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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-21 · Heft 38 (21.9.1880) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 38 (21.9.1880)
Date
1880-09-21
Page
Seite 605 (sequence 13)
Language
German
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605 und finden auch hier 16 Särge Platz. In unmittelbarer Nähe liegen verschiedene Zimmer für Lcichenwärter. Bon der Leichenhalle werden die Särge durch einen kleinen Vorraum bis zur Mitte der ganzen Anlage, die durch einen kleinen Kuppelbau ausgezeichnet ist, gebracht und hier schließen sich die Leidtragenden an. Dieselben versammeln sich in dem zur Rechten liegenden Gebäude, welches ebenfalls durch einen Arkadengang mit dem Kuppelbau verbunden ist. Bon diesem Mittelbau, im welchem gleichzeitig nach jüdischem Ritus die Waschbecken für die von der Leichenfeierlichkeit zurückkehrenden Personen angebracht sind, bewegt sich der Leichenzug unter einem Arkadengang nach der Kapelle. Dieselbe ist im Grundriß ein Viereck mit o rechtwinkligen Ausbauten und einer halbrunden Apsis zur Aufnahme eines Predigerpults und wird von dieser Form durch Zwickel in der Gestalt von Muscheln in den Kreis übergesührt, der von dem sich aussetzenden inseitigen Tambour durch ein Gesims getrennt ist; das ganze wird von einem vseitigen Kreuzgewölbe überdeckt. Tie Bemalung der Kapelle ist vorläufig eine provisorische. Zur Rechten gelangt man mittelst einer großen Freitreppe nach dem eigentlichen Friedhof, desien Unebenheiten durch zahlreiche Rampen und Freitreppen ausgeglichen sind. Für die Anlage ist eine eigne Wafierleitung hergestellt, für welche ein der Anlage angepaßter Wasserthnrm erbaut werden mußte. Streitbare Iu-en. (Nach dem Lemberger „Israelit"). Der russische Correspondent und Reiseschriftsteller W. I. Stemirowitsch-Dantschenko bereiste jüngst den Kaukasus uni das Ergebniß dieser Tour ist ein in Petersburg erschienenes interefiantes Werkchen unter dem Titel: .Wojinstwujusi; Israil* („ Streitbare Juden"). Den Inhalt bildet die Be schreibung eines achttägigen Aufenthalts in einem der kau kasischen Hochlande, in Daghestan, wo seit Jahrhunderten cii Judenstamm haust, der, im Gegensätze zu den anderen Semi ten, inmitten der übrigen Bergvölker sich vollständig in ei: eben solches verwandelt, aber seine biblischen Ueberlieferungen beibehalten hat. So bildet dieses kleine Häuslein ein anziehendes Object für Bölkerlehre, und zu verwundern ist nur, daß sich Ethnographen vom Fach nicht schon längst dieser „Spccialität" annahmen. Jedenfalls ist es eine intereffante Thatsacbe, einen semitischen Stamm als einen kriegerischen, der äußeren Gesittung! nach den t>raukasioten völlig gleichen, kennen zu lernen. Der . Verfasser wirft mit Unrecht die Frage auf, warum sich diese! Daghestaner - Juden so ganz anders entwickelten, als die sonst i auf dem Erdball lebenden. Man braucht nicht gerade Special- . Ghfytiograpl) zu sein, um den Grund zu diesem Umstande in der völlig anders gearteten Natur und den sonstigen Zu-; ständen zu finden. Der Ursprung dieser interessanten Mosai- . ten kann mit ziemlicher Sicherheit auf die Nachkommen eines zu Zeiten Salmonassars — also noch während des ersten , jerusalemitischen Tempelbaucs — nach dem Kaukasus verschlagenen Judenstammes zurückgeführt werden. Als Beleg . für diese Annahme dienen die noch heute bei ihnen gebräuchlichen Eigennamen, die zur Zeit der Wüstcnwanderung und der ersten Königspcriode bei den Juden üblich waren, aber seither außer Uebung kamen. Ter verdienstvolle Orientalist und Äaukasusforscher Pfaff führt unter Anderem an, daß in den beiden Provinzen Kartalinien und Kachetinien — hier gedeiht der beste Kaukasische Rothwein — diese Juden noch streng nach den altmosaischen Gesetzen leben; so z. B. gilt noch heute bei ihnen das btblische Gesetz, wonach die kinderlose Wittwe von dem Bruder des Verstorbenen — also vom Schwager — geheiratet werden muß, und Anderes mehr. Vom Talmud hingegen wissen sie . nichts. Stemirowitsch-Dantschenko hat die von ihm in dem > Aul (Lager) dieser „Hochlandsjuden" verlebten Tage reizend * skizzirt und wußte die interessante Geschichte dieses Völkleins i mit farbensattcr Schilderung von Land und Leuten zu durch - flechten. - Wäre das Buch in einer geläufigeren Sprache als der it russischen erschienen, es hätte schon längst den Markt und mit .* ihm die Gunst der Leser erobert. Anzeigen. Rabbiner-Bacan;. Die Rabbiner- und Predigerstelle in unserer Gemeinde soll wieder besetzt werden. Bewerber, welche geeignet befähigt und den Nachweis über religiösen Lebenswandel und .-tf—n~r~ von glaubwürdigen Autoritäten, sowie des akademischen Triennians liefern können, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse baldigst bei uns melden. Der festgesetzte Jahresgehalt beträgt 2100 Mark, Casualien sind nicht mit eingerechnet. [11416] Wayrenlh, 14. September 1880. Die Vorsteher. Eöhere Schule u, Pensionat für Mädchen, geleitet von Frl. Kahn, unter Mitwirkung Des Professors L. Kahn, Brussel 16 rue du Comet. Gründliche Bildung in Religion, Wissenschaft, Umgang, umfassenden Unterricht in den neueren Sprachen, in Piano, Singen, Zeichnen rc. Gewissenhafte Aufsicht. — Bedingungen mäßig. Vorzügliche Referenzen. [lo'ioo;

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