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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-20 · Heft 16 (20.4.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 16 (20.4.1880)
Date
1880-04-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2*/» Bogen. Preis I Vierteljährig 3Mark. Inserate werden I mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. »5) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp soll in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. 1. Philipp loa in Bonn: hinsichtlich der Jmerate an R. Masse in Leipzig und deffcn Filiale» in Berlin, Breslau :c. Zalcrale, welche bis voaacrslag eingehen, sinden in der darauffolgenren Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 20. April 1880. No. 16. Inhalt. Lciteude Artikel: Eine Betrachtung. — Der Bildungstrieb in den Juden. Aeituugsuachrichteu: — Deutschland: Berlin, Vom Rhein, Bona. Frautfurr a. M, Hamburg. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: New 2)ork. — Bonn: Notizen. — Vom Rhein: Literarische Notizen. — Feuilleton: Michel Levy von George Sand. — Ein kleines Bild aus dem Stilleben deuijcher Juden. ÖUlikct. Bonn, 14. April. Eine Letrachtuag. Wir haben vor Kurzem des soeben erschienenen ersten Bandes der „Geschichte des Preußischen Staatswesens vom Tode Friedrichs des Großen bis zu den Freiheitskriegen," welche der Professor Dr. Martin Philippson (Leipzig, Beit L Comp.) veröffentlicht, Erwähnung gethan. Wir kommen auf dieses Werk zurück, weil sich an die Lectüre deffelben für uns eine Betrachtung knüpfte, die uns immerhin nicht ohne Bedeutung erscheint. Das genannte Geschichtswerk behandelt im ersten Theile nach einer Uebersicht des Standes und der Berhältniffe, in welchen Friedrich II. das preußische Staatswesen zurückließ, die Wandelungen im Geiste und den Einrichtungen des Staates, welche der seinem großen Vorgänger so feindlich gesinnte Friedrich Wilhelm II. unter dem Einfluffe seiner Günstlinge und Rathgeber, chcsondlrs Wöllner's und Bischofswerder's vornahm, die Anfangs von einem wahrhaft reformatorischen Geiste beseelt waren, jedoch bald in das Gegentheil umschlugen. Indem nun alle diese gesetzgeberischen Acte in ihrem ganzen Verlaufe und aus welchen Motiven und oft aus welchem Jntriguenspiel sie hervorgegangen, sorgfältig nach den Dokumenten in den verschiedenen Archiven und allen vorhandenen Zeugnissen geschildert werden, ergiebt sich uns folgende Ansicht. Unwillkürlich nämlich streift unser Blick von dem, was wir hier aus den Jahren 1786 bis 1792 erfahren, aus die Vorgänge der Gegenwart, auf die Fragen, welche heute unsere Staatsmänner, unsere Gesetzgeber, uns Alle beschäftigen. Da zeigt sich nun, daß es Fragen giebt, welche vor einem Jahrhundert das Staatsleben auf's Lebhafteste beschäftigten, deren Lösung damals versucht ward, die sich durch die ganze fernere Entwickelung des Jahrhunderts ziehen, und die dennoch auch heute noch als ungelöst, als trotz der veränderten Berhältniffe noch wenig vom Platze gerückt, betrachtet werden müssen — dann aber andere, welche damals eben in der Luft zu schweben anfingen, in der Jetztzeit aber völlig gelöst und dauerhaft entschieden sind. Zur ersten Claffe gehören insonders zwei: das Finanz- und nationalöconomische System und das Verhältniß der Scbule zur Kirche und zum Staat. Ob directe oder indirecte Steuern, ob Freihandel oder Schutzzoll, ob und welche Einfuhr-, Ausfuhr- und Transitzölle, ob Staats- oder allein Privat-Jndustrie, ob vorzugsweise die Landwirthschast oder die Industrie zu berücksichtigen und zu begünstigen sei, ob, wie man jetzt sagt „die nationale Arbeit" geschützt oder die Concurrenz mit dem Auslande ausgenommen werden soll — alle diese und hundert ähnliche Fragen standen auch damals im Vordergründe, wurden durch entgegengesetzte Parteien in gegnerischer Weise beantwortet, discutirt, zum Gegenstand vielfältiger Jntriguen gemacht und schließlich durch das augenblickliche Bedürfniß für die nächste Zeit entschieden. Noch bestimmter standen sich die Parteien auf dem religiösen Gebiete gegen- 16

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