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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-28 · Heft 39 (28.9.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 39 (28.9.1880)
Date
1880-09-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mtlgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zerrung erscheint wöchentlich! : einmal in 2 bis 2»;» Bogen. Preis | ■ Vierteljährig riURart. Inserate roerven | mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren I Raum berechnet. I ÄUe Postämter (Postzeitungsliste I Pr. »5«) und Buchhandlungen nehmen \ | Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Berlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. f. Philippson in Bonn; hinsichtlich der Jmerate an Di. ' Masse in Leipzig nnd deffen Filialen in Berlin, Breslau rc. Jnfnatt, welche bis Voaaer»tag eingehe», rinden in der daraufsolgenden Auminer! Berücksichtigung. Beilagen werden mit l 2 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 28. September 1880.?>!o. 39. Inhalt. Leitende Artikel: Die Motive der ultramontanen Presse. — Jökai über die Judensrage. — Zeitungsnachrichten: Deutsch land: Berlin, Bonn, Köln, Tilsit, Dresden. Gr. Strehlitz. — Oesterreich-Ungarn: Pest. Lemberg. — Frankreich: Paris. — Italien: Aus Italien. — Amerika: New 2)ork, Baltimore. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Plaudereien aus dem Leben. IV. — Das Grab in Dulcigno. — Correspondenz: Das Rabbiner-Seminar in Amerika. Seiletu\r <£U Bonn, 22. September. Die Motive der ultramontanen Presse. Es ist allerdings für Mit- und Nachwelt von großem Belang, die Motive und Zwecke möglichst bloszulegen, welche die Organe des Ultramontanismus dazu bewegen, in consequentester und systematischester Weise den Judenhaß zu wecken und zu verbreiten. Denn sind auch die Gesinnungen der pietistischen und reactionären Kreise nicht weniger feindlich gegen uns, so treten sie doch viel mehr sporadisch aus, und lassen sich erst von den Ultramontanen ins Schlepptau nehliken vor lVV Millionen Juden zu fürchten brauchen — denn mehr Juden wohnen in eigentlich katholischen Ländern und Gegenden nicht, die anderen sind in griechisch-orthodoxen, mohamedanischen und rein protestantischen Ländern ansässig'. Wie sollte eine so fest fundamentirte Kirche, eine so sorgfältig! gegliederte Hierarchie von einer Hand voll Juden erschüttert, ja nur influirt werden können! Ebenso' wenig kann es ihnen mit jener beliebten Jdentisizirung des Liberalismus mit dem Judenthume, der Liberalen mit den Juden Ernst sein. Schon daß ste die Sache umdrehen, daß sie nicht die Juden liberal, sondern die Liberalen Juden und Judengenosien, die liberale Presie die Judenpresse nennen, beweist, daß sie mit voller Absicht und in heuchlerischer Weise auch hierin Vorgehen. Sie wissen sehr wohl, welch' einen unbedeutenden und zum größten Tbeil ansehnlosen Bruchtheil die Juden in der liberalen men. Diese letzteren aber sind unermüdlich, erfinderisch I Masse des Volkes bilden, wie klein die Zahl der liberalen und gewissenloser, was Verdrehung, Uebertreibung und Bosheit betrifit. Um so nothwendiger ist es, ihre Beweggründe und Absichten vollständig klar zu machen und außer Zweifel zu setzen. Denn selbstverständlich wäre es thöricht, ihnen auch nur einen Augenblick zu glauben, wenn sie die Miene annehmen, als ob sie sich wirklich vor den Juden und deren Einstüssen fürchten und eine Gefahr für das deutsche Volk in der Existenz der Juden innerhalb Deutschlands erblicken. Freilich wollen sie diese Furcht dem Volke insinuiren; es gehört dies zu ihren wirksamsten Mitteln; aber sie selbst sind gescheidt genug, die Nichtigkeit, ja die Lächerlichkeit aller dieser Phrasen zu kennen. Wie sollten sich auch 180 Millionen Katho- Abgeordneten jüdischer Religion ist; sie wißen sehr wohl, daß in Frankreich, Belgien, Italien die Juden in den anticlcrikalen Tendenzen innerhalb der ungeheuren Mehrheit des Volkes auch nicht die geringste Rolle spielen und dies schon vermöge ihre Geringzähligkeit. Es mußte nach so vielen Nachweisungen auch ihnen bewußt werden, daß die von Juden geleitete oder auch nur influirte Presie in der Gesammtheir der deutschen Publizistik nur einen sehr kleinen Raum einnimmt, was in England, Belgien, Frankreich und Italien in noch viel geringerem Maße der Fall ist. Dennoch gehört es zu der Tactik der Ultramontanen überall, wo der Anticlerikalismus kräftig hervortritt, nur Juden und Judengenosien als Urhe- 39

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