Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-16 · Heft 46 (16.11.1880) · p. Seite 733

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 46 (16.11.1880)
Date
1880-11-16
Page
Seite 733 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227332--38495-3307736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Witz, Humor, Satire bietet das Blatt durchaus nicht, sonhier noch in keiner Wirtschaft aufgelegt gefunden, und ein dern nur Schmutz, Unrath, Koth. Der Charakteristik wegen! wandender Zeitungshändler, von dem ich es zu kaufen suchte, möchte ich den Aushängezettel des Sudelblättchens hier näher i antwortete mir: „Männecken, wenn Sie det in die Hand beschreiben. Derselbe besteht aus zwei Abtheilungen, von| nehmen, ziehen Sie sich vorher mangs Handschuhe an, det Ding macht Sie sonst dreckig." — Wir brauchen uns nicht zu be-! mühen, nur ein klein wenig um die Säule herum, und uns fällt ein riesiger blutrother Zettel von l Meter Länge und , 1 Fuß Breite in die Augen, der mit Riesenleitern die Worte enthält: „Wählt keinen Juden" und darunter etwas tiefer: „Im Namen aller wahrhaft deutsch gesinnten Wahlmänner denen die 1. das Vergnügen, die 2. das Geschäft be-! handelt. Die erste Abtheilung wird gebildet durch 2 Bilder betitelt: „Sonst" und „Jetzt." Auf dem einen derselben weist ein Justizrath mit arisch-germanischer Nase einem Menschen die Thür mit den Worten „Hinaus.' Schmutzige Proteste führe ich nicht;" das andere stellt eine Straße von starker Frequenz dar, deren Häuser mit riesigen Schildern des XXXIII Bezirks das Comite." Namensunterschriften versehen sind: Feiteles Rechtsanwalt, Pinker, II . . Levy und Angabe des Druckers fehlen. Man sollte es kaum glau- II ... In den Fenstern liegen nun die Herren Rechtsanben und doch ist es so, der Zettel hat hier seine Wirkung walte, natürlich alle mit Semitcnnasen und suchen mit allerhand Fangwerkzeugen, wie Schlingen, Fallen :c. die Vorübergehende» an sich heranzuziehen, um ihnen ihre Dienste anzugethan. Der Jude I)r. Straßmann fiel bei der Wahl eines Stadtverordneten des XXXIII. Bezirks durch, weil, nun eben — weil er ein Jude ist. Das Ereigniß wurde nun durch eine Jubelbotbieten. Dies ist der Bergnügungstheil. Wie ein siamesischer; schast an alle Germanen Berlins gefeiert, worin der große Sieg Zwilling mit diesem Blatte verbunden, ist nun die Zweite über die Semiten (nach hartem Kampfe) bekannt gemacht ist. Abtheilung, eine Aufforderung an jeden wahren (?) Patrioten ('.), im Interesse der Sache (will sagen der größeren Rentabilität des ehrsamen Geschäftes) auf dieses einzige, antisemitische Witzblatt (wer lacht da!) Deutschlands zu abonniren. Daß gegen diese schandhrften Bilder kein Staatsanwalt cingeschritten, ist ganz natürlich. Wozu auch, es geht ja nur gegen die Juden. — Was nun das Publikum und seine Stellung zu diesem Unfug angeht, so sind es fast nur Fremde, die diese Plakate lesen, denn solch eine duftende Kost wird ihnen ja nirgendwo sonst in der Welt geboten. Der anstän- Nun kommt das Heldenstück der Polizei! Der Zettel hatte lange genug an den Säulen gehangen, so daß der Inhalt männiglich bekannt sein konnte, da ließ die Polizei Leitern requirien und die Säulen von dem Wahlzettel reinigen. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit gethan, der Mohr konnte ruhig gehen. Die Schmutzplakate des vorher characterisirten Blattes jedoch kleben nach wie vor ruhig und zufrieden an ' ihrer Stelle, man hütet sich wohl sie abzunehmen, hat doch > der Verleger einen Preis ausgesetzt für den, welcher ihm dige Berliner geht gleichgiltig, achselzuckend, oder selbst mit diejenigen Personen zur Anzeige bringt, die seine Affiche an Abscheu an solchen Plakaten vorbei, wüthend darüber daß die Polizei, die doch hinter jedes noch so unbedeutende socialdemokratische Kümmelblättchen mit wahrer Todesverachtung herjagt, hier, an öffentlichen Orten, einen Anschlag duldet, der durch lügenhafte Entstellungen offen und versteckt zum Aufruhr stachelt gegen eine Claffe von Mitbürgern, die, das dürfen wir mit Stolz behaupten, nicht zu den schlechtesten gehört. Die Berliner plebs, und wo in der Welt gäbe es keine, hat allerdings daran ihre Helle Freude, nur äußert sich dieselbe keineswegs in Lobesbezeichnungen für die Verfaffer. Der Schusterjunge freut sich nur drob, daß es über Jemanden hergeht, aber die dumme Form, in der dies geschieht, befriedigt sein von Natur zu Humor und Satire angelegtes Naturell nicht. Bis zur Stunde habe ich das Schmutzblatt den Plakatsäulen beschmutzt, resp. abgeriffen haben. Man lese und staune, hier soll Schmutz beschmutzt worden sein. Da aber Schmutz plus Schmutz noch mehr Schmutz ergiebt, so sollte doch der Verleger beruhigt sein, sein Blatt wird ja dadurch nur noch besser, wie es war, und eine solch ungeheure Menge Schmutz an den Litfaßsäulen muß ja erst recht dem Leser in die Augen fallen, wenn er sie überhaupt solch niedrigem Machwerk zuwenden sollte. Doch warum, wird man fragen, nenne ich denn das Blatt nicht offen, das ich meine, warum verheimliche ich den Namen dem darnach verlangenden Leser? Nun, der Name des Blattes ist jedem Juden viel zu heilig, der Name bedeutet, und heraus sei es gesagt, gerade das Gegentheil von dem, was das Blatt fast einzig und allein enthält: „Lüge!" Eine israelitische [13713] Gonveruautr mit Vorzugs. Empfehlungen sucht Stellung. Offerten sab G. H. 13715 an Herrn Rudolf Xosse, Leipzig erbeten. Anzeigen. Eine geprüfte Erzieherin, auch Gesellschafterin in allen Fächern der Literatur, französischer und englischer Sprache wie Musik tüchtig, sucht gutes Placement. Näheres (14153s Magdeburg. Friedrike Cahn. “BO Koscher geschlachtete Gänse versendet täglich unter Nachnahme ä Pfd. 55 Pf. Lippstadt. [13974] S. Meyernoff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.