Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1880)
- Date
- 1880-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227287--37716-3306882- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unpartciischcs OrgM für Mes jüdische Interesse. Diese Zeitung erscbeint wöchentlich; einmal in 2 bi« 2■/, Bogen. Preis I BierteliLdrig S Mork. Inserate werden l mit -0 Ps. tut die Peiitzeile oder deren : > Stau« berechnet. I 1 ÄUe Postämter und Buchhandlungen j nehmen Bestellungen an. Heraus gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlipplou in Bonn. Verlag von Bauwgärluer's Buchhandlung iu Leipzig. In redactionellelr Angelegeubeitcn i trende man stch an r>r. L. Philipxt»« in Bon»: binnchlliL der Inserate n "II. HKosse in veivri« und dessen »ilinle-«; iu Berlin. Breslau :c. Zustratr, nelLe bisvonnrrrtageingehen. finden iu der darauffolgenoen Sinuinicr Berücksichtigung. Beilagen werden oril 12 Mark berechnet. 44. Jahrgang. Leipzig, den 6. Januar 1880. ^2 1. Inbnü. Leitende Artikel: Zum Beginn des neuen Jahrgangs. — Ter Kampf um die Gotteserkenntniß. I. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Landsberg a. d. Warthe, Berlin, Steele. Leipzig. — Rumänien: Paris, Bonn. — Ru bland: Petersburg. — Bonn: Notizen. — Literarische Notizen. — Feuilleton: Die deutschen Soldaten jüdischer Religion im deutsch-französischen Kriege -lelteuüe CX.x.tl&e£. Bonn, 24. December. 3nra Beginn des neuen Jahrgangs. Wir wollen unsre Leser zum Beginn unsres 44. Jahrgangs nur mit einigen Worten herzlich begrüßen. Wir wünschen und hoffen, daß während desselben der Judenhaßschwindel, der in Deutschland aufgetreten und sich einer Epidemie gleich schnell verbreitet hat, wieder verschwinden werde. Wir würden hierdurch im Stande sein, unsre Kräfte, statt auf beständige Abwehr und Vertheidigung, wieder auf positive Arbeiten, auf die, das innere Gebiet des Judenthums berührenden Fragen verwenden zu können. Abwehr und Vertheidigung! Denn wo wäre Angriff und Provocation auf unsrer Seite wirklich nachzuweifen? Sind wir. doch selbst in der Abwehr und Vertheidigung beschränkt und gewiffe Grenzen einzuhalten gezwungen — gezwungen, weil wir mit dem ersten Schritt auf das eigene Gebiet der Gegner ein so wüthiges Geschrei Wecken und den Anschuldigungen derselben eine scheinbare Rechtfertigung geben würden, daß es räthlicher ist, ihn zu unterlassen. Wenn, um nur ein wenig bedeutendes Beispiel anzuführen, wir dem Vorbild der ultramontanen Preffe, die aus allen möglichen Schriften, selbst ihrer Gegner, von Luther an bis auf Hartmann und Dühring, judengehässtge Stellen heraussuchen und auftischen, wenn wir diesem Vorbilde folgten. und, was doch so leicht wäre, aus denselben Schriften die tiefeinschneidenden Stellen gegen den Ultrarnontanismus und Jesuitismus zusammenstellten, wo dann doch denselben Schriftstellern die gleiche Autorität auf der einen, wie aus der andern Seite zugeschrieben werden müßte — mit welcher Wuth würde man über uns herfallen und dem katholischen Volke zurusen: Da seht Ihr die Feindschaft und den Uebermuth der Juden, so greifen sie unser Heiligthum an und schänden es! Deshalb unterlassen wir dies, vermeiden Alles, was als Angriff und Provocation gedeutet werden kann — wie wir dies immer so gehalten — und beschränken uns daraus, nachdrücklich alle die Beschuldigungen zurückzuweisen, die, Wahngebilde des Haffes und des Vorurtheils, gegen uns erhoben werden. Blicken wir auf die Geschichte, so zeigt sich uns, daß seit langer Zeit in Deutschland jedes Mal, wenn man sich unbehaglich und gedrückt fühlte, ohne die Mittel und Wege in Sicht zu haben, durch welche sich die Uebelstände beseitigen ließen, man sich auf die Juden warf und seinen Unwillen an ihnen ausließ. So 1819 und die folgenden Jahre, als nach den Freiheitskriegen sich eine schwüle Lust in den deutschen Landen zwischen den Regierungen und dem Volke gelagert hatte; so in -der ersten Hälfte der fünfziger Jahre, als die Reaction sich fühlbar und man sich in Spottliedern und Pamphleten auf die Juden Lust machte, bis der Wagner-Gerlach'sche Antrag das Ventil öffnete und das Gas hinausließ. So auch jetzt; ^iber die deutsche Nation wird des Schreiens über ihre jüdischen Mitglieder bald überdrüssig werden, um so-mehr, da ernste Fragen genug vorliegen, die ihre' ganze Aufmerksamkeit in Anspruch