Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1880)
- Date
- 1880-07-20
- Page
- Seite 462 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Wissen; er verstand auch nur das Portugiesische. Da mußte Lopez, der große Sprachkenntniste besaß, am Hofe als Dolmetsch beispringen, was zu einem höchst intimen Verhältnisse zwischen den Beiden führte, so zwar daß der Leibarzt Antonio einige sehr werthvolle Dienste erwies. Später zerschlug sich Lopez mit dem Earl of Essex und dem Lord Southampton, und Estex beschimpfte einmal sogar öffentlich den alten Mann und deffen Töchter. Antonio schloß sich bei dieser Gelegenheit Estex an und brach alle seine Beziehungen mit Lopez ab. Dieser Undank verletzte tief den jüdischen Arzt und er schwor, sich an dem Portugiesen zu rächen, wozu sich ihm bald genug Gelegenheit bot. Spanische Agenten batten nämlich von dem Conflictc gehört und boten Lopez 50.000 Kronen an, wenn er Antonio vergiften wollte. Lopez verführt von diesem Angebote und ohnehin entschlossen. England zu verlassen, um sich in Antwerpen oder Konstantinopel anzufiedeln, versprach, daß „Don Antonio sterben sollte, sobald ihn eine Krankheit befalle". Ein Bote des Königs von Spanien überbrachte ihm daraus als Angeld einen kostbaren Schmuck „a very good jewel. gamished with sundvystones of good value“. Kaum war Lopez in diese Conspiration verstrickt, als Philipp II. durch ihn eine größere Beute erlangen wollte. Diesmal galt es dem Leben der Elisabeth. Lopez erklärte indesten, von Seite der Königin zu großen Wohltbaten theilhaftig geworden zu sein, als daß er zu diesem perfiden Complote die Hand bieten könnte. Wenn er aber auch jede Theilnahme an diesem Unternehmen zurückwies, so erstattete er doch aus begreiflichen Gründen von demselben keine Anzeige und beschränkt sich auf vage Anspielungen und Warnungen, welche die Königin nicht verstand. Dafür erhielt Estex von der Sache Kcnntniß. Es fiel ihm ein Brief Lopez' in die Hände, der einige Bemerkungen über die Sache enthielt, was für die dem Arzte am Hofe feindliche Partei Borwand genug war, gegen Lopez einen Proceß wegen Conspiration gegen das Leben der Königin und Einverständniß mit Philipp von Spanien anzustrengen. Trotzdem unter den Schriften Lopez' keine weiteren compromittirenden Papiere gefunden wurden, warf man ihn doch in den Tower. Die Königin ernannte einen besonderen Gerichtshof zur Aburtheilung Lopez'; Präsident dieses Gerichtshofes war Estex. Lopez wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt. Es scheint indesten, daß der Proceß weder in der Conspiration gegen die Königin, noch in der gegen Antonio vollständig befriedigende Beweise für die Schuld des Arztes zutage förderte, denn die Königin zögerte sieben Wochen mit der Unterfertigung des Todesurtheils; nachdem aber die öffentliche Meinung gegen den Arzt Partei genommen hatte und sein Tod in allen Gasten in erregter Weise verlangt wurde, unterschrieb Elisabeth schließlich das Urtheil. Lopez wurde auf einem öffentlichen Platze in Tpbnrn gehenkt." — Wir haben die Worte Klcin's wiedergegeben. Es versteht sich, daß diese Erzählung der historischen Kritik durchaus bedarf. Die dem Lopez aufgebürdeten Verbrechen sind unerwiescn geblieben, während seine ausgezeichneten Eigenschaften und Dienste aus den erzählten Umständen selbst hervorleuchten. Daß unter Elisabeth nicht wenige Opfer des Parteihastes gefallen sind, ist bekannt, und der Richter des Lopez, Estex selbst, erlitt ebenfalls den Tod durch Hinrichtung. Wie dem aber auch sei, die ganze Gestalt des Lopez hat mit dem Shylock des Shakespeare auch nicht die geringste Aehnlichkeit. Sein Stand, Beruf, sein Wisten, seine Bildung, seine Stellung, seine Schicksale sind himmelweit von dem verschieden, was Shakespeare seinem Sbplock andichtet. Zu sagen, daß Lopez dem Shplock zum „Vorbilde" gedient, ist mehr als kühn, ist eine geschichtliche Sünde! Es geht nichts weiter daraus hervor, als daß Shakespeare der Zeitströmung gegen die Juden gefolgt ist und sie für sein Theater ausnützte. In hiesiger Synaqoaengemeinde wird das Amt eines geprüften Ttekigroirsrekrcrs und! musikalisch gebildeten'Lautars im Januar! 1881 mit einem Jahresgehalt von 1800 Mk.! vacant. Meldungen mit einem Lebenslauf verleben nimmt entgegen skr. 8850] Hirschberg i Sehl., den 1. Juli 1880. 3>cr TTTorfia.rtö £>er S>imago«jcn= “ £>ememöe.' 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