Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1880)
- Date
- 1880-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein nnpartciiskhcs Organ für alles Wische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich! einmal in 2 bis 2'/» Bogen. Preis > j Vierteljährig 3MarI. Inserate werden l mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. I Alle Postämter (Postzeitungsliste j Nr. 95>) und Buchhandlungen nehme» | Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dt. £. Utiilippfon in 1 Bonn: hinsichtlich der Inserate an R. Moffe in Leipzig und dessen Filiale» in Bern«, Breslau :c. I Znlnalk, welche bis Donnerrlag eingehe», sinden in der daraussolgenden Nummer! Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 13. Juli 1880. iY». 28. Inhalt. Leitende Artikel: Ueber das Judenthum in den Bereiuiglen Staaten von Nordamerika. — Ter Congreß in ülkadrid. — Ueber den vermeintlichen Reichlhum der Juden. — Die Juden aus den Azorischea Inseln. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Aus Württemberg. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilletou: Das Anwachsen des Proletariats unter den galizischen Juden. — Bermischtcs: Der Friedhof zu Haigerloch. gen Jahren. Man braucht auch nur irgend ein NamensücilciiOc tXzl'iilcf. Bonn, 7. Juli. Ueber Las ZuLeulhum in Leu Vereinigten Staaten von VorLameriKa. Das erstaunenerregende Wachsthum der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten ist das Ergebniß der früheren und gegenwärtigen Einwanderung aus Europa, wenn man von dem verhältnißmäßig geringen Bruchtheil von Negern und übrig gebliebenen Eingebornen absieht. An dieser Einwanderung haben die Juden einen Antheil genommen, der gegenwärtig fast dem Maße der christlichen gleichkommt. Denn wenn (nach der statistischen Tafel von Hübner von 1880) in Europa auf 300 Millionen Bewohner :>,200,000 Juden kommen, so daß also der 61. Europäer jüdischer Religion ist, so befinden sich unter den 39 Millionen Bewohnern der Vereinigten Staaten ll2 Million Juden, so daß der 78. Mensch unserer Glaubensgenossenschaft angchört. Diese jüdische Bevölkerung der V. St. besteht aus drei Elementen: 1) den seit älterer Zeit Angesiedelten und deren Nachkommen, also amerikanisch-englischen Juden, 2) den deutschen und 3) den russisch-polnischen Einwanderern. Das deutsche Element ist das bei weitem überwiegende, denn das englische, an sich nicht sehr zahlreiche Contingent ist nicht angewachsen, und die russisch-polnische Colonie erweitert sich erst seit weni verzeichniß von dort zu mustern, um in größter Mehrheit auf deutsche Namen zu stoßen, die hie und da etwas anglisirt auftreten. Dieses deutsche Element hat denn auch in religiöser Beziehung dem gegenwärtigen Judenthum in den Ver. St. den Charakter ausgeprägt. In der Mehrzahl huldigen sie den Resormbestrebungen, wie sie in Deutschland seit 60 Jahren lebendig sind. Sie hatten und haben in den Ver. St. dadurch einen freieren Spielraum, weil sich die religiös Gleichgesinnten leicht und immer wieder zu einer Gemeinde vereinigen konnten, ohne mit Andersgesinnten in irgend einen Kamps zu gerathen, da die letzteren ihrerseits zu einer Gemeinde zusammengehen konnten. In Europa, wo in den meisten Ländern die Juden eines Ortes gesetzlich einer. Gemeinde anzugehören haben, war dies nicht der Fall, und jede Richtung war darauf angewiesen, auf die andere Rücksicht zu nehmen. Daß aber überhaupt in den europäischen Juden ein stärkeres Bedürfnis, in der Gemeinde zusammenzubleiben, vorhanden ist, zeigte sich nach Promulgirung des preußischen und hessischen Austrittgesetzes, das eine Scheidung, wie sie in den Ver. St. an der Tagesordnung ist, ermöglichte, jedoch nicht bewirkte. Die Ursachen sind leicht aufzustnden. Dahingegen nahm diese Resormrichtung bei den Juden der Ver. St., dem Charakter der Landesbevölkerung und des dortigen Lebens gemäß, eine gewisse Unruhe, eine allzu lebhafte Beweglichkeit, einen Drang immer weiter zu gehen, an, was just nicht zu den erfreulichsten Erscheinungen sübrt. Eigenthümlicher Weise hat sich diese Un-