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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-23 · Heft 12 (23.3.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 12 (23.3.1880)
Date
1880-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Cm unparteiisches Orgm für alles jüdische Interesse. > Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in L bis 2*/» Bogen. Preis I Vierteljährig 3 Mart. Inserate werden! mit 20 Pf. für die Penizeile oder deren Raum berechnet. Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. 95) und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipplon in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. In rcdactionellen Angelegenheiten | wende man sich an Or. 1. Philipplon in I Bonn; hinsichtlich der Jnierate an R. | Moffe in Leipzig und deffeu Filiale« > i« Berliu. Breslau rc. Inleratc, welche bis Donnerstag eingehen. finden in der darauffolgenden Rümmer Berücksichtigung. 44. Jahrgang Leipzig, den 23. März 1880. JVo. 12. Inhalt Leitende Artikel: Die Streitschriften. V. — Literarischer Wochenbericht. Altes im neuen Gewände. II. — Heituuasuach richten: Dentichland: Berlin, Aachen, Sperenberg, Stuttgart, Karlsruhe. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Serbien: Mich. — Bonn: Notizen, Ltterarische Notizen. — Gothenburg: Literarische Notizen. — Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Crermeux' Geburt. 3 ~ci tc'ttc'c Q: tlliot. Bonn, 17. März. Die Streitschriften. V. Schon als die Polemik gegen die deutschen Inden, welche die Gegner mit dem Worte „Judenfrage" bezeichnen, heftiger zu werden begannen, drückten wir unser schmerzliches Bedauern aus, daß jene den Franzosen eine willkommene Gelegenheit bieten werde, über die Kleinlichkeit und Engherzigkeit der großen deutschen Nation zu spotten, namentlich darüber, daß sie sich und ihre^Nationalität von der Hand voll deutscher Juden gefährdet, wenn nicht schon tief geschädigt glaubt. Es ist dies sattsam in Erfüllung gegangen. Wir haben über die Arttkel des Journal des Debats berichtet und unsren Pariser Correspondenten über die ausführlichen Artikel des Temps, der Republique fran^aise, des Figaro reseriren lassen. Hierzu gesellt sich nun ein beachtenswerther Aufsatz ,La question des Juifs en Alleinagne“ in der Revue des deux Mondes vom 1. März. Er ist von Balbert verfaßt, wie der bekannte Romancier Cherbuliez seine politischen Artikel in dem gedachten Jonrnal unterschreibt. Cherbuliez ist weder ein tiefer, noch ein weitsichttger Polittker; aber er hat gesunden Menschenverstand, besitzt eine ziemliche Kenntniß der deutschen Literatur und Zustände und schreibt ebenso witzig wie elegant, so daß auch seine politischen Arbeiten den Leser fesseln. Für uns haben daher seine Aeußerungen über den beregten Gegenstand die besondere Wichttgkeit, daß sie uns die Stimmung der Franzosen in dieser Angelegenheit am sichersten kundthun, da sie nicht wie die Correspondenzen der angeführten Blätter in Berlin geschrieben sind, sondern die Ansichten einer französischen literarischen Autorität in Paris selbst unmittelbar kundgeben. Wie bereits die Stellung der Franzosen in dieser Angelegenheit von uns charakterisirt worden, so läßt sich auch Valbert nicht auf eine Widerlegung der, von den deutschen Pamphletisten erhobenen Beschuldigungen ein, aber er stempelt sie als Uebertreibungen, und was von diesen wahr sei, wäre der verdiente Lohn für die lange Mißhandlung der Juden in Deutschland, das sich erst vor zehn Jahren zur wirklichen Gleichberechtigung habe aufschwingen können. Ueber die Extravaganzen nun ergießt er seine Ironie, indem er wiederholt aus das Wort Stöcker's: „45,000 Juden in Berlin (unter 1,100,000 Einwohnern) seien zu viel", und auf das Treitschke's: „die Juden sind unser Unglück" (eine halbe Million unter 43) zurückkommt, und sie als ein Armuthszeugniß der geisttg wie materiell so mächttgen Nation vorhält. Geben wir einige Worte aus den ersten Seilen wieder: „Das unglückliche Wort Stöcker's „Das ist zu viel" hat dert Sturm entfesselt und das Signal zu einem schrecklichen Federkriege gegeben. Broschüren folgen auf Broschüren; die heftigen Anklagen riesen lebhafte Repliken hervor, gefolgt von Dupliken und Tripliken, und die Jnvecttven kreuzen sich in der Lust. Alle Welt mischt sich hinein, Pastoren, Journalisten, Liederdichter, dramatische Schriftsteller und selbst 12

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