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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-14 · Heft 37 (14.9.1880) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 37 (14.9.1880)
Date
1880-09-14
Page
Seite 589 (sequence 13)
Language
German
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589 Liedern vom jüdischen Quartiermeister Marcus Merla im Der Auszug selbst bestand aus 36 Abtbeilungen, zum Druck erschien. Theil je aus Hunderten von Personen bestehend, alle in bunte'-. Als im Jahre 1716 die Nachricht nach Prag gelangte, reicher Charaktergewandung. Lauser, Schalksnarren, Satyrc daß Kaiserin Elisabeth, Gemalin Kaiser Karl VI, einen Sohn, > und Faune, fremdartige Thicrgcstaltcn, ungarisch gekleidete den langersehnten Erben der österreichischen Länder, Leopold, j Adelspersonen u. s. w. bildeten die ersten 13 Abtheilungen. geboren hatte, entschlossen sich auch die Prager Juden und an ihrer Spitze der Juden-Primas Samuel Sachsel mit den anderen Juden-Aeltesten, dies srohe Ereigniß durch ein prunkvolles Fest zu feiern. Die beiden Prager Juden Wolff Selig, geschworner Schreiber, und der Kunstmaler Mayer erhielten den Austrag, den Entwurf zu einem feierlichen Aufzug auszuarbeiten, und zwar „ohne Sparung von Unkosten"; gleichzeitig aber traf man schon Vorbereitungen zu dem Feste: die Hauptgasscn der Judenstadt wurden gepflastert, die Krambuden bei Seite gebracht, die meisten Gebäude ausgebessert und an den Häusern Schranken gezogen, damit der Aufzug durch Hierauf folgten 14. Der Jüdische Quartier-Meister Marcus Marle in weiß perlfarben Rock, in weiß damaschkcne Westen, ein silbern Juden Kragen, über Zwerch ein goldne Kette, aufm Pferd eine gestickte Schabracken. 15. Der Jüdische Primas Samuel Sachsel in schön schwarz fammetenen Rock mit einer großen goldenen Ketten, in der Hand eine altvaterische vergoldte Busicam, worauf das Schild Davids; neben ihm Seelig Josel Libochowitz, ein über 80jähriger Mann, Aeltester, in dergleichen Kleidern, beide auf kostbaren Pferden; bei dem Primas aber zwei große das Zudrängen des Volkes nicht gestört werde. An den Adel,! starke jüdische Haiducken, hinter ihm ein kleiner sauber gean die Geistlichkeit, an sämmtliche Mönchsorden, Magistrats- > kleideter jüdische Page auf einem kleinen Pferd. Personen und Beamte waren Einladungen ergangen und ihnen 16. Die Juden-Aeltesten Abraham und Jsae Schnürdreher, bequeme Plätze angewiesen worden. Mitten in der großen in der Hand zwei Schild haltend, in welchem mit Gold ge- Judengaste war eine 29 Ellen hohe Ehrenpforte „von vor schrieben L. nehmcr Tischler- und Bildhauerarbeit" gebaut worden, 17. Herschl Todtres und Solomon Säckeles in schön überladen mit unzähligen Sinnbildern und Inschriften: fammetenen Kleidern mit Schildern in Händen, so ein Trupp am Gipfel der Fama auf der Weltkugel, in der rechten Hand Fußgänger über 100 Mann, alle in dergleichen Kleidern, das Bild des neugebornen Erzherzogs, in der linken eine ordentlich geführt haben. Trompete mit der Inschrift: „Eja vivat in Eama arehidux j 18. Die Jüdische Musikanten in schwarz und gelb aus- Leopoldus" haltend; auf einem Schilde darunter stand die! gemachten Spanischen Kleidern und Krügen, so eine hübsche chronographische Inschrift: ,1-eopolcko. alieri Joseph, a pul- Musik gemacht, aus welchem Einer, so auf der Hubojen geohra Rachael ldibus Aprilis nato gens Hebraea consecrut“ spielet, einen 10jährigen Knaben mit der Geigen auf der Auf einer langen Tafel war folgender Wunsch der Juden ge- Kopfspitze getragen; ein Bassist anbei aber ein Liedel geschrieben: sungen. Nach diesen kamen Schulmeister, Schüler, Eantoren, ein Wie dem Jacob Gott gesegnet, also segne auch Sesterreich, Baldachin, unter welchen drei-vornehme Gelehrte cinherschritten, Daß ein Meng' der Erben ihm regnet und kein Haus ihm der jüdische Medicus Solomon Gumpert mit dem jüdischen seie gleich. . Apotheker, den Heilgehilfen und Barbieren, die prächtig hcr- Von diesem Joseph bis auf Rüben steige Kaiser unser Herr, ausgeputztcn jüdischen Fleischhacker mit Fahnen, jüdische Wie den Jacob mit Tutzet Buben, nach sein Wunsch ihn Musikanten und viele Reitern, und zuletzt eine verkleidete Gott vermehr rc. . . Bauernhochzeit, für welche an den Triumphpforten Wein und Bier gespendet wurde. Hierauf fand die Illumination statt Am Tage des Auszuges, am 18. Mai 1716, war die mit zahlreichen Lichtern, Fackeln und Laternen, und zwar ganze Judenstadt festlich geschmückt, sämmtliche Fenster waren drei Nächte hindurch, jede Nacht reicher und schöner. Der mit Teppichen von Sammt, Gold- und Silberstoff, mit ge- Judcnprimas gab auf dem jüdischen Rathhause allen Aeltestickten oder bunten Tüchern behängen, Musikchöre standen in sten und Beamten der Judenschast ein reiches Festmahl, die den Gassen auf bunt geschmückten Gerüsten vertheilt, zwei- Armen wurden beschenkt und zum Schluß der Feier allgehundert Mann Soldaten hielten die Straßeneingänge besetzt, meine Gebete in den Gotteshäusern und Schulen abgehalten, um Unordnungen zu verhüten; an jedem Thore der Juden-1 stadt standen zwei Juden-Aelteste, um die Honoratioren unter Pauken- und Trompetenschall zu empfangen. Um 4 Uhr Nachmittag begann der Aufzug, von den oben genannten zwei Prager Juden geordnet und angeführt.

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