Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1878)
- Date
- 1878-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Cm unparteiisches Orgm für Mes jüdische Interesse. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 diS 2>/r Bogen. Preis 1 Bierteljährig S Mark. Inserate werden i mit 20 Pf. für die Peiitzeile oder deren / Raum berechnet. I Alle Postämter und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten! i wende man sich an I>r. t. Uhilippson in ' Bonn: hinsichtlich der Inserate an A.! Mols« iu Leipzig und dessen Kilialeu? , in Berlin. Breslau re. , iZastrate, welche bis Donnerstag eingehen.!! finden in der darauffolgenden Nummer! I Berücksichtigung. _ j Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 26. November 1878. Jß 48. Inbuü. Leitende Artikel: Ein Brief an M. G. in L. II. — Petersburger Briefe. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Magdeburg. Speher, Saarlouis. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg. — Rumänien: Bukarest. — Ru ßland: Wien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Eine gegenseitige Rettung (Forts.) -leitende (QLxhkel. Bonn, 20. November. Ein Srief an M. G. in L. II. Sollte irgend eine Wirksamkeit ermöglicht werden, so war vor Allem nöthig, eine Verbindung zwischen den über die Erde zerstreuten Gliedern zu schaffen, ein mehrfaches geistiges Band, das ste zusammenzufrffen vermöge. Die Judenheit war in einen Zustand gerathen, in welchem ste völlig auseinandergefallen erschien. Jede Art von Verkehr, selbst zwischen Nachbargemeinden, war verschwunden, selbst die frühere lebhafte Correspondenz der Rabbiner unter einander über religionsgesetzliche Fragen hatte fast gänzlich aufgehört. In älteren Zeiten hatte die oft eingettetene Verbannung und Verfolgung Juden aus dem einen Lande in das andere geworfen; dies war glücklicher Weise vorüber; die Juden waren überall fest ansässtg; sogar das Gegentheil war eingetteten: die Ueberstedelung in ein anderes Land, ja selbst nach einem anderen Orte desselben Landes, war ihnen so erschwett, daß ste an ihre heimatliche Scholle gebunden waren. Sowohl die Kenntniß der Zustände und Vorgänge, als auch das gegenseitige Interests ging ihnen ab, und jede Ottsgemeinde lebte für sich 1 und dachte nur an sich. Auch beschäftigte sich die seit 1830 entwickeltere Tagespreffe noch wenig mit den Juden, und nur wenn in irgend einein constitutionellen Staate die Befferstellung der Juden zur Verhandlung kam, nahm dies einigen Raum in der Oeffentlichkeit ein. Die erste Bedingung war also,.ein Organ zu schaffen, welches innerlich und äußerlich ein Ver> bindungsmittel zwischen allen Gliedern der Judenheit abgäbe und ihre sämmtlichen Jntereffen, politische, sociale, religiöse, literarische, pädagogische und wiffenschastliche, zusammenfaffe und jedes derselben mit gleichem Eifer und Geschick verfolge. Dieser Gedanke wurde durch die ,.Allgemeine Zeitung des Judenthums" verwirklicht. Allerdings hatte man schon früher Aehnliches gedacht und versucht, und zwar in den Zeitschriften „Sulamith" und „Jedidja". Wer in dieselben, in die zum größten Theil oberflächlichen Aufsätze und die wenigen höchst dürftigen Nachrichten, die sie enthielten, einen Blick wirft, wird einsehen, daß ste weder eine solche Bestimmung, noch kaum annähernd eine befriedigende Ausführung hatten. Die Langsamkeit und Unregelmäßigkeit, mit der ste erschienen, machte sie völlig ungeeignet. Von dem siebenten Jahrgang der Sulamith waren 6 kleine Hefte in fünf Jahren (1824—28) und die anderen 6 Hefte in sechs Jahren (1828—33) erschienen. Von der Jedidja der erste Band des vietten Jahrgangs 1823, der zweite Band 1831, und beider Zeitschriften Verbreitung war eine sehr kümmerliche. Anders die A. Z. d. I., die mit der größten Pünktlichkeit Anfangs drei Male die Woche erschien, sofort Original-Eorrespondenzen aus allen Ländern, z. B. selbst aus Marokko, brachte und alle Zweige, auch die Belletristik, nachdrücklich Pflegte. Sie fand allgemeinen Anklang, verbreitete sich rasch bis über den Oecan und weckte mit einem Schlage das schlummernde Interesse,