Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1880)
- Date
- 1880-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gltge meine Zeitung des Iudenlhums. Ein Ml-atteiisches Organ für alles jüdische Interesse. I Diefe Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2»/» Bogen. Preis | Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden I mit 20 Ps. für die Peritzeile oder deren > Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste > Rr. SL) und Buchhandlungen nehmen / Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipplon in Bonn. Verlag von Baumgärtncr^s Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man stch an vr. t. vllUip p ion in Bonn: hinftchtlich der Inserate an R.! I Moffe in Leipzig und dessen Filialen i in Berlin, Breslau:c. Inlcrakc, welche bis Soancrrlag eingehen, finden in der darauffolgenden Stummer ‘ Berücksichtigung. > Beilagen werden mit 12 Marl berechnet. 44. Zu^rguug. Leipzig, den 6. Juli 1880. ^No. 27. Inhalt. Leitende Artikel: Was nun? — Der Kongreß in Madrid. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Posen, Darmstadt, Stuttgart. — Großh. Luxemburg: Luxemburg. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Italien: Mantua. — Rußland: Petersburg. — Amerika: New-Aork. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Moritz Rappaport. — Korrespondenz: Lehrerversammlung. — Vermischtes: Kuriosum. — Michel-Angelo n. die h. Schrift. SLeitc'i'iDc öcirific-f. Bonn, 30. Juni. Was nun? Wir wurden von einigen Seiten interpellirt, warum wir die judengehäsfigen Artikel der „Grenzboten" unberücksichtigt und ohne Antwort gelassen? Wir könnten uns mit der Bemerkung begnügen, daß in der Fluth der deutschen Judenhetzereien es unmöglich sei, jede trübe Welle aufzufangen und zu analysiren. Wir wollen aber lieber unsre Schwäche bekennen und eingestehen, daß wir die „Grenzboten" überhaupt nicht lesen und seit ihren beiden ersten Artikeln über die Juden nicht zu Gesicht bekommen haben. In einigen Gegenden nennt man, den Grenzwächtern gegenüber, die Schmuggler> sehen, und über „Grenzboten." Wir wollen nun nicht sagen, daß die „Grenzkungen machen, boten", wir meinen die Zeitschrift, zu den Schmugglern gehören. Denn die Schmuggler geben sich nur mit werthvoller Waare ab, und der Inhalt jener Zeitschrift berechtigt nicht, sie zu den werthvollen literarischen Erzeugnissen zu zählen. Und dann sind judenfeindliche Artikel in Deutschland keine ausländische Waare. sondern gerade das Gegentheil; sie können also gar nicht importirt werden; noch weniger gehören sie zu den verbotenen Waaren: man kann sie im deutschen Baterlande ungehindert sabriziren und ungestraft verbreiten, und von dieser Licenz wird «in umfänglicher Gebrauch gemacht. Diejenigen, welche hierbei als „Grenzwächter" fungiren sollen, haben eine schwierige Aufgabe, und zwar darum, weil sie nur zur Defensive verurthcilt sind, weil ihnen jede Agression, z. B. das Schießgewehr, untersagt ist. Wir Juden sind in die Stellung gebracht, unsre Gegner im eigenen Lager nicht aussuchen und angreifen zu können. Bürdet man uns Fehler und Laster auf, so dürfen wir nur die Unwahrheit Nachweisen oder die Rechtfertigung aufstellen; aber wir dürfen die Fehler und Laster in dem uns gegenüber ausgeschlagenen Lager nicht als Gegenbild aufstellen — daran verhindert uns unser Patriotismus und der Sturm, den wir auf uns heraus beschwören würden und dem wir unterliegen müßten. Bekanntlich sind diejenigen am empsindlichsten, welche auf alle Welt zu raisonniren sich berechtigt halten. Jndeß ließ uns jene Interpellation wenigstens die beiden letzten Judenartikel der Grenzboten in Nr. 17 und 18 cinden letzten wollen wir hier einige Bemer- Denn, so einseitig und ohne alles tiefere Berständniß die Schilderung der „polnischen Juden", besonders ihrer Ceremonien in Nr. 17 entworfen ist, so wollen wir weder dem Autor noch dem Leser das Vergnügen an den Pikanterien stören. Jedenfalls sind diese Ceremonien und der sie erfüllende Geist noch lange nicht so arg wie bei vielen der 12 Millionen Sectirer im russischen Reiche, z. B. bei denen, welche die Selbstverstümmelung der Männer für eine gottgefällige Handlung und eine Pflicht erachten, oder die alte Weiber als Hexen todtschlagen und verbrennen, was allerdings auch in Deutschland nicht zu den prähistorischen Vor-