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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-10 · Heft 32 (10.8.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 32 (10.8.1880)
Date
1880-08-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2V» Bogen. Preis Vierteljährig »Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. 85) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mar? berechnet. In redactionellen Angelegenheiten wende man stch an Dr. %. Philipps»« in Bonn -, hinsichtlich der Inserate an X. Moffe in Leipzig und deffen FUialen in Berlin, Breslau rc. Inserate, welche bis Soaaer,kag ei»geheu, finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 44. Zahrgaug. Leipzig, den 10. August 1880. 32. lobalt. Leitende Artikel: Das Bornrtheil in der Zeit. — Ist das Judenthum eine Confessio»? — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Dentschlaud: Berlin, Breslau, Fulda, München, Filehue. — Großbritannien: London. — Marokko: Paris. — Amerika: Cincinnati. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Aus dem Leben. — Ein Rabbiner- Seminar aus dem XIII. Jahrhundert. Juiitc-nOc Bonn, 4. August. Das Dormlheil m der Irrt. Seit mehreren Menschenaltern hat die Ansicht immer mehr Verbreitung gefunden, daß jeder Mensch zu beurtheilen sei allein nach dem Werthe, den er an sich besitzt, nach seiner Fähigkeit, seiner Thätigkeit und seinem Charakter, und daß hiernach allein seine Verhältnisse und seine Stellung sich zu ordnen haben. Allmählig durchdrang diese Ansicht die ganze civilifirte Menschheit, übte den gestaltenden und beherrschenden Einfluß auf das gesammte Leben und nöthigte auch die Gesetzgebung, sie als Grundsatz der staatlichen Gesellschaft anzuerkennen und nach jeder Richtung hin zu verwirklichen. Aber der Gegenwart war es Vorbehalten, daß noch einmal gegen diese, dem gesunden Menschenverstände, dem natürlichen Rechte und den Interessen des Volkes und Staates entsprechende Ansicht, dieses Fundament des Rechtsstaates anzukämpfen versucht wird. Aus allen Höhlen, Schluchten und hohlen Baumstämmen kommen die Nachtvögel, die Eulen und Uhus, schwirren durch die Luft und erheben ihr Geschrei. Mit allen möglichen Sophismen, mit heuchlerischer Gleisnerei und, wenn es daraus ankommt, mit Verdrehung der Wahrheit und offenem Luge schreien sie bald hier über Schaden und Nachtheil, bald dort über Bedrohung und Gefahr, aller Orten — nur um die alten Schranken zwischen Mensch und Mensch wieder auszurichten, um die Einen zu erheben, die Anderen zu erniedrigen, die Einen zu Herren, die Anderen zu Knechten zu machen, um alle menschliche Bestrebung und Thätigkeit ihrer Willkürherrschast wieder zu unterwerfen. Wie die echten Nachtvögel klammern sie sich mit ihren Krallen und mit herunterhängenden Köpfen bald an dem Baum der Nationalität, bald an den Aesten der Religionen und Confesfionen, bald an den Zweigen der politischen Parteien, um von da aus ihren Flug und Raubzug zu unternehmen. Und dies in einer Zeit, wo der Zusammenhang und Verkehr unter allen Völkern, unter allen Sprossen des Menschengeschlechts, auf dem materiellen wie dem geistigen Gebiete immer enger und fester wird, und die Interessen und Verhältnisse Aller sich immer mehr identifiziren. Jede Entdeckung, die an dem einen Ende der Erde, jede Erfindung, die am anderen gemacht wird, verbreitet ihren Nutzen, ihre Wirksamkeit alsbald über alle Nationen; jeder neue Gedanke, jeder wissenschastliche Fortschritt, sei er philosophischer, naturwissenschaftlicher, mathemathischer, geschichtlicher oder philologischer Natur, jedes Product der Kunst findet sofort seinen Wiederhall in allen Ländern und wirkt aus alle Schichten der Völker. Alle Erzeugnisse des Meuschenwitzes uud der Menschenhände find international, d. h. jedem werden sie zu» gesührt, der sie gebrauchen kann, und Jeder benutzt sie, sobald er ihrer habhaft wird. Dabei ist die gesammte Volkerfamilie so sensibel, daß keine Complication in dem einen Theile derselben entsteht, ohne daß alle anderen in Mitleidenschaft gezogen werden. Oder ist es etwa unsrer Zeit nicht ge- 32

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