Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1880)
- Date
- 1880-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mtlge meine Zeitung des Zudenthums. Ein miparteiischcs Organ für alles jüdische Interesse. m 2 cif x*/t wogen. Drei» Bierreliährig SMark. Inserate werden | / mir so Pf. für die Vetirzeile oder deren : | Ran» berechnet. I Herausgegeben von Rabbiner I)r. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgartner's Buchhandlung iu Leipzig. In redaktionellen Ängelegenheiten! wende man sich an Dr. £. PbUippfon in! Bonn; hinsichtlich der Inserate >in A. . Masse in 2eiv»ig nuL drsscu Tttinlrn : in Berlin. Breslau :c. Inserate, welche bis voanerilag einzehen. ' finden in der darausfolgenden Nummer i Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Marl berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 13. Januar 1880. J& 2. Inhsü. Leitende Artikel: Ter Kamps um die ©otteSerlemUnife. II. — Wider Herrn von Treitschke. II. — lleitungsnackrichken: Deutschland: Berlin. — Großherzogthum Luxemburg: Luxemburg. -- Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. Großbritannien: London. — Rumänien: Bonn. — As ghanistan: Teheran. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die deutschen Soldaten jüdischer Religion im deutsch-französischen Kriege 1870—71. (Schluß.) üeileii^e ÖLttiftef. Bonn, 1. Januar. Der Kampf um die Gotteserkeuntuiß. n. Das Heidenthum führte den Kampf gegen das Judenthum, gegen dessen monotheistische Lehre und deren Consequenzen immer nur mittelbar. Nicht gegen dieses selbst richtete es seine Angriffe, um die Israeliten zu bekehren, sondern gegen die Existenz derselben als Volk, gegen deren freien Besitz des Landes. So verhielt es sich nicht blos in den älteren Zeiten, wo die Nachbarvölker oder die ägyptischen, affyrischen und chaldäischen Herrscher Palästina zu unterjochen in das Land einbrachen, sondern auch später. Es hatte sich nämlich die Ansicht ausgebildet, daß zur Anerkennung der politischen Herrschaft seitens der unterworfenen Nationen auch die Huldigung der Götter, die der Herrscher anbetete, gehöre, ja daß erstere sich in der letzteren erst recht repräsentire. Sowie Nebuchadnezar die Völker und unter ihnen die exilirten Juden zwingen wollte, sich vor der goldenen Bildsäule seines Bel niederzuwerfen: so war auch bei Antiochus Epiphanes die politische Machtfrage das treibende Motiv zu dem Vernichtungskampfe gegen die jüdische Lehre und das jüdische Gesetz. Und nicht minder gab den eigentlichen und letzten Beweggrund zum jüdischen Römerkriege das Verlangen der römischen Cäsaren ab, im Tempel auf Morijah sich in goldenen Statuen von den Juden verehrt zu sehen. Den Heiden gegenüber war daher der Kampf des israelitischen Volkes immer von doppeltem Gehalt: ein Kampf um die nationale Existenz und um die jüdische Gotteslehre, um die Religion. Und letzteres Moment trat von den syrischen Kriegen an bis zu dem Ausstande von Bar-Cochba besonders stark hervor. Mit diesem Aufstande aber hörte der active Widerstand seitens der Juden auf und diese batten von da ab bis zur Gegenwart nur einen passiven Kampf zu führen, der jedoch zu Zeilen nicht weniger von schwerer Gefahr und harter Bedrängniß war. Die beiden Religionen nämlich, die aus dem Schooße des Judenthums erstanden, richteten ihre Angriffe nicht auf die Juden von nationaler Seite, sondern auf das Judenthum, das sie beseitigen wollten. Das Cbristentbum ging unmittelbar aus dem Judenthum hervor u»d trieb seine ersten Wurzeln in der Mitte der Juden selbst, die sich nach der augenblicklichen Strömung bald mehr, bald weniger zurückweisend verhielten. Diese Position war auf die Länge nicht haltbar, und bald trugen die Apostel ihr Religionswerk in die heidnische Welt hinüber. Das Heiden-Christenthum mußte sich schnell in seiner ganzen Gestaltung dem Judenthume entfremden, und nachdem es so sich in nicht wenigen Zügen zum Gegensatz des Judenthums herausgebildet, stand es nicht an, die Juden zu bekämpfen und sie bekehren zu wollen. Eine Zeit lang wurden die Stteitigkeiten heftig geführt, gelangten jedoch nach und nach zu einem andern Ergebniß. In den Ländern, wo es den Christen nicht gelang, eine politische Rolle zu spielen, bestanden