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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-06-15 · Heft 24 (15.6.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 24 (15.6.1880)
Date
1880-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diele Zeitung erfcheiut wöchentlich einmal iu r bis 2»/» Bogea. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. S5) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten, wende man stch an vr. £. pt)ilippfon »n Bonn: hinsichtlich der Jnierate an R. Moffe in Leipzig und dessen Filiale» iu Berliu, Breslau:c. Zastraik, welche bis Sonnerrlag eingehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Iuhrguug. Leipzig, den 15. Juni 1880. JVo. 24. Iobalt Leitende Artikel: Eine eigenthümliche Erscheinung. — Ter Congreß zu Madrid. — Der Congreß der sogenannten orthodoxen Rabbiner in Pest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — Italien: Rom. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Galacz. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Corresponz: Brandenburg a. d. H., den 2. Juni 1880. Befreiung von den städtischen Abgaben. — Hildesheim, 2. Juni. Lehrerversammlung. QztUieC Bonn, 9. Juni. Eine eigeuthümtiche Erscheinung. Die Berliner Pastoral-Konferenz. Was wir unter dieser Überschrift verstehen, ist einfach die Erscheinung der jüngsten Zeit, daß die protestantischen Pietisten der Meinung find oder fie doch unaufhörlich bethätigen: durch Förderung des Judenhafies den kirchlichen Sinn im deutschen Volke wieder wecken und stärken zu können. Anders wäre doch nicht zu erklären, warum die Wortführer dieser Partei nicht blos in ihren Schriften und Predigten, sondern in jeder ihrer Versammlungen, auch der eigentlich theologischest, die heftigsten Reden, die äußersten Schmähungen gegen die Juden schleudern. Ja, es ist nicht mehr das Jndenthum, das sie bekämpfen, es find die Juden. Ein neuestes Zeugniß hiervon giebt die „Berliner Pastoral-Konferenz" vom 27. Mai, von der wir weiter unten sprechen werden. Sie behaupten, die modernen Juden seien ohne Glauben und hatten ] hierdurch auf das christliche Volk verderblich gewirkt, und zweitens hätten sie den Verfall des kirchlichen Sinnes durch die wiederholten Beschimpfungen des Christenthums herbeigeführt. Wir find nicht derart, in den Schmähungen unserer Nebenmenschen Religion und religiöses Verhalten zu finden. Wir wollen daher nicht sagen, daß diese Männer allesammt mit Bewußtsein die Unwahrheit sprechen: viele von ihnen reden fie sich ein und noch mehrere laffen sie sich einreden. Der Verfall des kirchlichen Sinnes in den deutschen protestantischen Ländern ist ja nicht zu leugnen, namentlich in den größeren Städten, und wenn ihn früher der äußerst schwache Kirchenbesuch erwies, so hat das Civilstandsgesetz den Umfang dieses Mangels an kirchlichem Sinne im Volke als einen allerdings unerwartet großen dargethan. Nun sucht bekanntlich der Mensch die Ursachen eines mißliebigen Zustandes am seltensten in sich, seinen Ansichten, seinem Verhalten, sondern streckt die Hand nach allen möglichen, selbst den fernliegendsten Momenten aus. um die Schuld auf Andere zu wälzen. Hierzu sollen nun den Herren Pastoren und ihren Anhängern die ihnen in aller Zeit verhaßt gewesenen Inden dienen. Kämen fie dazu, oder hätten sie nur den Willen, die Sachlage ernstlich und wahrheitsgetreu zu prüfen: sie würden zu anderen Resultaten kommen. Zu vergeben ist dabei nicht, daß gewiffe Missionäre, wie der Missionär aus Breslau de le Roi in der gedachten Pastoral-Konferenz. eine Rolle hierbei spielen, die, trotz ihrer „Liebe zu Israel", die sie sonst so salbungsreich herausstreichen, einen tiefen Haß gegen die Juden hegen, weil diese allen ihren Anstrengungen noch immer den Rücken kehren. Es ist eine Unwahrheit, daß die modernen Juden den Glauben verloren haben. Daß sie nicht mehr sind wie vor einem Jahrhundert, ist richtig. Daß sie aber mit den Veränderungen, die an ihnen vorgegangen, abgesehen von einer Zahl Einzelner, den religiösen Glauben verloren haben sollen, ist unwahr. Bekanntlich können wir Menschen nicht beanspruchen, in die Tiefen der 24

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