Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1880)
- Date
- 1880-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2*7* Bogen. Preis I Kierteljabriq »Mart. Inserate werden l mit 20 Pf. für die Petitleile oder deren ] Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. i»5>) und Buchhandlungen nehmen! Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhUippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redaerioncllen Angelegenheiten ' wende man sich an l»r. k. Plulipplon in Bonn: hinsichtlich der Inlerare an R.! | Masse in Leipzig und dessen Filialen , in Berlin» Breslau :c.!! Znlerale, welche bis Vonarrrrag eingehen. finden in der darauffolgenden Rümmer 1 Berücksichtigung | Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Zuhrguug. Leipzig, den i>. dlpril 1380. JVo. 14. Inhalt. Leitende Artikel: Eine neue Propaganda gegen das Judenlhum. I. An Peßach. — Verhandlungen im ungarischen Aog? ordneteuhause. — Der Choral in der Synagoge. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Breslau, Frankfurt a. M. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Wien, Prag. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Marokko: Aus Marokko. — Feuilleton: Jsaac Goldstein am 29. Sept. 1879 von den Indianern gelödtet. G; li f;cf. Bonn, 31. März. (Eine neue Propaganda gegen das Juden!hum. i. An Peßach. Unsere Zeit ist ernst. Auf allen Gebieten ist die Existenzfrage nicht blos angeregt, sondern Gegenstand heftiger Kämpfe geworden. Alte? und Neues streitet um sein Dasein, und welthistorische Erscheinungen, die in mannigfacher Form und Entwickelung die Jahrtausende bestanden haben, werden nicht allein um das Reckt ihrer Fortexistenz befragt, sondern es wird selbst ihre Vernichtung erstrebt, ihre Beseitigung verlangt. An kräftiger Abwehr fehlt cs ebenso wenig wie an energischem Angriff. Da ist es denn nicht Zeit zu vertuschen und zu verdecken, sondern man muß den Dingen gerade ins Auge schauen; man darf weder nach rechts noch nach links um eine theilweise Gunst buhlen, hinter der doch nur die scharsgcspitzte Waffe lauert, muß vielmehr seinen Standpunkt unumwunden einhalten, von welchen Seiten er auch angegriffen werde. Denn das Eigenthümlichste unsrer Zeit besteht darin, daß Prinzipien in starrester Weise zur Alleinherrschaft gebracht werden sollen, und daß deshalb die Parteien die Begrenzung, die für jedes Prinzip in der Natur der Dinge selbst liegt, nicht anerkennen, so daß der Wahrheit und dem Rechte durch diese Einseitigkeit der größte Nachtheil zugefügt, die Freiheit illusorisch, und eine Verständigung unmöglich gemacht wird. Seit seinem Entstehen ist das Judenthum zu aller Zeit von Feinden umgeben gewesen, welche es aus der Welt schaffen wollen. Während des ersten Bestandes in Palästina brach das Heidenthum immer wieder in Israel ein, um die Gotteslehre zu verdrängen und nicht selten mit großem Erfolge. Um den zweiten Tempel erhoben sich blutige Kriege, in welchen zuerst das Judeuthum den schon aufgestellten Jupiter wieder vom Altar stürzte, dann aber sein Heiligthum vor der goldenen Säule des römischen Imperators in Trümmer sinken sah. Nach dem Ausstande des Barcochba wollte der römische Kaiser durch das Verbot aller religiösen Ceremonien und des Studiums der Thora das Judenthum ausrotten, um die Juden in die Gesammtheit der Völker aufgehcn zu lassen. Von dem Augenblicke an, wo das Christenthum zur Staatsreligion wurde, wandte es sich gegen das Judenthum, um cs gleich dem Heidenthume zu erdrücken. Durch mehr als 15» Jahrhunderte wurden alle Mittel angewandt, um das Ziel zu erreichen. Die äußerste materielle und geistige Aus schlicßuug wie die blutigste Verfolgung wurden ebenso hierzu ins Werk gesetzt, wie alle Art Verlockung und Belohnung. Tenn mit der Taufe konnte jeder Jude sich von aller Mißhandlung und Beschränkung befreien, und erhielt möglichste Förderung. In friedlicheren Zeiten verwendete man Millionen aus die Bekehrung und schickte zahlreiche Sendlinge, zum großen Theile aus den Söhnen Judas selbst geworben, aus. um die Juden zum Verlassen ihrer väterlichen Religion zu 14