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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-22 · Heft 25 (22.6.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 25 (22.6.1880)
Date
1880-06-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mtlgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zerwog erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Preis I Vierteljährig 3Mark. Inserate werden I mit 20 Ps. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. 95) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegcben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellcn Angelegenheiten I wende man sich an Ilr. k. pijiltppfon in Bonn; hinsichtlich der Zmerate an R. I Moffe in Leipzig und deffc« Filialen | in Berlin. Breslau :c. > Znlcraik, welche bis Donnerrlag eingehen.! finden in der darauffolgenden Nummer ' i Berücksichtigung.! Beilagen werden mit 1-2 Mark berechnet. 44. Zuhrgaug. Leipzig, den 22. Juni 1880. JVo. 25. Inhalt. Leitende Artikel: Lessing in Berlin. — Ein Wort über die Versammlung der sogenannten orthodoxen Rabbiner in Pest. — Noch etwas über das Vorrecht des Kohen beim Aufruf zur Thorah! — Moses Mendelssohns Geburtsjahr noch einmal. — Zeituugs Nachrichten: Deutschland: Berlin. Bonn. Stuttgart. — Frankreich: Paris. — Schweiz: Genf. — Großbritannien: London. — RußlarU»: Petersburg. — Asien: Aus Arabien. — Amerika: New-?)ork. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine russische Berühmtheit. — Collectanea: 5. „Einzig und allein das Christenthum!" Bonn, 16. Juni. Lessing in Lerlin. Als man sich anfchickte, im Jahre l859 den hundertjährigen Geburtstag Schiller's zu feiern, kam der Gedanke auf, den drei großen deutschen Dramatikern, Schiller, Goethe und Lessing auf dem Platze vor dem Schauspielhaufe in Berlin Bildsäulen zu errichten, in Berlin, das, so reich an herrlichen Statuen von Feldherren und Generälen, damals noch kein einziges Denkmal für einen Helden der Kunst und der Wissenschaft besaß. Mit Rücksicht auf diesen Gedanken wurde am Tage des Festes, wenn wir nicht irren, vorn damaligen Prinz-Regenten selbst der Grundstein zur Scknllerstatue gelegt. Statt aber, daß ein einziges Comit^ sich für die Ausführung jener schönen Idee constituirt hätte, entstand neben dem Schiller Somit« ein Goethe- und ein Lessing Eomit«'. Was Wunder, daß alsbald Streitigkeiten entstanden, welche dahinführten, den ersten Gedanken fallen zu lasten. Sie gingen vom Goethe - Somit« aus, welches die Vorstellung nicht ertragen konnte, daß nicht Goethe den Mittelpunkt der Gruppe einnehmen sollte, obschon es doch nicht verkennen konnte, daß. wo, wie hier, nur den Dramatikern gehuldigt werden sollte, Schiller der erste Platz gebührte. Lieber wollte jenes die Statuen der drei Dichterheroen durch die Stadt verzetteln. So kam es denn auch, obschon nunmehr die Herstellung der Bildsäulen Goethe» und Lessing» aus geringere Betheiligung und Opferwilligkeit stieß. Da» Goethe - Somit« hatte über zwanzig Jahre mit der Herbeischaffung der Geldmittel, mit der Bestimmung des Platze» und der Herstellung der Statue zu schaffen. Am 2. Juni wurde da» herrliche Denkmal, aber sehr fern von seinem Freunde und Genoffen Schiller, außerhalb der Stadt in einer Parkanlage enthüllt. Wo aber bleibt die Lessingstatue? Das Lessing-Somit« er öffnete damals eine Sammlung. Auch wir suchten dieselbe zu fördern, wie es zur Ausstellung des Lessingbildes in Braunschwcig geschehen war. Seitdem hat unsre» Wissen» nichts wieder davon verlautet. Uin so mehr ist es an der Zeit, daran zu errinnern und die Bestrebungen für diesen letzten Theil jenes schönen Gedankens wieder aufleben zu lasten. Fürwahr, für das Verdienst Lessings seine Stimme erheben zu wollen, wäre überflüssig, ja anmaßend. Es ist eine Ehrenpflicht Berlins, das viel zu lange Zeit Stuttgart, Frankfurt a. M., Weimar und Braunschweig die Ehre überlasten hat, unsren großen Dichtern Monumente zu errichten und das jetzt, zur Hauptstadt des deutschen Reiches erhoben, um so mehr die Ausgabe hat, würdige Denkmäler des deutschen Geiste» in seinem Schooße zu bergen. Es ist eine doppelte Ehrenschuld Berlins, dem Andenken Lessing» nicht dadurch zu nahe zu treten, daß es gerade für ihn den Gedanken einer Statue unausgeführt laste, wodurch freilich nicht Leffing, sondern Berlin selbst Schmach angethan würde. Ja. es ist eine dreifache Ehrenschuld Berlins, da unter jenen

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