Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1880)
- Date
- 1880-11-09
- Page
- Seite 713 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227331--38474-3307708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
713 Schweiz. | Zürich, im Oktober. (Privatmitth.) Ihre Leser wiffen aus den desfallsigen Berichten, daß in unserer Schweiz seit längerer Zeit ein „Culturverein der Israeliten in der Schweiz" besteht, der zu Zeiten eine nicht erfolglose Wirksamkeit übte. Jndeß hatte sich dieser Verein Ziele gesetzt, die nur durch eine allseitige Theilnahme der Schweizer Israeliten hätten erreicht werden können, und diese Theilnahme fand nur mangelhaft statt. Die Mitgliederzahl und die Mittel waren einem so weiten Wirkungskreise nicht entsprechend. Schon auf der vorjährigen Generalversammlung beantragte deshalb der Vorstand die Auflösung des Vereins oder doch die Umwandlung zu einem Vereine mit enger gezogenen Tendenzen. Die Versammlung beschloß jedoch, daß die Sache noch einmal geprüft werde. Der Vorstand unter dem Vorsitz des Rabbiners vr. Kisch erläßt nunmehr eine Einladung zur Generalversammlung am 31. Oktober, in welcher der Antrag auf Auflösung des Vereins und zur Gründung eines Vereins zur Errichtung eines israelitischen Asyl- und Waisenhauses, und zur Verwendung des Bereinsvermögens für diesen Zweck gestellt werden soll. Es werden deshalb Delegirte aller schweizerischen Gemeinden erbeten. Es ist kaum zweifelhaft, daß die Versammlung in diese Vorschläge willigen werde. Rußland. St. Petersburg, 29. October. (Privatmitth.) Die Angelegenheit der „öffentlichen Disputation" hat einen harmlosen Ausgang genommen. Ljutostansky glaubte sich durch eine Bezeichnung in einem Briefe von Zedcrbaum beleidigt, und verklagte diesen, wurde aber vom Gerichte abgewiesen. Er erklärte nun, die Disputation nicht eher annehmen zu wollen, als bis er das Werk beendet hätte, das er unter der Feder hat. Hiermit ist wohl die Sache vorläufig abgethan; indeß bleibt der Protest gegen das ganze Verfahren in Kraft. Denn es könnte dem ersten besten Streithanse einfallen, den Fehdehandschuh aufzunehmen. Bonn, 31. Oct. (Notizen.) Man schreibt uns aus Schweidnitz vom 26. d.: Der Marine-Maschinen-Unter- Jngenieur Holländer (Israelit), der Lieutenants-Rang besitzt, hat den Kronen-Orden IV. Classe, gleichzeitig mit Marinepfarrer Nauck und Marine-Lieutenant von Debschütz erhalten. Es soll dies aus Anlaß der glücklichen Heimkehr des Prinzen Heinrich geschehen sein, der auf demselben Schiffe mit Holländer war und denselben öfter durch Ansprachen und Verkehr mit ihm ausgezeichnet haben soll. H. wird jetzt in Kiel im inneren Dienst verwendet. — Man schreibt uns aus Rheinhessen vom 25. October: Am vergangenen Samstag feierte Herr I. Klingenstein das Fest der silbernen Hochzeit. Bon Nah und Fern brachte man dem Jubelpaar Glückwünsche dar; außerdem liefen schriftliche und telegraphische Begrüßungen aus den verschiedensten Theilen unseres Vaterlandes, sowie von London und New-Zork ein. Prachtvolle Geschenke wurden überreicht von den Schülern sowie von den Mitgliedern der israel. Gemeinde und von den Frankfurter Berwaltungsmitgliedern der „Achawa"; ebenso erfreute der Vorstand des deutsch-isr. Gemeindebundes in Leipzig den Jubilar mit einem kaligraphisch, wie inhaltlich ausgezeichneten Glückwunsch. Sonntags überreichte Herr vr. Salfeld, Rabbiner in Mainz, dem Jubelpaar einen wunderschönen silbernen Pokal Namens mehrerer Freunde. Ueberhaupt zeigte der Verlauf des ganzen Festes, daß man die Verdienste des H. Kl. zu würdigen wisse, und möchten ihm darum diese Ehrenbezeichnungen zur Ermunterung dienen, auf der betretenen Bahn weiter zu schreiten, damit er noch recht lange zum allgemeinen Besten wirke! Seesen, im Octob. (Literarische Notizen.) Das beste Schulbuch ist der tüchtige Lehrer selbst, denn er vermag es, aus und nach jedem Handbuch den Schülern gute Kost zu geben. Zu den vielen vorhandenen hebräischen Lesefibeln ist soeben eine solche unter dem Titel yirb r*cs~ hebräische Lesefibel. Methodisch geordnetes Uebungsbuch für den ersten Unterricht im Hebräischen von dem Lehrer an der israelitischen Gemeindeschule M. Fauerbach in Hildesheim — Finke'sche Buchhandlung" erschienen. Dieses Büchlein hat vor allen Dingen den nicht hoch genug anzuschlagenden Vorzug eines sehr deutlichen Druckes und ist im „Aufträge des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover", welchem der Verfasser die Grundzüge seiner Methode als Conferenzarbeit vortrug und sichtbar darstellte, methodisch bearbeitet. Herr Fauerbach ist bekanntlich ein sehr geschickter und practischer Lehrer und oben erwähnte Schule gehört sicher zu den allerbesten der Provinz Hannover. Das Büchelchen ist daher jeder israelit. Elementarclaffe warm zu empfehlen, obgleich ich mehr solche Wörter bei der angefügten Linearübersetzung gewünscht hätte, die dem Anschauungskreise des Kindes näher liegen. Schon die 4 ersten liegen dem Anfangsschüler zu fern;! doch wo das Büchlein richtig gehandhabt wird, da dürste nicht nur ein correctes Lesen, sondern nebenbei auch ein nicht zu unterschätzender Sprachstoff erzielt werden. I. St. 4ö