Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1880)
- Date
- 1880-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in S bis 2'/» Bogen. Preis I Bierteljährig SMart. Inserate werden! mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren j Raum berechnet. ' Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. 95) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Or. Ludwig Philippion in Bonn. Verlag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. l. Pdüipploa in Bonn: hinsichtlich der Inserate an R. Moffc i« Leipzig und deffe» Filialen in Berlin, Breslau:c. Jalcrale, welche bis vonnerriag eingehen. sinden in der darauffolgenden Rümmer j Berücksichtigung. 44. Jahrgang. Leipzig, den 27. April 1680. JSfc. 17. Iabalt. Leitende Artikel: Abermals ein internationaler Congreß. — Lücrarischcr Wochenbericht: Tie Broschürenliteratnr. — Altes im neuen Gewanoe. IV. — Acituugsuachrichteu: Deutschland: Berlin, Leipzig, Breslau, Hambura, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Lemberg. — Rußland: Petersburg. — Großbritannien: London. — Amerika: Berlin. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes: Die Fabel von einem hebräischen Manuskript des Apostels Petrus. Bonn, 21. April. Äbermals ein iuterualionaler Congreß. Es ist ein eigenthümliches Geschick der Juden, in neuester Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit in eineni Grade | auf sich zu ziehen, wie die Sache an sich, um die es sich dabei handelt, kaum zu verdienen scheint. Erklärlich ist dies blos, weil sich die verschiedenen Staaten so lange Zeiten die üble Behandlung der Juden gestatteten, daß bei der, die Gegenwart beherrschenden Humanität die Frage, sie aus ihrer schlimmen Lage zu befreien, bald an diesem, bald an jenem Ende der Welt zum Vorschein kommt. Noch ist der Berliner Congreß in gutem Andenken, der in so hochherziger Weise die Gleichstellung aller Religionen in den Douauländern decretirte, sich aber schließlich mit dem geraden Gegentheile begnügte. In den nächsten Monaten — der wirkliche Termin ist noch nicht festgcsteÜt — soll zu Madrid eine Conferenz von Vertretern der europäischen Staaten mit Hinzuziehung marokkanischer Gesandten stattfinden, um über die ans Juden in Marokko auszuübende Protektion und vielleicht über die ganze Protektionsfrage zu verhandeln. Die Sachlage ist folgende. Wenn schon in allen civilisirten Staaten Gesandte, Bevollmächtigte und Consulen von jedem Staate unterhalten werden, um nicht blos die politischen und! commerziellen Beziehungen zu pflegen, sondern auch im Nothfall die eigenen Unterthanen im fremden Lande zu schützen, so ist letzteres in halbcivilifirten Staaten um so nothwendiger, und es hat sich hier ein Protektionsrecht ausgebildet, das in mehrfacher Beziehung auch die Jurisdiction über diese nationalen Schützlinge einschließt. In jenen halbcivilifirten Ländern kam es denn auch häufig vor, daß sich die mißhandelten Juden, wenigstens theilweise, in den | Schutz einer freundlichen fremden Macht begaben und als schutzberechtigte Unterthanen derselben betrachtet wurden. Hierzu kam, daß bei besonderen Verfolgungen und Gewaltthaten die Vertreter der fremden Mächte überhaupt für die Verfolgten eintraten und ihren Einfluß geltend zu machen suchten. In der Natur der Sache lag es, daß dieses ganze Verhältniß höchst unbestimmt war und sich zwischen ungewissen Grenzen bewegte. Es kam einerseits auf das Jntereffe an, welches die Regierung eines Staates und persönlich dessen Vertreter an einem Vorgänge nahm, so wie andrerseits aus die Autorität, die dieser Staat besaß. In dem schlecht regierten, von Parteien zerwühlten Marokko, in welchem die Gouverneure der Provinzen, ja die Häupter jeder Stadt eigenmächtig schalten und statt Gesetz und Recht Willkür und Tyrannei herrschen, gehören leider die traurigsten Fälle zu den täglichen Erscheinungen, und jüngst waren, wie auch wir berichteten, empörende Grausamkeiten an Juden verübt worden. Einige europäische, insbesondere aber der amerikanische Vertreter, erhoben lebhafte Proteste, ohne daß dies jedoch den Lauf der Gewaltthaten hemmte. Nun strebt 17