Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-02-24 · Heft 8 (24.2.1880) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 8 (24.2.1880)
Date
1880-02-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227294--37835-3307014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Zeilun "Allgemeine des Em miMtcrischcs Organ für Ms jüdische Interesse.! . , Diese Zeitung erscheint wöchentlich!! einmal in 2 diS 2'/- Bogen. Preis '! BierreliLdrig s Mark. Inserate werden! I mit 20 Pf. für bte Petitzeile oder deren : Raum berechnet. | All« Postämter und Buchhandlungen I nehmen BesteNunge» an. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag vori Baumgartners BuLhandlung in Leipzig. Beilagen werLen mit 12 Mark berechnet. In redactienellen Angelegenbeiten :rende man sich an I>5. L {IbilippTon in Bonn: hinsichtlich der Inserate -nS. ' Masse in ecivjig und dessen Filialen , in Berlin. BrcSlau :c. Jiisecate, nelche bis vonnerrlag eingehen, finden in der darauffolgenden Nummer : Berücksichtigung. 44. Jahrgang. Leipzig, den 24. Februar 1880. Jß 8. Inhalt. Leitende Artikel: Jfaac Adolph Crömieux. — Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhaus?. — Zeitungsnachrichten' Deutschland: Bonn, Berlin. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Italien: Aus Oberitalien — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Aus Altägvpten. II. — Vermischtes: ^lur Geschichte der Juden in England. ° Seiten CXiiiileX. Bonn, 1*. Februar. Äsaac Adolph Lremieur. Frankreich hat einen Mann verloren, welcher zu der auserlesenen Schaar Derer gehörte, die auf die Geschicke dieses Staates während des letzten halben Jahrhunderts den bedeutsamsten Einfluß übten. In allen Krisen, welche in diesem Zeiträume die französische Nation trafen, trat Cremieux unter Denen hervor, welche auf die Zukunft derselben und ihre Gestaltung entscheidend einwirkten. Aber auch abgesehen von diesen kritischen Momenten, war Crremieux ein consequent! treuer Verfechter der liberalen Richtung in seinem Vaterlande, i Das Judenthum hat einen Mann verloren, der in seiner Stellung und Wirksamkeit seinesgleichen seit der spanischjüdischen Epoche nicht hatte, und wie er vielleicht in langer l Zeit nicht wieder erscheinen wird. Denn während er durch I seine glänzende Begabung und seine unermüdlichen Anstren-! gungen die höchsten Remter im Staate und den bedeutsamsten! Einfluß erlangte, hat er, nicht vorübergehend, sondern durchs sein ganzes öffentliches Leben hindurch zu Gunsten der Rechts-1 und Culturverhältniffe seiner Glanbensgenoffen gewirkt und' seine Autorität dafür verwendet. Diese Vereinigung zweier, allerdings sich nicht widersprechenden, aber so selten mit ein-j ander eng verbundenen Bestrebungen, macht den Werth und j das Verdienst Cr«'mieur' aus und seinen Verlust für uns unersetzlich. Er war ein Mann der idealsten Auffassung: für das französische Volk die möglichste gesetzliche Freiheit, für die Juden das volle Eingehen in das nationale Leben, in die allgemeine Cultur und die unbedingte Gleichberechtigung. Nicht etwa für Vorrechte, nicht etwa für materielle Interessen, nicht etwa für irgend eine äußerliche Zusammengehörigkeit der Juden kämpfte er und trat er mit ganzer Kraft ein, sondern allein für ihre politische, sociale und civilisatorische Gleichstellung mit ihren Mitbürgern jeder Nation. Während er daher als Bürger und Staatsmann mit ganzem Herzen an Frankreich hing und mit jedem Blutstropfen ihm gehörte, faßte er die Lage der Juden in allen Theilen der Erde zusammen und glaubte, daß sie nach dieser Seite hin ihre Kräfte für die Förderung ihrer Glaubensgenossen in allen Erdtheilen zu verwenden hätten, damit die Culturbildung der Juden auch in den entfernten Ländern gehoben und das Princip der Gleichberechtigung, auch wo dieses noch nicht anerkannt sei, verwirklicht würde. — Diesen Mann haben wir jetzt, wenige Tage nach dem Hinscheiden seiner Gattin, durch den Tod verloren. Worte der Trauer darüber auszusprechen, wo sie in zahllosen Gemüthern so tief empfunden wird, wäre überflüssig, noch überflüssiger der Bewunderung und Verehrung Ausdruck zu verleiben, die wir, wohl mit allen unsren Glaubensgenossen, dem großen Todten widmen. Er«'mieux war am 30. April 1796 zu Nimes geboren, hat also beinah das 84. Lebensjahr vollendet, während seine Gattin, mit der er die goldene Hochzeit zu feiern das Glück gehabt, das 80. Lebensjahr erreicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.