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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-01-20 · Heft 3 (20.1.1880) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 3 (20.1.1880)
Date
1880-01-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse.! Dirke Zeilung erscheint wöchentlich! einmal in S di» S'/, Bogen. Brei» Bierreljä-rig S Mark. Inserate werde« / mir 20 Pf. für die Pelirzeile oder deren! Raum berechnet.! Alle PoNämrer und Buchhandlungen »ehmeu Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lv-wig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactiouellen Angelegenheiten »ende man sich an Itr. £. Philipps»» in Bonn; hinsichtlich der Inserate a» Hl. , Möge in Leivrig und dessen Ktlialen in Berlin. BreSla« :c.; 3»fttaU, welche bi» v«»»«»l»g eingehen. finden in der darauffolgenden Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 20. Januar 1880. Jß 3. Inhaß. Leitende Artikel: Die getauften Juden. — Lazarus über Nationalität. — Die Reform des Synagogengesanges. — Ieitunqsnackrichter«: Deutsch land: Berlin, Breslau. Aus Württemberg, Hamburg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. i?eU:eM<>e (f£xtiiief. Bonn, 8. Januar. Die gelausten Juden. Bereits vor vierzig Jahren warnten wir die Kirche vor jener Proselytenmacherei, welche wenig nach der wirklichen Ueberzeugung ihrer Neophyten fragt, sondern die religiöse Gleichgültigkeit, oder die damals drückenden Verhältnisse nicht weniger Juden benutzte, um sie zu sich herüberzuziehen. Denn einerseits wurde den Getauften von hoher Stelle ein ansehnliches Pathengeschenk verabreicht, andererseits waren die Juden in der Niederlassung sehr beschränkt und von allen öffentlichen Laufbahnen ausgeschloffen, während sie durch die Taufe die volle bürgerliche Freiheit und Rechtsgleichheit erhielten. Wir warnten die Kirche, weil sie auf diesem Wege eine Menge sehr laxer oder geradezu negirender Elemente in ihren Schooß aufnahm, die den kirchlichen und sogar den religiösen Jndifferentismus fördern und ausbreiten möchten. Wir sagten aber auch den getauften Juden voraus, daß sie durch ihren Uebertritt noch lange nicht dem Vorurtheil, ja der Gehässigkeit entgehen würden, die man gegen die Juden so empfindlich hege. Dies würde durch ihre vergrößerte Zahl wachsen und ihnen mit der Zeit recht fühlbar werden. Beide Warnungen haben sich mit der Zeit als richtige Voraussetzungen bethätigt. Was die erster« betrifft, so liegt sie außerhalb unsrer Betrachtung. Die zweite aber ist in diesen Tagen als eine reale Erscheinung so entschieden hervorgetreten, daß wir bei ihr eine Zeitlang stillzustehen uns veranlaßt fühlen. — Seitdem das Nationalitätsprincip mit großer Energie sich zu einem treibenden Motiv in der Politik und im Volksleben erhoben hatte, kam bei französischen und deutschen Gelehrten auch der Racenschwindel in Aufnahme. Das Rubriciren ist nun einmal eine Lieblingsbeschäftigung der Doktrinären. Die Verschiedenheit der indogermanischen und der semitischen Sprachen führte zu eifriger und konsequenter Trennung der arischen und der semitischen Völkerstämme. Man setzte die Geschichte und die innerhalb derselben durch die historischen Ereigniffe und Verhältniffe bewirkten Veränderungen, Durcheinanderschüttelungen, gegenseitige Bildungseinflüffe und selbst klimatische Einwirkungen in neuen vieltausendjährigen Sitzen hintenan, und wollte in jenen beiden großen Racen psychische und intellektuelle Verschiedenheiten und Gegensätze herausfinden und formuliren. Freilich kam man mit letzterem auch zu Stande, und als die Geschichte die offenbarsten und begründetsten Einwendungen und Widersprüche erhob, versagte man ihr lange das Gehör. Zuletzt kehrt die Wissenschaft von ihren Irrfahrten immer wieder zurück. Unterdeß sind aber die Vorurtheile in den großen Haufen eingedrungen und es währt Jahrhunderte, bevor sie aus diesem wieder entfernt werden können. Da hatte man denn gefunden, was man lange vergebens gesucht hatte. Die Juden waren mit Einem Male Semiten und als solche besaßen sie (nach der Meinung dieser Herren) nicht blos geschichtlich gewordene Eigenschaften aus den Geschicken heraus.

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