Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1880)
- Date
- 1880-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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\ Mtlgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Jntcrcfle. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2»/» Bogen. Preis Vierteljährig SMart. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitteile oder deren Ran« berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. »5) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. %. Philipploa in Bonn; hinsichtlich der Inserate an SR. | Moffe in Leipzig und dessen Filialen i in Berlin, Brrslan :c. I Zulrrale, welche bis S»aaer»ra-eingehen, > finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. AuHrgUUg. Leipzig, den 17. August 1880. JVo. 33. Infinit. Leitende Artikel: Wohin haben wir unsre Aufmerksamkeit zu richten? Zn den Festtagen. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland. Berlin, Leipzig, München, Fürth. — Oesterreich.Ungarn: Wien, Aus Ungarn, Bon der Donau.— Schweiz: St. Gallen. — Marokko: Madrid. — Amerika: Detroit. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Plaudereien ans dem Leben. II. XcitcvuX: €Xztiücf. Bonn, 11. August. Vstzm Hades wir rmsre Aufmerksamkeit zu richten? 3» de» Festtage«. 1. Je näher die h. Festzeit, die in diesem Jahre so frühzeitig eintritt, kommt, desto mehr drängt sich uns und Allen, denen die Pflege des religiösen Sinnes, die Erhaltung der Religion und die Stärkung ihrer Wirksamkeit zum Herzensbedürfniß wie zum Berufe des Lebens geworden, die Frage auf: nach welcher Richtung hin haben wir vorzugsweise unsre Anstrengungen zu wenden? Welche Erscheinungen der Zeit haben wir besonders ins Auge zu fassen, zu fördern oder zu bekämpfen? Nach der Thora bilden die Propheten, von denen uns schriftliche Denkmäler -geblieben, den wichtigsten Theil unserer altehrwurdigen Religionsschristen, bieten uns die leuchtendsten Borbilder für die begeisterte Thätigkeit auf dem Gebiete der Religion. Ueberschauen wir, was sie uns hinterlassen, fügen wir hinzu, was uns von der persönlichen Thätigkeit dieser und der anderen Propheten, namentlich des Elijah berichtet ist; so gewahren wir, daß sie hauptsächlich für die Erhaltung, Verbreitung und Stärkung der Gotteslehre, der Erkenutniß und Anbetung des einzigen, unkörperlichen, allheiligen Gottes eingetreten, daß sie ihren ganzen Eifer gegen den Abfall von der Gotteslehre, gegen das immer wieder eindringende Heidenthum, die Vielgötterei, den Bilder- und Götzendienst richteten. Dann erst wandten sie sich gegen die stttliche Entartung, welche stets mit diesem Abfall überhandnahm, mit diesem Heidenthum ihre Orgien feierte, und so fanden sie nur beiläufig Gelegenheit, des Gesetzes, der Gebote Gottes, der einzelnen religiösen Institutionen, wie namentlich des Sabbaths zu erwähnen und deren Beobachtung zu heischen. Es ist ein verbreiteter Jrrthum, daß zu den Zeiten der Propheten die Uebnng des Cultus nach den mosaischen Vorschriften, die Pflege der gesetzlichen Einrichtungen gänzlich darniedergelegen, sie in Vergessenheit gerathen waren. Fast alle Propheten deuten auf das Gegentheil hin, sprechen vielmehr von der allzu großen Fülle der Opfer und Gebete, von dem allzu häufigen Besuch des Tempels, von den Festen, Sabbathen und Neumonden, und eifern gegen diese übermäßigen Religionsübungen, während Laster, Ungerechtigkeit und Verbrechen das Land erfüllten. Aber diese Uebnng der hergebrachten Religionssormen schloß den Götzendienst, die Errichtung von Götzenaltären auf allen Höhen, „unter jedem Laubbaume", die Anfertigung und Anbetung von Götzenbildern aus Gold, Silber und Holz nicht aus, bis auch der Tempel damit angefüllt wurde, wie uns Ezechiel im achten Capitel in entsetzlicher Weise schildett. Selbst im Exil, als der zweite Jesaias seine eindringlichen und glänzenden Reden für den Zweck hielt, die in Babel weilenden Juden zur Rückkehr nach dem heiligen Lande zu bewegen, fand dieser es für nothwendig, seine zugleich die Vernunft überzeugenden und 33