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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-12-17 · Heft 51 (17.12.1878) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 51 (17.12.1878)
Date
1878-12-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Cm unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. (Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dir L'/r Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden , mit Lv Pf. für die Perirzeiie oder deren I Raum berechner. I Alle Postämter und Bnchhandlnngen i nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten; , wende man fich an l>r. t Philippsun in; j Bonn; hinsichtlich der Jnseraie an Hl. ' - Masse ia Ueivrig and veffeo Ki'ialcn i» Berlin, Breslau rc. Inserate, welche bis vonaerslaeingehen, . I finden in der darauffolgenden Berücksichtigung. Beilagen werden mit I Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 17. December 1878. 31. Inbnll. Leitende Artikel: Ein Brief an M. G. in L. (Schluß.) — Zar Judenfrage in Rumänien. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Gleiwitz, Braunichweig. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Rumänien: Bukarest. — Afghanistan: Lemberg. — Amerika: Neiv-Pork. — Bonn: Notizen. Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine gegenseitige Rettung (Forts.). Mit dem ersten Januar 1879 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren 43sten Jahrgang. Wir ersuchen um baldigste Erneuerung des Abonnements, damit in der Zusendung keinerlei Störung eintrete. _ _ Baumgärtner's Verlagsbuchhandlung in Leipzig. -Celteiide Bonn, 11. December. Lin Brief an Ül. G. in L. (Schluß.) IV. Ich komme zu dem „zweiten Ziele", das im Ausbau des Lehr- und Gedankeninhaltes des Judenthums nach den Anschauungen der Gegenwart zu erstreben war. Es ist bekannt, daß vom Beginn der Entwicklung der Tradition im Judenthume an es der Agada nicht gelang, sich neben der Halacha zu einer gleichen Geltung zu erheben. Hierbei verblieb es auch, selbst als die Agada zu einer reichen, trotz mannigfacher Abwege herrlichen Blüthe sich entfaltete. Ter schöpferische Geist bethätigte sich in Fülle nach dieser Richtung, ohne jedoch eine gleiche Werthschätzung zu gewinnen. Der Ursachen dieser Erscheinung, die dem Judenthume einen eigenthümlichen Charaker aufprägte, sind mehrere. Zunächst war es das Bedürfniß, das vorwiegend die Durch- und Ausarbeitung der Halacha erforderte, das Bedürfniß des wirklichen Lebens, welches überall gebieterisch eintritt. Bei der vorherrschenden Neigung, das Leben bis in das kleinste Detail religionsgesetzlich ordnen zu lasten, mußte der Werrh der Halacha vor allem Anderen in die Augen springen. Gerade daraus entstand die Autorität, die der Halacha und damit auch dem derselben Kundigen und sie Weiterbildenden sich wie von selbst zueignen mußte, und die das Studium derselben um so verlockender machte. Naturgemäß entwickelte sich dadurch auch die Geistesrichtung zum Scharfsinn und desten Thätigkeit, während die Arbeit der Phantasie und der Gemüthlichkeit an Achtung verlor. Hierzu kam, daß die Halacha Gegenstand aller Erörterungen in den Sanhedrin und Lehrschulen war, folglich die öffentliche Aufmerksamkeit und den Respcct für sich in Anspruch nahm, während der Midrasch Sache des Einzelnen war, der dazu Begabung und Lust hatte. Im Perlaufe der Zeiten verstärkte sich dies immer mehr. Auch die spätere Religionsphilosophie vermochte nur zeitweise und in kleineren Kreisen eine Abhülfe zu schaffen. Erwarb sich die Kabbala weitere Anhänger, so geschah dies zunächst durch den Reiz des Geheimnißvollen, dann aber durch den Zauber des Aberglaubens, der die Mape, namentlich in dunklen Zeiten, so leicht festelt. Bei dem Stillstand des Geistes in den letzten Jahrhunderten unter den Juden verknöcherte zwar die Halacha immer mebr, ohne daß dies jedoch der Agada zur Hülfe gekommen wäre.

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