Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1880)
- Date
- 1880-02-03
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 sich auch des Unterrichts bemächtigte, und hier zu einer systematischen, zuletzt auch zu einer wissenschaftlichen Bearbeitung durchgeführt wurde. Denn einerseits waren es die ultramontanen Hetzcapläne, welche seit Jahren die Beschimpfung gelangte. — Während so die jüdische Gotteserkenntniß, zu--, und Verleumdung der Juden systematisch — die „Germania" gleich gereinigt von mancherlei Zusätzen, welche seit den Tagen j sagt dies selbst — betrieben und hierin eine Zeitlang von der des babylonischen Exils bis zu unserer Zeit sich ihr eingefügt! ultramontanen Presse aller Länder unterstützt wurden. Andererbatten, wieder ihre volle Geltung als eine feste religiöse! seits waren es Berliner Pastoren, welche Berlin zum Schau- Ueberzeugung erlangte, wurde die Ansicht Mendelssohn's auch i platz dieses unwürdigen Spieles machten, und die Ankläger von einer anderen Seite her verdrängt. Der Eintritt in das! spielten. Ein anderer Pastor übernahm die Vertheidigung, volle bürgerliche Leben und in den allgemeinen Verkehr, sowie die freiere Geistesrichtung, die aus der höheren Bildung entsprang, lockerten in fortschreitendem Maße das Band, welches durch das Ritualgesetz bis dahin die Juden so eng umschlossen hatte. Hierzu kam nun die frische Entfaltung der Geschichtsforschung. Dieselbe zeigte dem unbefangenen Blicke, daß das und jetzt tritt ein Dritter als Vermittler auf. Aus dieser Beobachtung möchte wohl der Schluß sehr nahe liegen, daß das treibende Motiv zur ganzen Aufregung doch wesentlich der religiöse Fanatismus sei. Auch dies drängt sich auf, daß wir im ultramontanen Lager eine Einheit, eine Solidarität der engsten Art, eine Geschlosienheit, die nicht die geringste Spalte jüdische Gesetz durchaus keine unveränderliche Gestalt, sondern! bietet, bemerken, während sich die protestantische Freiheit auch einen sehr reichen und bewegten Entwicklungsgang gehabt; sie darin bewährt, daß eben die Herren Pastoren völlig auseinzeigte es in der Vorsinaitischen und mosaischen Periode, in der; andergehen, obschon die hierbei aufgetretenen in strenger Epoche der Propheten, in der vor- und nachexilischen Zeit, in' Gläubigkeit völlig einig sind. Wie dem auch sei, wir begrüßen der mischnischen und in der gemaristischen Entfaltung, und in! die als „Ein Friedenswort zur Judensrage" von Pastor der rabbinischen Ausfüllung, unter dem Einfluß des Opfer- B. Grub er (Reichenbach i/Schl., Heege & Güntzel, 1880) cultus und unter dem des Gebetcultus. Hier überall gab sich; veröffentlichte Schrift mit voller Genugthuung und wünschen ein Entstehen, Fundamentiren, Ausbilden, Verändern, Umihr nach dem Worte unsres Kronprinzen die weiteste Verwandeln und Fixiren kund, ein großer, geschichtlicher Proceß ' breitung. Gerade daß Pastor Gruber ein aufrichtig gläubiger mit sich wandelndem Inhalt und veränderlichen Formen. Aus i Christ ist, ein ganzer christlicher Theologe, dem Niemand vorallen diesen Momenten erstand die thatsächliche und ideelle Reform; werfen könnte, daß er auch nur ein Titelchen seines Christendes Gesetzes als eine Fortsetzung dieser langen geschichtlichen! thums aufgegeben, verleiht feinem Schristchen eine besondere Entwicklung unter den ganz veränderten Lebensumständcn und Bedeutung und Wirkung, wenn wir auch deshalb auf relineuen Anschauungen. Daß diese Neugestaltung in Wesen und giösem Gebiete im Gegensatz zu ihm stehen. Denn diesmal Erscheinung nicht ohne innere Kämpfe vor sich ging und geht, können unsre Gegner nicht sagen, daß nur die „glaubenslose versteht sich von selbst. Wir brauchen dabei durchaus nicht Humanität", die „gottlose Aufklärung" die Vertheidigung der an persönliche und egoistische Motive zu denken. Das Gewicht Juden, die Forderung des allgemeinen Rechts übernehme: sie des historisch Bestehenden, das durch allgemeine Anerkennung haben hier einen glaubenssesten Prediger vor sich, der aus den viele Jahrhunderte hindurch vollberechtigt gewesen, und die: Tiefen des Christenthums, aus dem vollen Schatze seiner Kraft der Forderungen, die ein neues Leben und ein neuer Mysterien, aus der Schrift heraus Liebe und Duldung Geist stellen, gerathen von selbst im Individuum wie in der! als das erste Gebot geltend macht und sich eine Freiheit von Gesammtheit in Widerstreit, der nur allmälig zu einer Aus- Vorurtheilen und Gehässigkeiten bewahrt hat, die ihn auch die gleichung führt, immer aber der Entwicklung und Vertiefung Wirklichkeit in klarem Lichte sehen läßt. Geben wir eine kurze dient. Jndeß haben wir an dieser Stelle den Gang der Analyse des Schriftchens Der Verfasser drückt zuerst seinen Reform nicht zu verfolgen und tuenden uns vielmehr zum Abscheu vor der jetzt aufgeworfenen „Judensrage" aus und vor der Art, in der sie betrieben wird. Er nennt sie ein häßliches Wort, denn es erinnert uns unwillkürlich an Zeiten, die ein für alle Male der Vergangenheit angehören sollten, an jene Ausbrüche des religiösen Fanatismus, der in Aberglauben wurzelnd, „zur Ehre Gottes" seine Opfer haben mußte. Dann erinnert er an die Gefahren, welche daraus entstehen können. Er sagt: Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß die in der „Die Möglichkeit, daß Ideen, welche heute noch in den jüngsten Zeit herrschende Wühlerei gegen die Juden - ab- Köpfen der „oberen Zehntausend" Hausen, auch in die niederen gesehen von den diis miuorum gentium und dem einen Schichten des Volkes hinabsickern und dort, wo die Fäuste Geschichtsprofeffor — von Geistlichen in Scene gesetzt und schnell das Denken überflüssig machen, in rohe Gewaltthaten Kampfe um die Gotteserkenntniß in unsren Tagen (Schluß folgt.) Pastor S. Gruber, „Christ und Israelis