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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-24 · Heft 52 (24.12.1878) · p. Seite 824

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 52 (24.12.1878)
Date
1878-12-24
Page
Seite 824 (sequence 8)
Language
German
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aus dem Judenthume gedrängt worden sind, verdenken, wenn er in dem vorliegenden Falle von Versöhnung nichts hören will? Aus Süddeulschland, 12. December. (Privatmitth.) Sowohl die israelitische Oberkirchcnbehörde für Württemberg, als auch der israelitische Oberrath für Baden, haben an sämmtliche Gemeinden ihres resp. Landes einen Cirkulairerlaß entsandt, nach welchem zur Feier der Wiedergenesung des Kaisers und seiner Rückkehr nach Berlin ein Dankgebet abgehalten werden soll. Slratzburg. (Elsaß), 10. December. (Privatmitth.) Die israelitischen Bewohner des Reichslandes haben bei dem Oberpräsidenten eine Beschwerde erhoben, daß die officiöse Straßburger Zeitung einen Artikel aus der A. A. Z. reproducirt hat, in welchem die Israeliten beschuldigt werden, die Kleinbauern des Elsasies in ein förmliches Netz wucherischer Geschäfte verstrickt zu haben. Die Juden fordern die Beweisführung hierfür, und wenn diese, wie es sicher ist, nicht geführt werden kann, so müsie es einer officiösen, d. h. aus dem Seckel der Steuerzahler erhaltene und mit der Autorität der Negierung versehenen, darum unter einer gewisien Censur stehenden Zeitung nicht gestattet sein, so arge Verleumdungen gegen einen ganzen Theil der Bevölkerung zu schleudern, und dadurch zwischen Dürgerklaffen Haß und Verachtung zu fördern. Man ist natürlich auf die Antwort gespannt, und würde sich unsrerseits mit einer Unterscheidung ztvischen amtlichem und nichtamtlichem Theile nicht begnügen. Es wäre sehr nützlich, wenn die Angelegenheit ausgetragen würde, um doch endlich einmal den Gegnern in eclatanter Weise den Mund zu stopfen. Altona, 10. Dec. (Privatmitth.) Schon seit längerer Zeit schweben Unterhandlungen zwischen der Regierung und der hiesigen Hochd. Israelitischen Gemeinde behufs Reorganisation der Gemeindeschule. Als Ultimatum stellte nun die Regierung Bedingungen, deren Erfüllung für die Gemeinde mit gar zu bedeutenden Lasten verbunden wäre. Da außerdem die Commune Altona ein Gesuch um Subvention der Schule abschlägig beschied, wird wohl aller Wahrscheinlichkeit nach die Schule zu Ostern eingehen. Altona, 13. December. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde wird nichts unversucht laßen, um die Israelitische Gemeindeschule zu erhalten. Um die Kosten zu reduciren, welche die von der Regierung gewünschte Organisation mit sich bringt, wird wohl die Schule von vier auf drei Klasien reducirt werden. — Aus Württemberg. 0. December. ^Privatmitth) In Biberach, einem Städtchen ohne jüdische Einwohner, veranstaltete die dortige Bürgergesellschaft wisienschastliche Vorträge. Den ersten Vortrag hielt Herr Rabbiner Weimann in Buchau und wählte hierzu vor seinem christlichen Auditorium ein Thema, über das trotz der vielen hierüber erschienenen populären Schriften von Deutsch, Stern, Wünsche u. a. noch so viele falsche Ansichten sich zeigen, „den Talmud". Die Versammlung war sehr zahlreich, insbesondere auch von Damen besucht und war dem Redner, der besonders die ethischen und patriotischen Stellen des Talmuds hervortreten ließ, für seine Belehrung sehr dankbar; der Vorsitzende der Gesellschaft gab diesem Gefühle Ausdruck. Unter der jetzt zur Mode gewordenen Agitation gegen den „Wucher haben wir Jsraelien, die von den Gegnern öffentlich mit „Hochzinslern" indentificirt werden, viel zu leiden. In Stuttgart erregte in letzter Zeit der Prozeß des Bankier Hochberger, Mitglied des national-liberalen Gomite daselbst, gegen den Redacteur eines socialdemocratischen Blattes wegen Beleidigung durch die Preffe großes Aufsehen, wobei documentirt wurde, daß ein Stuttgarter jüdischer Bankier, der in seinem vollen Rechte stand, 70<;ü Mark opferte, um das Erscheinen einer Brochüre zu verhindern, die einen „Judenkrawall" erzeugen sollte. Auch in München hat bei der Ersatzwahl der Haß gegen Liberale und Juden den Sieg errungen. Da im dortigen Magistrat und Gemeindecollegium einige Israeliten sitzen und der Zuzug der Israeliten nach München ein enormer ist, so that das Stichwort der vereinigten conservativen und bayrisch-katholischen Partei: „Nieder mit der neuliberalen Juden- Partei!" Wunder. O esterreich-Ungarn. Karlsbad, im December. (Privatmitth.) Der tapferste Soldat der Armee ein Israelit! Die schöne Bezeichnung eines „Tapfersten der Armee" wurde vom Commandirenden in Bihac, Generalmajor Zach, dem Officier-Stellvertreter des Regiments Airoldi Gustav Morgenstern, einem Israeliten aus Pest zu Theil. Dem jungen Helden wurde vom General eigenhändig die große goldene Tapferkeitsmedaille an die Brust geheftet; außerdem erhielt er eine große silberne Gedenkmünze in Begleitung folgender Zeilen: „K. k. 11. Armeecommando. Serajewo, 10. November 1878. Anliegend erhält das Regimentscommando eine im Wege des k. k gemeinsamen Kriegsministeriums zugekommene Medaille, welche der k. k. Steueramts-Adjunct Paolo Vossigliewich in Civitavecchia aus seiner Medaillensammlung „für den tapfersten Soldaten, ohne Unterschied der Charge oder Waffengattung" gewidmet hat. Dieselbe wird dem Ossicier-Stellvertreter Gustav Morgenstern des Regiments zuerkannt und ist diesem auszufolgen. Philippowich, Feldzeugmeister." — Herr Ludwig Moser, der bisherige Vorsteher der hiesigen Gemeinde, welcher sich beim Neubau der hiesigen Synagoge, der unstreitig schönsten in ganz Oesterreich, durch seine unermüdliche Thätigkeit große Verdienste erworben hat, ist dieser Tage einstimmig auch für die neue Wahlperiode als Gemeindevorsteher wiedergewählt worden. -

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