfachen und schmerzhaften Wunden ttäufeln, die uns in letzter Zeit, namentlich in unseren Hochgefühlen für das deuffche Vaterland geschlagen wurden. Wie gern lassen wir vor diesen glanzvollen deutschen Namen die Liste der Obscuranten der Vergeffenheit anheimfallen, welche die „Petition" in die Oeffentlichkeit trugen. Mit geringer Ausnahme wurde diese „Erklärung" von der gesammten deutschen Presse mir lebhafter Zustimmung wiedergegeben. Die „Nat.-Ztg." enthält Folgendes erhalten wir folgende Zuschrift: blick auf die beklagenswerthen Ereigniffe der letzten Tage, daß die schöne Erklärung in der heutigen Nummer Ihrer geschätzten Zeitung, der ich mich in jedem Worte aus vollem Herzen anschließe, mir zur Mitunterzeichnung nicht zugegangen ist. Wenn eine fernere Sammlung von Unterschriften noch möglich ist, welche ich für sehr wünschenswerth halte, so bitte ich, meinen Namen hinzufügen zu wollen. Ich zweifle nicht, daß eine große Zahl der angesehensten Männer, ebenso wie ich, fich gedrungen fühlen würden, sich jener Erklärung anzuschließen, und ich hoffe, daß wenigstens ein Gutes aus den jüngsten traurigen Vorfällen hervorgehen, daß mit der wachsenden Erkenntniß des Jrrthums und Unrechts auch die letzt so schwer bedrohte Achtung vor dem Bekenntniß und dem gleichen bürgerlichen Recht und damit Eintracht und Frieden unter unseren Mitbürgern wachsen wird. Hochachtungsvoll Dr. Kemps, Direktor des Friedrichs-Gymnafiums." „Die geehrte Redaction der „Nattonal-Zeitung" bitte ich, den Erklärungen gegen das nach meinem Urtheil in jeder Beziehung verwerfliche, neuerdings in Gang gesetzte sogenannte antisemitische Verfahren auch meinen Namen hinzuzufügen. Berlin, den 15. November 1880. Ad. Sydow, Dr. th., Past. emer." Die Herren Stadtrath Gilow dahier und Profefior Dr. August Müller in Halle theilen uns ihr Einverständniß mit der Erklärung mit. Die Interpellation, deren Wortlaut wir in v. Nr. gegeben, ist von 43 Abgeordneten unterschrieben, nämlich von Dr. Hänel, Bergenroth, Wiedwald, von Saucken, Büchtemann, Dr. Goerig, Quadt, Mohr, Körner, Janzon, Möller, Seelig, Marburg, Wander, Uhlendorff, von Hoenika, Weißermel, Bollerthun, Hammacher (Lennep), Wegmann, Dr. Bender, Dr. Birchow, Klotz, Zelle, Dr. Langerhans, Runge, E. Richter, Parisius, Grünhagen, Ludwig, Löwe, Neßler, Steffens, Knörcke, Dr. Straßmann, Dirichlet, Schnakenburg, Hermes, Rickert, Petri, Berling, Drawe, Sachse, j Man bemängelt die Fassung der Interpellation, theils Zu der „Erklärung" > weil fie ein Schriftstück betreffe, das noch gar nicht an die I Regierung gelangt sei, theils weil der Gegenstand jener rollte man beabsichtigen, weitere Bcittittserklärungen zu: Petition in das Reichsgebiet falle. Letzteres ist nun sicher der in der Sonntagsnummer Ihrer und anderer Zeitungen veröffentlichten „Erklärung" gegen die nichtswürdige, unserer Zeit den Stempel der Barbarei aufdrückende Judenhetzerei zu bringen, würde ich bitten, den Unterzeichnern dieser Erklärung auch meinen Namen beizufügen. Hochachtungsvoll Professor Dr. v. S all et. Herr Regierungsrath v. Bitter in Potsdam schreibt uns, daß er sich der Erklärung anschließt. Die „Vossische Zeitung" bringt folgende Zuschrift: „Hochgeehrte Redaction'. Lebhaft bedauere ich im Hinfalsch, denn die Gleichstellung ist von der preuß. Verfaffung verbürgt, im Reiche dagegen nur von einem Gesetz ausgesprochen (vom 3. Juli 1860). Der erste Einwand ist begründet; allein die Sache ist doch so offenkundig, daß auch eine offene Erklärung der Regierung völlig gerechfferttgt wäre. Auch die Interpellation im ungarischen Abgeordnetenhause bezog sich (s. Nr. 41) auf ein antisemitisches Statut, das an die dortige Regierung zur Genehmigung noch nicht gelangt war. Die Partei Jstoczy's hatte jedoch ebenso verbreitet, die Regierung habe das Statut genehmigt, wie Ber-

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