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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-27 · Heft 17 (27.4.1880) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 17 (27.4.1880)
Date
1880-04-27
Page
Seite 266 (sequence 10)
Language
German
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266 Verhältnisse sah sich der Verein veranlaßt, die Anzahl seiner Zöglinge auf eine bisher noch nicht erreichte Ziffer zu erhöhen. Er hatte nämlich Ende 1878: 95 Zöglinge und nahm im Laufe des Jahres 1879: 49 neue auf; von diesen 144 Zöglingen wurden 25 zu Gehilfen freigesprochen, 9 verließen das Gewerbe und wurden entlassen, somit Ende 1879 noch 110 Zöglinge verblieben. Nach der tabellarischen Uebersicht derselben sind 17 Goldarbeiter, 17 Spengler, 12 Tischler, 11 Schlosser, 11 Tapezierer u. s. w. Die Einnahmen des Vereins betrugen 5675 Gulden, die Ausgaben 5089 Gulden, wovon 9370 Gulden allein für Bekleidung der Zöglinge verwendet wurden. Das Vermögen des Vereins beträgt 33084 Gulden. Den folgenden Worten, womit der verdienstvolle Director Herr Dr. A. Schoenberg, den Bericht schließt, wird jeder Beifall zollen: Die hier mitgetheilten Daten bilden wohl klare Belege für die uugeschwächte Prosperität unseres Vereines, für die wohlchätige, gemeinnützige Wirksamkeit desselben, sowohl von humanitärem und culturellem, als von patriotischem und nicht minder von jüdisch-confessionellem Standpunkte aus: sie bieten aber zugleich die beredteste Widerlegung jener — wohl nur sporadisch auftauchenden — Meinungen, als ob unser Verein nunmehr seine Existenznothwendigkeit oder gar seine Existenzberechtigung bereits eingebüßt hätte! — sie thun es zur Genüge dar, daß der Beruf, die Mission dieses Vereines nach wie vor dem Interesse der Humanität, der Gesellschaft und unserer Confession Rechnung trage. Pest, 14 April. (Privatmitth.) Im Ungarischen Abgeordnetenhause hat bei Berathung des Cultusetats wieder eine lange Debatte über Religionsfreiheit und Civilehe stattgefunden, als deren Resultat ein Gesetz über Religionsfreiheit nicht, über Civilehe nochmals versprochen ward. Dch. dabei die krausen eherechtlichen Verhältnisse der Juden in Ungarn zur Sprache kamen, und die sonderbarsten Fälle von Widersprüchen von Stadt zu Stadt, von Comitat zu Comitat angeführt wurden, läßt sich schon voraussetzen. Der Ministerpräsident Tisza beruhigte aber die aufgewühlten Wogen mit der Versicherung, daß in Ungarn schon völlige Religionsfreiheit vorhanden sei, und die obigen Themata zu viele Schwierigkeiten böten. Daß z. B. der Ucbcrtritt zum Judenthume in Ungarn noch unerlaubt ist. und wenn er anderswo geschehen, hier nicht anerkannt wird, überging der Minister mit Stillschweigen. Lemberg, 9. April. Dem Amtsblatt telegraphirt man aus Türca, daß in Wysock-Wyzna die Dorfherberge des Israeliten Goldenreich von einer Bande ungarischer Bauern überfallen und daselbst sechs Personen ermordet, fünf lebensgefährlich verwundet worden. Das Gericht setzt Alles in Bewegung, um im Einvernehmen mit den ungarischen Behörden der Grenzbezirke der Thäter habhaft zu werden. Rußland. Petersburg, 12. März. In Regierungskreisen beschäftigt man sich jetzt wieder sehr viel mit den Juden. Zu dem bereits Gemeldeten haben wir hinzuzufügen: Das Departement für die fremden Confessionen des Ministeriums des Innern sammelt gegenwärtig Daten über die Zahl der Juden und jüdischen Gemeinden in den einzelnen Gouvernements, über die Zahl der Synagogen, Bethäuser, Rabbiner, über die Zeit der Bestätigung derselben u. s. w. Die „Mosk. Wjed." erfahren, daß das im Zusammenhänge mit der beabsichtigten Herausgabe von Mittheilungen über die fremden Confessionen im Reiche steht. Unter „fremden Confessionen" versteht man in Rußland alle Kirchen und Religionen außer der russisch-griechischen. Die Odessaer Blätter beschäftigen sich zur Zeit mit der durch die letzten stattstischen Erhebungen erwiesenen Thatsache, daß die jüdische Bevölkerung Odessas zu-, die russische dagegen abgenommen hat. Es erweist sich, daß im Jahre 1879 in Odessa 8383 Menschen geboren wurden und 72-16 verstorben, die Bevölkerung mithin 1137 Köpfe zugenommcn hat. Dieser Zuwachs kommt jedoch fast ausschließlich der jüdischen Bevölkerung zu Statten. Die Zahl der Geburten bei den Bekennern der schismattschen Kirche betrug nämlich 4865, die der Todesfälle 5067, was einen Abgang von 202 bedeutet, während hingegen auf der gegentheiligen Seite bei 3053 Geburten und 1676 Todesfällen sich eine Zunahme von 1377 Köpfen herausstellte. Bloß lU der Einwohner Odessas sind Juden, 3/4 Christen, die Zahl der Geburten bei letzteren dagegen betrug 5297, bei ersteren 3053; mit anderen Worten, Judenkinder wurden um das Doppelte mehr als Christenkinder geboren. Großbritannien. London, 13. April. ^Privatmitth.) Der außerordentliche, ungeahnte Umschwung der öffentlichen Meinung zu Gunsten der liberalen Partei, der sich in den gegenwärtigen Wahlen kundgegeben, hat alle Welt überrascht. In wie weit dieser Sieg der Liberalen Veränderungen nach außen und innen bewirken werde, läßt sich natürlich nicht Voraussagen. Allem Anschein nach wird Gladstone die Führerschaft der Partei und wahrscheinlich auch die Premierschast übernehmen. So hart Gladstone und einige seiner nächsten Anhänger sich auch gegen die englischen Israeliten ausgesprochen, weil sie ihm in der orientalischen Frage nicht folgten, so kann dies doch nach dem Geiste und den Verhältnissen Englands für jene auch nicht im geringsten Maße bedrohlich erscheinen. Uebrigens hat in diesen Tagen Lord Bury in einem Blatte Stellen aus verschiedenen Werken Gladstone's veröffentlicht, in welcher er zn wiederholten Malen erklärte, die Römisch- Katholischen könnten keine loyalen Unterthanen des Staates

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