Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1878)
- Date
- 1878-12-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2>/r Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren i Raum berechnet. j Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoll in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten t wende man sich an vr. L. Philipps»» in > Bonn; hinsichtlich der Inserate an A.! HNoffe in Leipzig and dessen Kilialem > in Berlin. Breslau rc. , Auferatr, welche bis Donnerstag eingehe», i finden in der varanffolzenden Nummer Brrückfichtiguag. Beilagen werden mit I Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 3. December 1878. Jß 49. Inbnü. Leitende Artikel: Ein Brief an M. G. in L. III. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin," Hannover, Aus dem Großherzogthum Weimar, Aus dem Großherzogthum Sachsen, Leipzig, Detmold, Aus Württemberg. — Oesterreich- Ungarn: Brody, Wien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Eine gegenseitige Rettung (Forts.). Geltende (SLxhSkei. Bonn, 27. November. Ein Srief an M. G. in L. III. Es galt also auch aus das innere Leben des Judentums nachhaltig einzuwirken. Das war bald einleuchtend, daß es sich nicht sowohl um eine „Reformation", als um eine „Regeneration" handeln konnte, nicht der „Reformatoren", sondern der „Regeneratoren" bedurfte es. Bei der ganzen Beschaffenheit des Judenthums und der Standpunkte, die seine Bekenner zu demselben einnahmen, bei der überaus raschen Culturbewegung, die sie vollbrachten, war es nicht darum zu thun, von den überlieferten Satzungen und Bräuchen diese und jene aufzuheben und andere für bleibend und verpflichtend zu erklären. Abgesehen davon, daß sich hierüber eine Vereinigung nicht hätte erzielen laffen, war die Masse zu einem Theile über alle solche Erklärungen hinaus und dem anderen, dem stabilen Theile, erschienen solche Erklärungen als pure Ketzereien. Die Versuche, die später in dieser Richtung geschahen, sind deshalb gänzlich erfolglos geblieben. Der Einzelne wollte entweder von Veränderungen nichts wiffen und sah sie als sündhaft an, oder er wollte seine Freiheit, seine eigene Gewiffensfreiheit von keiner neuen Autorität binden laffen. .Das einzige Feld für eine Reform blieb daher immer nur der öffentliche Gottesdienst, weil eben in diesem eine Vereinigung der Einzelnen stattfindet und zugleich in die äußere Erscheinung ttitt. Welcher Weg war nun zu einer Wiederbelebung von innen heraus einzuschlagen? ... Das Erste, das Nothwendigste war: die autoritative Grundlage des Judenthums dem Bewußtsein wieder näher zu bringen und in ihm von Neuem zu stärken. Hierzu war aber der Talmud nicht mehr geeignet. Denn einerseits hatte sich bereits die Kenntniß deffelben aus der Maffe verloren; er war schon bei einigen Generationen aus dem Kreise des Unterrichts geschwunden; und diese Kenntniß bot der Sprache wegen große Schwierigkeiten, so daß bei dem so umfänglich gewordenen Unterricht im sogenannten profanen Wiffen keine genügende Zeit dafür übrig blieb. Andererseits widerstanden dem eben gewonnenen Geschmack und der errungenen Bildung die Gegenstände und die Form der talmudischen Discussionen. Ihn also der Jugend wieder nahebringen zu wollen, wäre ein nutzloses, aber auch ein zweckwidriges Unternehmen gewesen. Vielmehr hatte man genug zu thun, um die Mißachtung zu zerstreuen, in welche der Talmud und der Rabbinismus bei den Juden jener Zeit gerathen war, und ihm die hohe geschichtliche Bedeutung, die er für das Judenthum besitzt, zu vindiciren und die wesentlichen Bestandtheile, die er der Entwicklung des Judenthums geliefert, erkennbar zu machen. Allerdings wurde auf diesem Wege die Kenntniß des Talmuds ein Eigenthum der specisisch jüdischen Gelehtten, sowie die Kenntniß des überliefetten Gesetzes überhaupt. Es trat dadurch eine Unterscheidung zwischen, wie man nunmehr sagen muß, den Laien und den Theologen, die seit vielen Jahrhunderten nicht inehr