Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1880)
- Date
- 1880-06-15
- Page
- Seite 381 (sequence 13)
- Language
- German
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381 Was unfern humanen Magistrat veranlaßt haben mochte, mich neuerdings mit Communalsteuern belasten zu wollen, dürste aus meinen Darlegungen im Hinblick auf unsere Zeitströmung unschwer zu entnehmen sein. Uebrigens sträuben sich eigenthümlicherweise erforderlichenfalls die Behörden — z. B. die Militärbehörden, wenn sie die Mannschaften jüdischer Religion zum Fahneneid vorbereitet haben wollen und dergl. mehr — durchaus nicht, die Rabbiner gleich den christlichen Geistlichen in Anspruch zu nehmen. Dr. Kroner. Hildesheim, 2. Juni. Lehrerversammlung. Am 2-1. Mai wurde im Sitzungssaale der Synagogengemeinde Hannover die diesjährige Generalversammlung des Vereins jüdischerLehrer inderProvinzHannover abgehalten, wozu außer dessen Ehrenmitgliedern, Herren Landrabbiner vr. Meyer-Hannover, vr. Guttmann-Hildesheim und vr. Buchholz-Emden eine ziemliche Anzahl seiner Mitglieder erschienen waren. Der langjährige, verehrte Vorsitzende, Lehrer Schlesinger - Göttingen, erössnete die Sitzung mit einer herzlichen Begrüßung und ergriff sodann das Wort zu einem warmen Nachruf für den kürzlich in Hannover verstorbenen Professor vr. Frensdorf, der stets für die Verhandlungen des Vereins das regste Interesse gezeigt habe. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. In die Tagesordnung eintretend, wurde als erster Gegenstand derselben die Revision der Statuten unter Zugrundelegung der commissionsseitig gemachten Vorschläge angenommen und der Vorstand betraut dieselben nach den beschlossenen Veränderungen zu redigiren — Hieraus beleuchtete Herr Landrabbiner vr. Guttmann- Hildesheim, wie er dies bereits in der vorjährigen Conferenz gethan, nochmals die Frage: „In wie weit verdient in einer israelitischen Volksschule die jüdische Geschichte beim Unterrichte der Weltgeschichte Berücksichtigung." Redner setzte auseinander, daß die Berücksichtigung der Hauptmomente aus der Geschichte des Judenthums beim Unterrichte in der allgemeinen Weltgeschichte nach zwei Seiten wünschenswerth und von Nutzen sei. Erstens werde durch ein solches Lehrverfahren der jüdischen Volksschule, der nach ihrer ganzen Organisation und dem Bildungsgrad ihrer Schüler ein aus' führlicher und systematischer Unterricht in der jüdischen Geschichte unmöglich sei, Gelegenheit geboten, eine gewisse Kenntniß auch der nachbiblischen jüdischen Geschichte zu überliefern. Zweitens sei die Berücksichtigung der jüdischen Geschichte, insofern dieselbe mit den großen Ereignissen der Weltgeschichte in Verbindung stehe, wohl geeignet, die geschichtlichen Vorgänge und Persönlichkeiten in einem neuen Lichte erscheinen zu lassen und zur Berichtigung mancher weitverbreiteten Vorurtheile beizutragen. Redner wies dies nach, indem er an einzelnen Beispielen, namentlich aus der Geschichte des Alterthums und des Mittelalters zeigte, wie die Kenntniß der jüdischen Geschichte zum richtigern Beurtheilen Jener beitrage. — Dieser Vortrag gab Anlaß zu einer längeren, eingehenden Diskussion, deren Ergebniß Herr Landrabbiner vr. Meyer- Hannover in nachstehende Resolutionen zusammenfaßte, zu denen denn auch die Versammlung ihre Zustimmung gab. 1. Beim Unterrichte in der Weltgeschichte in den jüdischen Schulen ist der jüdische Gesichtspunkt nicht aus den Augen zu verlieren, um die Weltgeschichte nicht in einseitiger Weise den jüdischen Kindern zu lehren. 2. Wo sich passende Anknüpfungspunkte ergeben, soll in der Weltgeschichte die jüdische Geschichte hcrangezogen werden. 3. Es ist danach zu streben, daß eine Weltgeschichte in diesem Sinne für jüdische Schulen geschrieben werde. 4. Die Lesebücher für die jüdischen Schulen müssen Themata aus der jüdischen Geschichte, Lebensbilder und dergleichen neben dem allgemeinen Lesestoff enthalten. — Die um 1 Uhr unterbrochene Sitzung wurde Nachmittag 4 Uhr wieder ausgenommen. Zur Verhandlung kam ein Referat des Unterzeichneten über die häuslichen Arbeiten der Schüler, insbesondere der Religionsschülcr. Das Thema war nach den folgenden Gesichtspunkten ausgeführt: 1. Sowohl für die Elementar-, wie auch für die Religionsschulen sind häusliche Aufgaben nothwendig, um die Arbeit der Schule zu unterstützen und um die Schüler an eigene Thätigkeit zu gewöhnen. 2. Alle Aufgaben müssen nach dem Bedürfniß beim Unterrichte und nach der Leistungsfähigkeit der Schüler bemessen werden. 3. Keine Aufgabe darf gegeben werden, welche nicht durch den Unterricht genügend vorbereitet ist. 4. Tie zuweilen vorkommenden Klagen über zu große An-! forderungen an den häuslichen Fleiß der Religionsschüler sind in Bezug auf die häuslichen Aufgaben in der Religion und Biblischen Geschichte nicht begründet, da auch alle andern Schüler höherer Lehranstalten nach dieser Seite hin neben ihren übrigen Arbeiten häusliche Aufgaben zu bewältigen haben, 5, Jedoch ist nicht zu verkennen, daß durch die Unterrichtsstunden im Hebräischen die freie Zeit der Religionsschüler verkürzt wird, und sind deshalb häusliche Aufgaben für diesen Unterrichtsgegenstand nur in mäßigem Umfange zu ertheilen. — Auch dieses Referat veranlagte eine längere Debatte, die mit Annahme der vom Referenten empfohlenen Thesen endigte. — Gegen 7 Uhr fand der Schluß der Versammlung statt, nachdem zuvor Ort und Zeit der nächstjährigen Conferenz bestimmt worden waren. E. Stern, Schriftführer.