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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-04-06 · Heft 14 (6.4.1880) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 14 (6.4.1880)
Date
1880-04-06
Page
Seite 218 (sequence 10)
Language
German
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_21 es galt, ihn ganz und voll durchzusuhren, zunächst nur aus den Religionsunterricht der beiden herrschenden Confessioncn. — Jetzt ist es mit dieser Strömung überhaupt ziemlich zu Ende, und die Religionsschule stände wieder denselben Verhältnissen gegenüber, unter denen sie entstanden ist, wenn nicht inzwischen noch der Umstand hinzugekommen wäre, daß viele (?) städtische Vertretungen den jüdischen Rcligions unterricht von der Schule wollen getrennt wissen, weil sie den Religionsunterricht überhaupt nicht sür einen Gegenstand der öffentlichen Schule erachten und hierin nicht mehr thun wollen, als sie müssen. Der einen Auffassung ist die Schule zu consessionell, als daß der jüdische Religionsunterricht in ihr Raum hätte, der andern ist die Schule zu weltlich dazu. So werden wir von beiden entgegengesetzten Seiten auf die Religionsschulc hingewicscn, die das heilige, aber schwierige Werk der religiösen Ausbildung unserer Jugend freudig und voll Zuversicht übernehmen könnte, wenn alle dabei betheiligten Faetorcn mit gleicher Hingebung bestrebt wären, den Mängeln abznhclfcn, die einer in Bezug aus Zeit und Leistungen so sehr von andern Schulen abhängigen Anstalt unvermeidlich anhaften." Leipzig, 21. März. (Privatmitth.) Der deutsch israelitische Gcmeindebund erläßt eine Einladung zum dritten ordentlichen Gemeindetage, der zu Leipzig Sonntag den 11. April Vormittags 10 Uhr in der Synagoge stattfinden soll, zu welchem bereits die Tagesordnung festgestellt ist. — In einem Circularschreiben fordert der Ausschuß dieses Bundes die Vorsteher und die Prediger der Gemeinden auf, so viel wie möglich mit Wort und That dahin zu wirken, daß sich von der, die Schule verlaffcnden Jugend so viele wie möglich dem Handwerkerstande widmen. Außer den hierbei wirksamen Motiven macht er auch aufmerksam darauf, daß durch die neueste Gesetzgebung der Hausir-Handcl und das Wanderlagerwefcn so gut wie lahm gelegt würde, so daß auch die materiellen Jntereffen es erfordern, die Jugend möglichst vom Ergreifen solcher Gewerbe abzulenken. Oesterreich Ungarn. Pest, 8. März. Daß die im ersten Leitartikel Nr. 9 ausgesprochenen Ansichten über die Einwirkung Oesterreichs zur Herbeiführung des gegenwärtigen Zustandes in Rumänien der Wahrheit entsprechen, dafür giebt einen abermaligen Beweis die folgende Correspondenz der »Köln. Zeit." aus Pest: „Tie rumänische Regierung hat dem gemeinsamen Ministerium des Acußeren in Wien in förmlicher Weise ihren Dank abstatten lassen für die guten Dienste, welche die österreichisch-ungarische Diplomatie dem Fürstenthum bei der Erlangung der Anerkennung seiner Unabhängigkeit geleistet hat; außerdem ist es eine Thatsache, daß die Stimmung in Rumänien sich im allgemeinen sür Oesterr.-Ungarn günstig gestaltet." Pest, 12. März. (Der Lehrer als Ackerknecht.) Im Tißahöler Bezirk des Heveser Komitats hat in letzter Zeit die Behörde die Schließung der Winkelschulen angeordnet. Um diese Verordnung zu umgehen, hat ein Israelit zu Bercgh - Ujfalu seinen Hauslehrer für seinen Ackerknecht ausgegeben. Unter diesem Titel hat der Lehrer als solcher weiter fungirt. Doch ist dieser Vorgang schließlich an den Tag gekommen. Wien, im März. (Privatmitth.) Der 37. Jahresbericht des Wiener „Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", der soeben ausgegeben worden, wird wohl ein besonderes Interesse unter den gegenwärtigen Zeitumständen im Auslande haben. Es sind nicht blos die Gegner, sondern auch die Freunde der Juden, welche oft die wirklichen Verhältniffe gar nicht kennen, und doch, jene mit ihren Vorwürfen, diese mit ihren Rathschlägen bei der Hand sind. So ist neuerdings die Forderung gestellt worden, Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den Juden zu bilden, ohne zu wissen, daß es dergleichen viele und wirksame giebt. Freilich wäre dieses Wißen unschwer zu erlangen. Aber die Juden selbst halten zehnmal eher die „Gartenlaube", „lieber Land und Meer" u. dgl. als bewährteste jüdische Zeitschriften, kommen dann Angriffe, ^o sind sic wehrlos, weil sic das nöthige Material zur Abwehr nicht haben. Der obige Jahresbericht ist um so erfreulicher, als er erweist, daß nach 37jähriger Wirksamkeit diese immer noch im Wachsen begriffen ist, so daß die Zahl der Handwerkslehrlinge, die der Verein unterstützt, im verstoßenen Jahre größer als je war, nämlich 422; 34 mehr als im verflossenen. Es wurden 138 neu ausgenommen und 78 hatten ihre Lehre vollendet. Auch den oft gehörten Borwurf, daß die Juden vorzugsweise leichtere Handwerke lernen, widerlegt die dessallsige Tabelle des Berichtes aufs Gründlichste. Nach dieser sind z. B. unter 422 gegenwärtigen Zöglingen kein einziger Schneider, wohl aber 20 Bäcker, 20 Drechsler, 84 Schlosser, .'>8 Schumacher, 37 Tischler u. f. f. Die Einnahmen des Vereins betrugen fl. 9528, worunter hervorzuheben st. 8l>7 Rückvergütungen. ' Die Ausgaben fl. 9544, also ein geringes Defizit. Das Vermögen des Vereins beträgt etwas über fl. 50,000. Jedermann wird mit Befriedigung den folgenden Satz aus dem Berichte lesen: „Ziffern sind beredte und überzeugende Beweismittel, es kann somit das abgelaufene Verwaltungsjahr in seinen Leistungen als besonders erfolgreich betrachtet werden. — lind eben jene Ziffern liefern den Beweis, daß in unserer Wirksamkeit der beste Schutz gegen Verarmung und Bettelei j gegeben ist. Heute ist der jüdische Handwerker in allen j größeren Orten unseres Vaterlandes zu finden. Seinen Mit-

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