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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-05-25 · Heft 21 (25.5.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 21 (25.5.1880)
Date
1880-05-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Leitung des Zudenthums. Ein mparteiischrs OrgM für alles jüdische Jntcrejfc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2-/- Bogen. Preis > Vierteljährig 3Mart. Inserate werden I mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren I Raum berechnet, j Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. 95») nnd Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtucr^s Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man stch an Dt. (. Ptzilippsoir in Bonn: hinsichtlich der Jnierate an R. I Moffe i« Leipzig und dessr» Filiale» s i» Berlin. Breslau :c. I Inserate, welche bis Sonnrrriig eingehen. sinden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 25. Mai 1880. No. 21. Ivdstt. Leitende Artikel: Der Kampf um die Gotteserkenntniß. V. — Ein Artikel der „Norddeutschen Allg. Zeitung." — Ein Bild aus Westrußland. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Schwerin, Bonn, Ansbach, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Kaposvür. — Belgien: Brussel. — Schweden: Stockholm. — Rußland: Petersburg. — Frankreich: Paris. — Amerika: New- Aork. — Bonn: Notizen. — Berlin: Literarische Notizen. — Feuilleton: Jesus und der Talmud. XcilciiC'c Orti iret^ Bonn, 10. Mai. Der Kampf um die Gotteserkeuutujß V.') Wenn wir oben von Dilettantismus sprachen, der sich auf dem religiösen Gebiete spreize, so darf man uns nicht mißverstehen. Jedermann ist berufen, sich eine religiöse Anschauung zu verschaffen, auch sie als eine solche subjcctive Meinung auszusprechen. Der Dilettantismus besteht aber darin, diese seine persönlichen Ansichten als Resultat großer i) Durch ein Versehen ist dieser Artikel in Nr. 18 in der Mitte abgebrochen worden. Wir glauben es daher sowohl unsren Lesern als auch dem besprochenen Autor schuldig zu sein, die betreffende Stelle aus dem Aufsatze des Herrn Dr. Laster noch einmal abdrucken zu lassen. Sie lautet: „Unter solchen sich bekämpfenden Gegensätzen arbeitet der Mensch sich durch zu der Erkenntniß, mit welcher diese zweite Periode dem Abschluß entgegenneigt, daß die Natur dem Menschengeschöpf verwehrt hat, das Wesen Gottes zu ergründen, in irgend eine nach menschlichen Regeln erkennbare Verbindung mit ihm zu treten, so lange der Mensch auf Erden weilt. Diese Erkenntniß beeinträchtigt nicht die Gefühle, welche der Menschenbrust tief eingegraben sind, nicht den natürlichen Antrieb zur Gottesfurcht. Der Einzelne mag und darf, ohne Furcht vor berechtigtem Widerspruch, das höhere Wesen, wie es ia seinem Herzen lebt, anbeten, zu seiner Erziehung verwerthen, in seine Stimmung und LebenSgeschicke verflechten, aber keine Forschung erschließt ihm das Berständniß, wie zu Anfang oder zuletzt Menschliches und Göttliches sich verknüpfen. Wissenschaftlich erwiesen ist das Gesetz, daß alles hierauf gerichtete Forschen bloße Uebung des Geistes ist. Zum Uebersinnlichen findet unsre aus den Sinnen beruhende Vorstellung keinen Zugang; darum zerbröckeln alle Einrichttingen, welche auf der vermeinten Kenntniß des Göttlichen veranstaltet sind." geschichtlicher Entwickelungen und der wiffenschastlichen Forschung mit einer Bestimmtheit und Sicherheit hinzustellen, die sich durch die Unsicherheit und Unbestimmtheit der eigenen Ausdrücke sofort Lügen straft. „Dem Abschluß entgegenneigt", „die Natur hat dem Menschengeschöpf verwehrt", „das Wesen Gottes ergründen", „die Gefühle, welche der Menschenbrust tief eingegraben sind" u. s. w., alle diese Phrasen und die weiter darauf folgen, sind so schwankender und ungewiffer Art, daß sie die Ungewohnheit, solche Gegenstände zu behandeln, hinlänglich verrathen. Sehen wir uns nun die ganze Auslassung Lasters an, so drängt sich uns unwillkürlich der Gedanke an einen Compromiß auf, der hier auf religiösem Gebiete versucht werden soll. Auf der einen Seite wird dem Verstände die Fähigkeit abgesprochen, „das Wesen Gottes zu ergründen", wo dann bald das „Ergründen" zum „Erkennen" und sogar zum „Kennen" abgeschwächt wird, um dem Atheisten die Unmöglichkeit der Gotteserkenntniß zu concediren. Auf der anderen Seite wird dem Gottgläubigen concedirt, daß seiner „Menschenbrust" Gefühle tief eingegraben sind, und ein natürlicher Antrieb zur Gottesfurcht. Beide werden also als berechtigte Parteien anerkannt und nun ein Compromiß vorgeschlageu. Es wird dem Einzelnen (!!) die Berechtigung zugesprochen, für sich so viel Religion zu ttciben wie er will. Aber für die oder für eine Gesammtheit hat nur die Anerkenntniß Berechtigung, daß es keine Gotteserkenntniß gebe, und daß alle Institutionen, die auf eine solche sich stützen, „dem Zerbröckeln" anheimzufallen haben. Man sieht, dies ist ein Compromiß vollständiger Art, natür-

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