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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-27 · Heft 116 (27.9.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 116 (27.9.1838)
Date
1838-09-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M. z-hd-g. Allgememe No. ne. Zeitung -es Zudenthums. Ein uupartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigfter Concession.) Leipzig, den 27. September 1838. Zeitungsnachrichten. Königsberg, 20. Aug. (Privatmitth. * ••)). Seit einigen Wochen verweilt bei uns der in diesen Blattern mehrfach genannte Vorbeter, Herr H. Weintraub aus Rußland, und wir waren schon zweimal so glücklich, ihn nebst seinem Sängerpersonale bei der Vollziehung des Sabbatgottesdienstes bewundern zu können. Es war nicht blos die kunstvolle Harmonie, der seelenvolle Vortrag, der tertgemaße Ausdruck, was alle Herzen bezaubernd ergriff; es war die ganze Persönlichkeit des Vorsängers, die die finsterste Orthodoxie mit der aufgeklärtesten Reuglaubigkeit vermittelnd und versöhnend, alle Gemüther auf den Flügeln der Andacht einzig zu Dem emporhob, in dem alle Dissonanzen des Lebens in den reinsten Einklang sich auflösen. In der That dieser Gesichtspunkt verdient am meisten hier berücksichtigt und hervorgehvben zu werden, da über die Kunstfertigkeit des Gesanges, die geschickte Ausführung der Quartette und die Unübertrefflichkeit des reritativischen Vortrages unsere Kritiker mit den anderswo darüber laut gewordenen Stimmen völlig übereinkommend sich ausgesprochen haben. Herr Weintraub, ebenso kundig der Musik wie des vorzutragenden hebräischen Inhalts, eben so fromm wie rabbinisch gelehrt, scheint gerade der Mann zu sein, den Synagogencultus zu der ihm angemessenen Würde zu erheben und die über die Gesangs - und Recitirweise der Gebete bei uns überall noch herrschenden verschiedensten Ansichten mit einander auszugleichen. Er löste die schwierige Aufgabe mit bewunderungswerthem Glücke, die ganze deutsche Gemeinde und die große Anzahl seiner Landsleute, die bekanntlich hier Geschäfte halber den Sommer zubringen, zufrieden zu stellen, und insofern er dies bezwecken mochte, mußte freilich auch manches weltliche Element, und an den Freitagabenden bei dem sonst meisterhaften Violinspiel manches gekünstelte Solo mit unterlaufen, das er, die Eigenthümlichkeit der Kirchenmusik, die mehr die Gesetze der Harmonik als der Melodik befolgt, wohl kennend, sehr gut zu vermeiden versteht. Gleich nach seiner ersten Abhaltung des Gottesdienstes in der hiesigen Synagoge, gab sich ein allgemeiner Enthusiasmus zu erkennen, ihn mit seinem vortrefflichen Singchore an die Stelle des leider zu früh dahin geschiedenen Cantors zu wählen, und so groß auch die Opfer sind, welche dies Engagement erfordert, so sind die bereits getanen Schritte so energisch, daß an der Wahl nicht mehr zu •) Erst heute, den 9. Sept., angekommen. Red. zweifeln ist *). Wenn dieser von der Gesammther't der Gemeinde ausgegangene Wunsch, wie zu erwarten sieht, erfüllt wird, dann endlich kann der wohll. Vorstand zur Ausführung der projektieren Synagogenordnung schreiten und namentlich in Bezug auf Hrn. Weintraub dafür Sorge tragen, daß der störende Eontrast zwischen dem regelmäßigen Gesänge des Cantors und dem unharmonischen Einfälle der Gemeinde einerseits, sowie der schroffe Gegensatz zwischen dem kunstvollen Vortrage des Hauptvorbeters und dem widerlichen Singsänge der Nebenvorbeter aufs zweckmäßigste gehoben werde. Auf diese Weise hätten wir dem Gotteshause eine würdige Form und den erschlafften Gemüthern einen mächtigen Impuls zum religiösen Aufschwünge gegeben, und bedenkt man, daß hier gerade die strengste Rechtgläubigkeit alljährlich durch die russischen Juden bedeutend verstärkt wird, und daß sie wenigstens eben so gut als die entgegenstehende neotogische Partei mit dieser veredelten Umgestaltung sich befreundet, so sind die wohlthatigen Folgen der uns bevorstehenden Kultusordnung unberechenbar. —. Zu den Festlichkeiten, die am Geburtstage unseres geliebten Königs diesmal hier statt fanden, zahlen hiesige Blatter auch einen Vortrag, den Hr. Prof. v. Lengerke in der deutschen Gesellschaft über „das jüdische Drama" hielt. Da Referent gerade zugegen war, so kann ec diese etwas unbestimmte Aeußerung näher bezeichnen. Hauptsächlich sprach der Redner über das allegorische Drama „Migdal Oz" von Luzzatto, das er, wie ich bereits gemeldet, in deutsche Verse übersetzt, und nur einleitungsweise verbreitete er sich, über die dramatische Poesie der Hebräer. Er ging ausführlich auf die Form und den Inhalt jener Dichtung ein, hob die vorzüglichsten Schönheiten derselben besonders hervor und gab hin und wieder Proben seiner Uebersetzung, die, soweit sich dies beim bloßen Anhören beurtheitcn laßt und wie es von dem Orientalisten und dem Dichter zu erwarten steht, sehr wohl gelungen erscheint •*). Fcstt. *) Ein vom Referenten auf vielfaches Verlangen verfertigtes Circulair wurde durch die Herren Heinrich Hirschberg und V.S.Caro in Umlauf gesetzt, welches denn, die Anstellung des Herrn Weintraub bezweckend, schon nach zwei Lagen den günstigsten Erfolg hatte. C o r r. ••) Wir können uns nicht enthalten, hier noch ein Referat eircs katholischen Zuhörers in der Königsb. Zeit. No. 187. hinzHufügen, da es mehre allgemeine Punkte auch berührt. ES HÜßt da: „Seit den letzten Wochen nehmen die »kürzlich angckommenen Synagogesanger nicht allein das Jntcreffe ihrer Glaubensgenossen, pudern auch das der gesammren Musikliebhaber und Kenner in

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