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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-11-02 · Heft 44 (2.11.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 44 (2.11.1880)
Date
1880-11-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ei« unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. i Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biS 2»/» Bogen. Preis! Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden > mit 20 Pf. für die dreigesvaltene Petit- I »eile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste I Rr. 95) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartner s Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten > wende man fich an Dr. f. Philippson in Bon»; hinsichtlich der Inserate an R. , > Moste in Leipzig und dessen Filialen i i in Berlin, Breslau :c. i Zasirale, welche bis >onarr»iag eingehen, > finden in der darauffolgenden Nummer! Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 2. November 1880. JC 44. lobalt. Leitende Artikel: Der Reichskanzler Fürst Bismarck. — Die Alliance israelite universelle. — Einige Bemerkungen zu: „Die Krisis des Christenrhums in der modernen Theologie." — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Münster i. W, Köln, Aus Baden. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Belgien: Ostende. — Frankreich: Paris. — Bulgarien: Aus Bulgarien. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Plaudereien aus dem Leben. V.. £« i tc-iiOc £Lc Bonn, 27. October. Der Reichskanzler Fürst Sismarck. Soeben ist in Carl Heymami's Verlag zu Berlin erschienen: „Die Reden des Abgeordneten von Bismarck-Schönhausen in den Parlamenten 1847 bis 1851. Herausgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Th. Riedel, Redacteur des Reichs- und Staatsanzeigers." Nicht wir find es, welche den Staub von längst Vergeffenem abwischen und das Tageslicht darauf fallen lasten. Aber an so großen, der Geschichte angehörenden Persönlichkeiten wird eben nichts vergessen, was für die historische Auffassung in dem Entwickelungsgange solcher Männer aufklärend und bedeutend ist. Auch werden es die Gegner der Juden nicht unterlassen, aus diesem Buche möglichst Kapital zu schlagen, und dem wollen wir hier im Voraus entgegentreten. Bismarck hat vom Abgeordneten von Bismarck-Schönhausen bis zum Reichskanzler Fürsten Bismarck den ganzen Umwandlungsproceß Preußens und Deutschlands von 1847 bis 1880 mit durchgemacht, und da er in diesem llmwandlungsprocesse ein besonders wirksamer Factor war, müssen wir ihn mit dieser Umwandlung selbst identificiren. Wie er, der eifrige Vertreter der ständischen Vorrechte 1847 gewesen, das allgemeine Stimmrecht für den norddeutschen Bund 18«>7 und das deutsche Reich 1871 beantragte und einsührte — so hat sein mächtiger Geist, seine kühne Initiative auch in anderen Beziehungen eine Umwandelung erfahren. Und mag er immerhin neuerdings in manchen Fragen wieder einer andern Richtung fich zugewendet haben: so kann er doch niemals auf den Standpunkt von 1847 zurückkehren, so wenig wie er vom Reichskanzler wieder zum Abgeordneten der märkischen Ritterschaft werden kann. Es fragt fich daher zuvor: welche find die gegenwärtigen Ansichten des Reichskanzlers über die. bürgerliche Gleichstellung, insonders der Juden? Denn von diesem Standpunkte aus müssen wir die Ansichten desselben Mannes im Jahre 1847 beurtheilen. Nun, wir haben über jene ebenso gut ein urkundliches Document wie über die letzteren in der vorliegenden Schrift. Wir halten es für unsre Pflicht, jene hier zu wiederholen. Es war in der Sitzung des Berliner Congresses, in welchem Fürst Bismarck den Borfitz führte, vom 24. Juni, wo die Verhandlungen über Bulgarien auf der Tagesordnung standen, und der französische Minister die bürgerliche Gleichstellung und Religionsfreiheit aller Confessionen beantragte. Auch Deutschland stimmte zu und wurde die Einstimmigkeit des Congresses im Protokoll ausdrücklich constatirt. In der Sitzung vom 28. Juni war es, wo Fürst Gortschakow, der bis dahin durch Krankheit verhindert war, zum ersten Male erschien und da dieselbe Bedingung der bürgerlichen Gleichstellung und der Religionsfreiheit für die Anerkennung Serbiens vom englischen Minister beantragt worden, Einwendungen hiergegen erhob, und auf den niederen Culturstand der dortigen

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