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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-27 · Heft 17 (27.4.1880) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 17 (27.4.1880)
Date
1880-04-27
Page
Seite 268 (sequence 12)
Language
German
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268 herzliche Theilnahme und aufrichtige Anerkennung auszudrücken. Am 8. d. Dtts. begaben sich der Borstand und das Repräsentanten-Coüegium in die Wohnung des Jubilars und überbrachten ihm in feierlicher Weise unter Ueberreichung einer Adresie und eines kunstvoll gearbeiteten Pokals die Glückwünsche der Gemeinde. In seiner Ansprache betonte der Präses der Repräsentanten, daß die ganze Gemeinde den Jubilar beglückwünsche und ihm diese Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit gespendet habe. Der Jubilar erwiederte, daß es ihn glücklich mache, die ganze Gemeinde in solch friedlicher Eintracht zu wißen und daß es mit der Hilfe Gottes sein Streben bleiben solle, den Frieden in der Gemeinde zu wahren und zu pflegen. Gleicherweise erhielt der Jubilar, welcher durch seine hervorragenden Talente und seine gemeinnützige Thätigkeit als Mitglied des Stadtraths und Präses verschiedener Vereine in hoher Achtung bei allen Clasien der Bürgerschaft steht, aus den Kreisen der letzteren die mannigfachsten Beweise freudiger Theilnahme an seinem Ehrentage. Am Vorabend brachten der Turn- und der Gesangverein ihm ein Ständchen. Am Festtage erhielt er den ehrenden Besuch des Bürgermeisters, vieler Honoratioren der Stadt und zahlreiche schriftliche und mündliche Gratulationen. Doch die Mitglieder der Gemeinde thaten es allen zuvor. — Oöffentliche Blätter schreiben aus Limburg vom 11. April: Bier Juden aus Weilburg wurden in der Strafkammersitzung vom 9. d. wegen Störung des Gottesdienstes zu je einem Tage Gefangniß und in die Kosten verurtheilt. Am jüdischen Neujahrsfeste im vorigen Jahre hielt der Rabbiner der Gemeinde in der Synagoge in Weilburg eine Predigt, in der er Mitglieder der Gemeinde, die an einer von ihm veranstalteten Collecte für die nothleidenden Glaubensgenoffen in Jerusalem nicht Theil genommen hatten, durch folgende Ausdrücke: „Da stehen sie in ihrem Todtenkleide; wenn sie aber für ihre Glaubensgenossen in Jerusalem etwas thun sollen, dann haben sie nichts übrig, H .. . . sind sie, Geizhälse sind sie-, angriff. In der Synagoge entstand große Unruhe und namentlich die Angeklagten sollen dadurch, daß sie nach dieser Beleidigung sich zu lauten Ausdrücken des Unwillens hinreißen ließen, die Störung des Gottesdienstes erregt haben. Der Gerichtshof, welcher zwar nicht annahm, daß die Angeklagten zu dieser Art der Abwehr der Beleidigung berechtigt gewesen, vielmehr in seinen Gründen sich dahin aussprach, daß die Angeklagten auf dem Wege der Beschwerde oder Klage ihr Recht hätten verfolgen können, fand doch in der Art und Weise, wie der Rabbiner sie durch die schwer beleidigenden Ausdrücke zu ihrem Verhalten provocirt hatte, so viel Entschuldbares, daß er auf die geringste zulässige Strafe erkannte. Ieuil Vermischtes. Die Fabel von einem hebräischen Manuskript des Apostels Petrus. Italienische Blätter und dann die großen Pariser und belgische Blätter brachten vor Kurzem folgende Mittheilung über den Apostel Petrus, von dem nach dem Blatte Sabaoth in Konstantinopel ein eigenhändiges Manuskript in Jerusalem aufgefunden worden sei. Der alte Fischer habe sich zum Schriftsteller gemacht, natürlich nachdem er schreiben gelernt- Die Bibelgesellschaft zu London hat eine Commission nach Jerusalem, wo das Manuskript gefunden worden, geschickt, und die Delegirten bestätigen, daß das Palimpsest von der Hand des Apostels sei. Sie stützen sich darauf: während eine dunkle Stelle der Apostel-Geschichte zu verstehen giebt, daß Petrus unwissend gewesen, der heil. Marcus das Gegentheil zu sagen scheint. Die Umstände, unter denen dieser Papyrus, den die Paläologen Jerusalems für echt erklären, ans Tageslicht gefördert worden, sind folgende: In einer Art Höhle, in der ein Greis, Namens Kore, in großer Dürftigkeit zu leben schien, und der im vergangenen Jahre zu Jerusalem im Alter von 109 Jahren gestorben ist, entdeckte man außer einer großen Menge Münzen im Werthe l e 1 o n. ungefähr von 200,000 ft. und einem alten Caschemire-Schawl, in welchem verschiedene Papiere den Ursprung des armen Kore bestätigen, durch welche auch bewiesen wird, daß er einer sehr reichen Familie in Stockholm angehörte, ein voluminöses Manuskript auf Papyrus, eingewickelt in ein Stück grüner Seide, das vom Zahn der Zeit so zernagt war, daß es bei der geringsten Berührung in Lumpen zerfiel. Der Papyrus trägt in schönen hebräischen Buchstaben folgende Worte: „Petrus, Fischer, Anhänger (oder Schüler) von Jesus, dem Sohne Gottes und Fortführer seines Werkes spricht zu den Völkern der Erde, die die Worte des Herrn hören nach der Liebe und im Namen des allerheiligsten Gottes." Das Manuskript ist auf eine bizarre Weise unterzeichnet: „Ich, Petrus, Fischer, habe im Namen Jesu beendet aufzuschreiben das Wort der Liebe, im Jahre 50 meines Alters, am dritten Osterfeste nach dem Tode meines Herrn und Meisters Jesus Christus, Sohnes Mariä, und im Hause des Belleri, Schreibers, nahe beim Tempel des Herrn." Die Gelehrten Jerusalems haben entschieden, daß es einem modernen Schriftsteller unmöglich sei, das alte Hebräisch mit einer solchen Leichtigkeit der Wendungen, mit solcher Kenntniß der Bedeutung gewisser Wörter und endlich in einer solchen alterthümlichen Form, die alle Buchstaben des Hebrä-

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