Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1880)
- Date
- 1880-05-25
- Page
- Seite 334 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Berlin, 2. Mai. (Literarische Notizen.) Neulich erschien „Moses Mendelssohn's Verdienste um die deutsche Nation. Bon vr. E. Schreiber, (Zürich 1880.)l) Eigentlich Neues haben wir in dieser Schrift nicht erwartet, zudem der Berf. im Borwort bemerkt, daß er sich durchaus nicht einbilde, etwas ganz Neues zu sagen; nichtsdestoweniger hat uns die Schrift interesfirt. Der Berf. hat eine ganz eigenthümliche Art des Büchermachens; er versteht es zu citiren, mit Quellenangaben und Citaten zu prunken, dabei hütet er sich wohlweislich seine eigentliche Quelle anzugeben. 1) Unsere Leser werden sich vielleicht erinnern, daß wir nach dem Borgehen des vr. Schreiber gegen uns der Unparteilichkeit wegen die liter. Erzeugniffe desselben zu besprechen Unterlasten. Wo aber die Gerechtigkeit eine Forderung stellt,dürsen wir uns ihr nicht entziehen. Redaction. Die Hauptquelle der oben rubricirten Schrift ist Kayserling's 1856 erschienene Schrift „Moses Mendelssohn's philosophische und religiöse Grundsätze mit Hinblick auf Lesfing" (Leipzig Mendelssohn.) Man vergleiche und staune! Man vgl. Schreiber S. 8 mit Kayserling S. 2, S. 15 mit S. 20, S. l6 mit S. 5, S. 17 u. 18 mit S. 10 u. 33 ff., S. 22 mit S. 6, S. 32 mit S. 12 u. 14, S. 34 mit S. 38 ff., S. 36 mit S. 13, S. 37 mit S. 14, S. 43 mit S. 46, u. a. m. Für das eigentliche und kurz berührte Thema wurde Bodek's Aufsatz im Lessing - Mendelssohn Gedenkbuch benutzt und für S. 10 ff, mußte Ludwig Geiger (Geschichte der Juden in Berlin) herhalten. Wir wiffen somit, was von dem Berf. und seiner Schrift zu halten ist. Ein solcher — Verfasser darf mit Recht behaupten, „daß er sich nicht einbilde, etwas Neues zu sagen". W. M. Feuilleton. Jesus und -er Talmud. In unserer Schrift: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" (Berlin. Gerschel 1866.) sagten wir, als wir die geschichtlichen Zeugniffe für die Geschichte Jesu prüften: „Alle späteren Schriftsteller schöpfen lediglich aus den christlichen Mittheilungen, denen wieder allein die Evangelien zu Grunde liegen. Auch die Jesus betreffenden talmudischen Notizen haben keinen geschichtlichen Werth, weil sie durchaus nicht aus unmittelbaren Ueberlieferungen, sondern aus späterer Zeit stammen und sich nur an die christlichen Traditionen anlehnen. Stimmen sie doch nicht einmal über die Lebenszeit Jesu überein. Die 'Einen lasten ihn hundert Jahre früher. Andere zur Zeit der Tempelzerstörung leben. (Sanhedr. 107, 2. Midi*. Echa 50. Jer. Berach. 5, 1. vgl. Jost. Gesch. d. Judenth. I. S. 404)." Einigen christlichen Kritikern war dies unbequem; sie bestritten unsere Auslastung, ohne freilich den Gegenbeweis zu liefern. Es erscheint uns daher angemesten, die Aeußerung eines neuesten Autors zu citiren. Rabbiner Dr. M. Joel sagt in der Einleitung seiner eben erschienenen Schrift: „Blicke in die Religionsgeschichte zu Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts" (Breslau. Schottländer 1880): „Directe zeitgenössische Nachrichten über die Entstehung des Christenthums haben wir im Talmud bekanntlich so gut wie keine. Das, was in den Gemaren über den Stifter des Christenthums und seine Jünger vorkommt, ist nicht blos unbedeutend, sondern verräth zugleich seinen späteren Ursprung durch die chronologischen Jrrthümer, die dabei unterlaufen. Jesus wird in eine enge Beziehung zu Josua ben Peraehiah gebracht, einem Lehrer, der länger als hundert Jahre vor Chr. Geburt geblüht hat. Es war aber eine ungeschichtliche Zeit, wo man Forschungen über den Ursprung einer Sache nicht anstellte, sondern mit einer Erscheinung erst dann sich beschäftigte, wenn sie Theilnahme oder Sorge bereitete. Wie Justinus Martyr um 130 n. Chr. ruhig erzählt, daß Ptolemäus, der Begründer der alexandrinischen Bibliothek, einen Gesandten an den jüdischen König Herodes geschickt hätte (1. Älpologie c. 31), so wissen die späteren Talmudisten nichts Genaues über die Vorgänge bei den Anfängen des Christenthums." Kauslebrer-Oesiuk. Für sogleich wird ein jüdischer, staatlich gepr. und prakl. erfahrener Hauslehrer zum Uulerr. von einigen Kindern aufs Land bei günstig. Salair und freier Stalion gesucht. 2sf. nebst Zeugn. beliebe man an A. Braun, Wilhelinsbrfiek zu richten. [:>992] fKFjf gesetztes Mädchen, welches gur nnr Kindern umgehen kann, sinder bei gutem Lohn und familiärer Behandlung in einer religiösen Familie angenehme Stellung. Offerten unter J. H. an die Annonc.-Exped. o. A. Rolef, Münster i/"VV. [6316] Anzeigen. ein füd. Mädchen, welches in der bürgerlichen Küche erfahren, suche sofort Stellung. Offerten wolle nian gefl. unter A. G. 120 postlagernd Essen a/Rulir gelangen lassen. [6455] Ein Elementaru. Religionslehrer, Borbetcr, der auch gottesdienstliche Borträge halten kann, sucht per sofort event. später Stelle. Fr.-Off. sub F. 6542 an Rudolf Mlosse, Leipzig erbeten. [6542] Am 1. Juli d. I. wird die hiesige Lch rer-, Schächter und Borbet erst eile erledigt und soll wieder besetzt werden, geeignete Bewerber wollen sich daher bei dem Borstande melden, reso. ihre Zeugnisse einreichen. Das Einkommen beträgt außer freier Wohnung etwa 900 Mark jährlich. Storkow, den 18. April 1880. [B. 53-27] Der jüdische Gemeinde-Vorstand. J. Friedemann. <£. gepr. Erz. w. Stelle b. Kindern oder als ^Gesellschafterin. Off. bef. u. 8. I-. d. Annoncen-Exp. von Rudolf Mosse, Dortmund. [4143]