Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1880)
- Date
- 1880-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mttgerneine Zeitung -es Audenlhums, Ein nnparteiischcs Organ für alles Wische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Preis 1 Vierteljährig 3 Mart. Inserate werden l mit 2« Pf. für die dreigespaltene Petit-! zeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. i»5) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Hcrausgegeben von Rabbiner Br. Ludwig Philipps-« in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten \ ( wende man sich an 0r. {. Bftitippfon in; Bonn; hinsichtlich der Inserate an St. > Masse in Leipzig und dessen Filiale» j > i» Berlin, Breslau re. , > Znserale, welche bis Vounerrlog eingehen. > i finden in der darauffolgenden Nummer! | Berücksichtigung. I Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 9. November 1880. ^No. 45. Inhalt. Leitende Artikel: David, Sohn Jsai's. I. — Aus Amerika. — „Die Bertheidigung in Strafsachen" nach jüdischem Recht und die Kreuzigung Jesu von vr. Julius Bargha. I. — Zeitnugsuachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Fulda, Düsseldorf. — Oesterreich-Ungarn: Teschen. — Großbritannien: London. — Frankreich: Paris. — Schweiz: Zürich. — Rußland: Sr. Petersburg. — Bonn: Notizen. — Sesen: Literarische Notizen. — Fenilleton: Plaudereien aus dem Leben. VI und VII. jlctfe'iiOc Öl-i (‘»ßcl. Bonn, 3. November. David, Sohn Jsai's. i. In der Reihe der bedeutenden Gestalten, welche in der Geschichte des alten Israels austreten, nimmt David, der Sohn Jsai's, den Höhen- und Mittelpunkt ein. Er leuchtet in dem dreifachen Glanze als tapferer, sieggekrön- 1er Held und Heerführer, als theokratisch geweihter und ftaatsbegründender König und als größter religiöser Sänger, als eigentlicher Schöpfer der Hymnologie und Gebetsprache. Er war es, der dem nationalen Staate eine gewisse Festigkeit verschaffte, und wenn auch nach ihm es noch manchen streitbaren und frommgesinnten König gab, und wenn auch nach ihm erst der mächtig wirkende Prophetismus zu seiner Blüthe gelangte, so traten doch Volk und Staat nach kurzer Zeit den Niedergang an, der mit dem babylonischen Exil endete. Dazu kommt der glückliche Umstand, daß er, sein Leben und Wirken im vollsten Lichte der Geschichte stehen und wir über ihn die ausführlichsten Mittheilungen, wie über keinen anderen israelitischen Heros besitzen. Aus dieser seiner höchsten Stellung in der Volksanschauung, wie in der geschichtlichen Wirklichkeit erklärt es sich, daß sich alsbald die Tradition seiner bemächtigte und doch wieder an ihm nur wenig um-! gestaltete. Das erste that sie, indem sie ihn nicht allein gloj rifizirte, sondern auch alle Hoffnungen und Verheißungen an I seine Person knüpfte für die Zukunft des Volkes und der > Religion und an seinen Namen und Stamm die messianischen Aussichten anschloß, sobald diese sich zu einer Persönlichkeit i verdichteten. Andererseits verschonte sie David selbst mit j ihrer phantastischen Dichtung weit mehr als seinen Sohn und! Nachfolger, welchen sie allmälig mit einer theils Hellen, theils dunklen Geisterwelt umgab?) Es war dies natürlich. Im Leben Davids ist Alles licht und klar, und in dem, was der jüdischen Tradition stets die Hauptsache war, in seinem religiösen Wesen und Wirken fand sich kein Schatten, der wegzuwischen oder umzudeuten gewesen wäre. Anders mit Solomon, der trotz seiner Weisheit in die groben Fehler der Sinnlichkeit, Ueppigkeit und Verschwendung verfiel, trotz seiner Frömmigkeit, die er in der Erbauung des Tempels bethätigte, dem Götzendienste Raum im Lande gewährte und für seine fremdländischen Frauen Götzenaltäre errichtete. Hier hatte die traditionelle Legende einen weiten Spielraum, um diese dunkeln Schatten zu deuten, wozu sie bekanntlich ihre Zuflucht zum Geisterreiche nahm. Auch David hat gesündigt, aber seine Schuld erkannt und gebüßt, und sein Fehltritt betraf nur sein privates Leben, während die Jrrthümer Salomon's einen verderblichen Einfluß nicht blos auf die vorübergehenden Zustände des Volkes, sondern auf dessen ganzes geschichti) Bgl. Rappaport, *pN sv- Asmodai, übersetzt von Dr. S- Kaempf in dieser Ztg. Jahrg. 1852 von Nr. 9 an. 45